Ein Lehrstück in moderner Mitarbeiterführung (für Fans von Experimenten)
Gut am Arbeitgeber finde ich
Das Pflege-Team vor Ort: Goldwert, fachlich stark und menschlich top.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Das eigene Image des Geschäftsführers hat stets Vorrang vor dem Wohl der Pflegekräfte.
Stellvertretende PDL agiert lieber provozierend und auslachend als lösungsorientiert.
Spontanes Abziehen aus der Patientenversorgung für disziplinierende "Gespräche".
Erstaunlich kreative und scheinheilige Begründungen bei Abmahnungen und Kündigungen.
MAV mit ausgeprägter Neigung zur Kuschelpolitik nach oben.
Verbesserungsvorschläge
Für Fachkräfte mit Eigeninitiative, Berufsstolz und dem Wunsch nach Respekt auf Augenhöhe eine fantastische Gelegenheit, um zu lernen, wie man es definitiv nicht machen sollte. Ein riesiges Dankeschön an den Geschäftsführer und sein Leitungsteam für diese lebensnah servierte Lektion!
Kollegenzusammenhalt
Die Kollegen in der Pflege vor Ort verdienen den Nobelpreis. Der Zusammenhalt an der Basis ist phänomenal – anders wäre dieses administrative Kunstwerk auch gar nicht am Laufen zu halten. Der Geschäftsführer und seine Leitungsebene halten sich derweil vorbildlich von der Pflegerealität fern, vermutlich um das feine Gesamtbild nicht mit Alltagsproblemen zu belasten.
Umgang mit älteren Kollegen
Dienstjahre und Verträge werden auf dem Papier extrem flexibel gehandhabt. Wer Transparenz fordert oder auf Korrektheit besteht, bringt frischen Wind in die Rechtsabteilung und bekommt als Dankeschön ein Rundum-Sorglos-Paket an administrativem Hürdenlauf geboten.
Vorgesetztenverhalten
Hier wird Mitarbeiterwertschätzung noch ganz großgeschrieben – zumindest, wenn es um den eigenen Ruf in der Öffentlichkeit geht. Der Geschäftsführer opfert sich auf, um das Image nach außen zu pflegen, während an der Basis das Fußvolk im Umgang von oben herab geschult wird. Auch die stellvertretende PDL überzeugt durch ein ganz besonderes Deeskalationskonzept: Statt lösungsorientiert zu handeln, setzt man hier bevorzugt auf Provokation und überlegenes Lachen. Besonders charmant: Wenn Not am Mann ist, wird man auch gerne mal mitten aus der aktiven Pflege abgezogen. Schließlich gibt es nichts Wichtigeres, als spontane Einladungen zu pädagogisch wertvollen Druckgesprächen beim Geschäftsführer auf dem Teppich. Und sollte mal ein Grund für Abmahnungen oder Kündigungen fehlen, beweist die Führungsetage beeindruckende Fantasie bei der Wundersammlung scheinheiliger Argumente.
Gleichberechtigung
Wer von der MAV ein kritisches Organ erwartet, wird aufs Angenehmste überrascht: Das Gremium hat die Kunst des Schulterklopfens in Richtung Geschäftsführung perfektioniert. Als verlängerter Arm des Geschäftsführers agiert man hier erstaunlich geschmeidig. Wer echte Unterstützung bei Konflikten sucht, lernt schnell, wie schön es sein kann, komplett auf sich allein gestellt zu sein.