Vom agilen Datencenter-Spezialisten zum Verwaltungsapparat – Hohes Gehalt, aber fehlende Seele.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Das Unternehmen bietet eine finanziell extrem solide Basis: Das Gehalt ist angemessen hoch und stets pünktlich. Die Weiterbildungsmöglichkeiten sind hervorragend, und die technische Ausstattung der Rechenzentren ist auf dem neuesten Stand. Für technisch versierte Fachkräfte sind die Aufgaben sehr interessant und die Positionierung am Weltmarkt ist exzellent. Der Kollegenzusammenhalt in den Teams ist trotz der schwierigen Übergangsphase weiterhin stark.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Seit dem Übergang von Interxion zu Digital Realty hat das Unternehmen viel von seiner ursprünglichen Seele und seinem familiären Charakter verloren. Die flachen Hierarchien sind einem ausufernden und unpragmatischen Verwaltungsapparat gewichen. Entscheidungswege sind unnötig lang und kompliziert. Dazu kommt die zunehmende Kluft zwischen Management und den operativen Ebenen. Es ist ein deutlicher Wandel hin zu einer gewissen Ellenbogen-Mentalität in einigen Bereichen spürbar.
Verbesserungsvorschläge
Digital Realty muss dringend den Pragmatismus in die Operations-Teams zurückbringen und den Verwaltungsapparat deutlich entschlacken. Das Unternehmen sollte aufhören, alle Prozesse blind nach US-Vorgaben zu steuern, und stattdessen die lokale Expertise und Erfahrung der Mitarbeiter vor Ort wieder mehr wertschätzen und in die Entscheidungswege einbinden. Es braucht wieder flachere Hierarchien und kürzere Entscheidungswege, um die Kluft zwischen dem Top-Management und den Operations zu schließen und das Vertrauen wiederherzustellen.
Arbeitsatmosphäre
Die Atmosphäre ist schwankend. Einerseits ist die Aufgabenstellung interessant (siehe unten), aber die zunehmende Bürokratie und der Verlust des familiären Geistes durch die Übernahme drücken auf die Stimmung. Man spürt, dass viele Mitarbeiter frustriert sind, u.a. über die langen Entscheidungswege, über Kopf-Hinweg-Entscheidungen...
Image
Digital Realty ist im Markt als einer der absoluten Marktführer im Bereich Colocation und Interconnection bekannt. Das Image ist daher exzellent, auch wenn die internen kulturellen Herausforderungen (Verwaltungsapparat) die Mitarbeiter-Zufriedenheit belasten.
Work-Life-Balance
Angemessen. Die Work-Life-Balance ist in Ordnung. Es wird viel erwartet, aber die pünktliche und faire Bezahlung sowie ein gewisser Gestaltungsfreiraum im Job gleichen den erhöhten Aufwand oft aus.
Karriere/Weiterbildung
Die Möglichkeiten zur Weiterbildung sind hervorragend. Das Unternehmen investiert viel in die Qualifizierung der Mitarbeiter. Für technisch versierte Fachkräfte bieten sich sehr gute Karrierepfade. Allerdings muss man bereit sein, sich mit den neuen, teils bürokratischen, Strukturen auseinanderzusetzen.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt ist sehr attraktiv und für die Branche und die Verantwortung absolut angemessen hoch. Die Auszahlung erfolgt zuverlässig und pünktlich. Auch die Sozialleistungen und die ganzen Benefits bewegen sich auf einem hohen Niveau.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Das Unternehmen setzt sich für das Thema Nachhaltigkeit ein und versucht, einen Beitrag zu leisten, u.a. das die PUE Vorgaben für 2027 und 2030 einzuhalten bzw. zu erreichen. Dennoch ist das Betreiben von Datacentern naturgemäß sehr energieintensiv.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt im Team ist noch immer gut. Die Mitarbeiter halten zusammen, insbesondere in den Ops-Teams, um die Lücken und Unklarheiten des Verwaltungsapparats auszugleichen. Die guten Mitarbeiter-Events fördern diesen Zusammenhalt zusätzlich. Hier liegt eine der letzten Stärken der ursprünglichen Kultur.
Umgang mit älteren Kollegen
Der Umgang ist gut. Die langjährige Erfahrung und das Fachwissen älterer Kollegen, die oft noch aus der Interxion-Ära stammen, wird weiterhin als wertvoller Pfeiler betrachtet und ist vor Ort in den Operations-Teams stark verankert. Das Management weiß diese Expertise auf der einen Seite zu schätzen. Auf der anderen Seite schaffet das Management es aber nicht, das tief sitzende Wissen aus der Interxion-Ära ausreichend zu würdigen bzw. diese Leute weiterhin für das Unternehmen zu begeistern.
Vorgesetztenverhalten
Sehr verbesserungswürdig. Das Verhalten ist oft von der "Ellenbogen-Mentalität" geprägt. Es fehlt an Pragmatismus und Verständnis für die operativen Notwendigkeiten. Anweisungen von oben sind häufig generisch, und es fehlt die Unterstützung, die man von einem "klugen Freund beim Kaffee" erwarten würde, da der Fokus gefühlt eher auf Verwaltung statt auf das operative Geschäft liegt.
Arbeitsbedingungen
Die technische Ausstattung ist hervorragend, was in einem so technisch anspruchsvollen Umfeld auch notwendig ist. Die Arbeitsbedingungen in den Rechenzentren sind in der Regel sehr gut organisiert und modern.
Kommunikation
Die Kommunikation ist ein Schwachpunkt. Es herrscht eine starke Top-Down-Steuerung aus den USA, die oft wenig Raum für lokalen Pragmatismus lässt. Die Kluft zwischen dem oberen Management und den Operations-Teams (schon ab der Manager-Ebene) wird immer größer, was zu einem Informationsgefälle führt.
Gleichberechtigung
Grundsätzlich werden alle Mitarbeiter formal gleichberechtigt behandelt und es gibt Programme, die dies unterstützen. Allerdings führt die zunehmende Top-Down-Steuerung und die Fehlbesetzung von Schlüsselpositionen, stellenweise dazu, dass die tatsächlichen Chancen und die Wahrnehmung von Gleichberechtigung in der Praxis leiden.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben selbst sind inhaltlich sehr interessant und bieten viel Abwechslung. Als Teil einer der größten Datencenter-Plattformen der Welt ist die technische Herausforderung hoch, und es gibt klare Weiterbildungsmöglichkeiten zur Bewältigung dieser Aufgaben.

