95 % allein im Büro – null Zusammenhalt, Eigeninitiative ignoriert – Motivation als Störfaktor
Verbesserungsvorschläge
1. Echtes Onboarding und Mentoring etablieren.
2. Mentoring-Programm, bei dem erfahrene Entwickler sich untereinander helfen.
3. Führungskräfte schulen und entwickeln - Vorgesetzte trainieren in modernem Führungsverhalten, konstruktivem Feedback und Mitarbeiterförderung
4. Gesprächsprotokolle führen
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre war geprägt von Misstrauen, Lästereien und völliger Lustlosigkeit. Wenn man schon durchs verglaste Büro über andere spekuliert („Was hat die wohl in ihrem Vertrag stehen?“), dann weiß man, wie viel „Professionalität“ herrscht.
Vertrauen untereinander? Fehlanzeige. Stattdessen wurden mir ungefragt intime Geschichten über Kollegen erzählt – und zwar nicht nur von Mitarbeitern, sondern auch von Führungskräften.
95 % der Zeit saß ich allein im Büro, weil viele schlicht „keine Lust hatten“ zu kommen. Ein Teamgefühl konnte so gar nicht erst entstehen. In meinem Jahr dort sind rund zehn Leute gegangen – die meisten freiwillig. Das sagt eigentlich schon alles.
Unternehmenskultur? Existiert nicht. Eher eine Ansammlung von Einzelkämpfern, die warten, dass sie jemand inspiriert, aber selbst keinen Funken investieren wollen.
Selbst gesundheitliche Themen wie Schimmel im Büro wurden heruntergespielt – Hauptsache, man redet nicht drüber.
Kurz gesagt: Eine Atmosphäre, die aus Buschfunk, Schweigen und Wegsehen besteht – wer auf so etwas steht, ist hier goldrichtig.
Kommunikation
Kommunikation war hier eher ein Ratespiel. Gesprächsprotokolle? Fehlanzeige – weder bei Personalgesprächen noch beim Aufhebungsvertrag. Informationen wurden grundsätzlich nicht dokumentiert, sondern höchstens im Buschfunk verteilt.
Statt klarer Aufgaben gab es Tickets ohne Inhalte oder mit fehlenden Eckdaten. Wenn man dann komplett in die falsche Richtung lief, hieß es nur: „Daran musst du dich gewöhnen.“ Wirklich hilfreich.
Auch nach Freigaben herrschte Chaos: Merge Requests wurden approved, Features gingen live – und Tage später fand ich meinen Branch wieder in Bearbeitung, ohne Kommentar oder Erklärung. Feedback-Kultur? Null.
Wer also eine Firma sucht, in der klare Ansagen gemacht, Feedback ernst genommen und Entscheidungen erklärt werden – sollte sich woanders umschauen.
Kollegenzusammenhalt
Unterstützung durch Kollegen war kaum vorhanden. Ein technisches Onboarding im Code oder Projekt fand praktisch nicht statt. Daher musste ich mir rund 90 % des Wissens, inklusive neuer oder bestehender
Programmierkonzepte und -paradigmen, selbst beibringen – obwohl ich immer wieder aktiv danach gefragt habe. (kein PairProgramming)
Mein Interesse ging über meine direkten Aufgaben hinaus: Ich war freiwillig bei jedem Release dabei und zeigte Engagement für andere Firmenthemen. Dieses Engagement wurde jedoch regelmäßig unterbunden mit Kommentaren wie: „Du hast genug zu tun, kümmere dich lieber darum.“ Selbst als ich beim Firmenumzug meine Hilfe anbot, wurde ich vor einer Kollegin schroff abgewiesen, ich solle mich um meine eigenen Aufgaben kümmern.
Work-Life-Balance
Ich habe in 13 Monaten freiwillig rund 300 Überstunden geleistet, um mich einzuarbeiten und besser zu werden. Diese Stunden wollte ich bewusst nicht geltend machen, da sie aus reiner Lernbereitschaft und der Freude am Programmieren entstanden sind.
Dieses Engagement wurde jedoch nicht nur vollkommen ignoriert, sondern es wurde mir im Gegenzug sogar die grundsätzliche Eignung für den Beruf infrage gestellt, indem man mir unterstellte, mir fehle das „Entwickler-Gen“.
Vorgesetztenverhalten
Wow, das war auch sehr speziell! Von Tag eins an wurde keine Zeit in meine Entwicklung investiert. Mein hohes Engagement wurde als störend empfunden und statt Unterstützung gab es nur demotivierende Kommentare.
Das gipfelte in einem unprofessionellen Aufhebungsgespräch, bei dem mein Vorgesetzter eine passive Opferhaltung einnahm und ohne wirkliche Begründung ein Angebot vorlegte. Zusammengefasst: Ein kalter, unberechenbarer und an der Mitarbeiterentwicklung völlig desinteressierter Führungsstil.
Interessante Aufgaben
ja war super interessant ABER...
Trotz der vielen Schwierigkeiten möchte ich betonen, dass es auch super liebe Menschen in der Firma gab. Besonders dankbar bin ich für den einen oder anderen Senior, der sich freiwillig und außerhalb seiner Verantwortung Zeit für mich genommen hat. Zudem sind aus dieser Zeit echte Freundschaften entstanden, die auch heute noch bestehen, obwohl viele dieser Kollegen das Unternehmen inzwischen ebenfalls verlassen haben. Diese positiven Begegnungen waren und sind wichtige Lichtblicke.
Gleichberechtigung
Thema Gleichberechtigung: Eher alles stereotypisch...
Es gibt viele Männer, denen man häufig sagen muss, dass der Hosenstall offensteht, oder die man daran erinnern muss, die Tür zu schließen, wenn sie von der Toilette kommen. Und viele Männer wollen keinen Geschirrspüler ausräumen oder finden es sehr schwierig, ihn einzuräumen.
Umgang mit älteren Kollegen
Der Umgang mit älteren Kollegen ist total super – jemand, der lange im Unternehmen ist, wird befördert; ob er geeignet ist oder nicht, ist egal. Selbst wenn man keinerlei Leader-Fähigkeiten hat. Das finde ich nicht schlimm, aber ein Kurs für die Person wäre bestimmt ganz gut...