Gut am Arbeitgeber finde ich
Was definitiv positiv hervorzuheben ist, sind die Menschen im Unternehmen. Ich habe viele tolle Kolleginnen und Kollegen kennengelernt und über die Jahre auch echte Freundschaften geschlossen. Der Zusammenhalt untereinander ist für mich einer der größten Pluspunkte.
Auch die Basics funktionieren: Das Gehalt kommt pünktlich und zuverlässig.
Und trotz aller Kritik bleibt festzuhalten, dass es viele engagierte und fachlich starke Menschen gibt, mit denen die Zusammenarbeit wirklich Spaß macht. Die Kollegen sind für mich ganz klar einer der Hauptgründe, warum ich gerne hier gearbeitet habe.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Führung ohne klare Linie, fehlende Strategie und Verbindlichkeit, zu wenig Ownership, schlechte Kommunikation und mangelnde Nachhaltigkeit bei Entscheidungen. Statt Probleme anzugehen, werden sie verwaltet und immer wieder mit kurzfristigen Lösungen überdeckt.
Kurz gesagt: Zu viel Feuerlöschen, zu wenig Zukunft gestalten – und dabei wird zunehmend die Motivation derjenigen verbrannt, die den Laden eigentlich voranbringen wollen.
Verbesserungsvorschläge
Kurz und knapp:
Weniger verwalten, mehr gestalten. Klare Strategie, klare Verantwortlichkeiten, verlässliche Führung, nachhaltige Lösungen und mehr Vertrauen in die Menschen, die jeden Tag versuchen, den Laden voranzubringen.
Und das bedeutet:
Auf allen Ebenen vorleben, anstatt Buzzwords auf eine Folie zu schreiben!
Arbeitsatmosphäre
Du kommst montagmorgens motiviert ins Büro und hast wenige Minuten später bereits mehrere Eskalationen auf dem Tisch. Also versuchst Du, die Themen zu priorisieren und irgendwie zu koordinieren. Dabei stellst Du schnell fest: Es gibt keine abgestimmten Prozesse, keine klaren Notfallpläne und vor allem keine erkennbare Ownership.
Unterstützung durch den Vorgesetzten bleibt aus. Da Du Zuständigkeitsdiskussionen für wenig zielführend hältst, übernimmst Du kurzerhand selbst den Lead, bringst die Situation zunächst unter Kontrolle und löst das Problem pragmatisch. Im Nachgang sprichst Du die Ursachen und die entstandene technische Schuld gegenüber Deinem Vorgesetzten an – in der Erwartung, gemeinsam daraus zu lernen und nachhaltige Lösungen zu schaffen.
Stattdessen bekommst Du zwar die Rückmeldung, dass Du die Situation „gut gelöst“ hast, gleichzeitig aber den Hinweis, dass Du dafür eigentlich nicht zuständig gewesen seist und ein solches Vorgehen künftig nicht gewünscht werde. Zwei bis drei Wochen später tritt dasselbe Problem erneut auf.
Irgendwann merkst Du, dass Eigeninitiative und das Übernehmen von Verantwortung zwar erwartet, aber offenbar nicht wirklich gewünscht ist.
Image
Von außen wird das Unternehmen meiner Wahrnehmung nach deutlich positiver dargestellt, als es intern teilweise erlebt wird. Gerade in der Region ist das Image aus meiner Sicht nicht uneingeschränkt gut und scheint sich auch durch die Erfahrungen ehemaliger Mitarbeitender herumzusprechen.
Daher würde ich das Unternehmen aktuell nicht uneingeschränkt als Arbeitgeber weiterempfehlen. Nach außen wird ein anderes Bild vermittelt, als es sich im Arbeitsalltag teilweise darstellt. Vlt. wird es mit einem Wechsel der Windrichtung mal besser, nur da muss noch viel Wasser den Fluss runter laufen. Ich drücke dennoch die Daumen.
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance passt grundsätzlich: Die Arbeitszeit lässt sich flexibel einteilen und bietet dadurch viel Freiheit. Auch mobiles Arbeiten funktioniert gut – zumindest solange nicht plötzlich entschieden wird, dass man doch wieder regelmäßig im Büro erscheinen soll. Einen konkreten Mehrwert oder nachvollziehbaren Grund dafür sucht man allerdings vergeblich. Die Arbeit funktioniert auch von zuhause, die Ergebnisse bleiben dieselben. Hier wäre weniger „Anwesenheit um der Anwesenheit willen“ und mehr Vertrauen in die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden wünschenswert.
Karriere/Weiterbildung
Wenn im Rahmen von Mitarbeitergesprächen klar kommuniziert wurde, dass eine zusätzliche Verantwortung an eine entsprechende Entwicklung gekoppelt sein sollte, ist es enttäuschend, wenn diese Verbindung später nicht mehr nachvollziehbar ist. Mehr Verantwortung sollte sich langfristig auch in der Wertschätzung und auch in Vergütung widerspiegeln – mindestens jedoch in einer in der Vita nachvollziehbaren Art und Weise. Andernfalls wird aus Entwicklung schnell einfach nur eine Erweiterung des Aufgabenpakets.
Gehalt/Benefits
Mein Gehalt ist grundsätzlich angemessen für die ausgeübten Tätigkeiten, bewegt sich aus meiner Sicht allerdings deutlich im unteren Spektrum dessen, was am Markt für vergleichbare Aufgaben üblich ist; die Gehaltsbänder sind übrigens extrem breit. Das sollte man sich vlt. noch mal genauer ansehen. Die Benefits sind vorhanden, aber ebenfalls kein herausragendes Alleinstellungsmerkmal.
Kritischer wird es bei der Übernahme zusätzlicher Verantwortung. Grundsätzlich wird vermittelt, dass mehr Verantwortung auch eine entsprechende Entwicklung der Vergütung / neue Rolle ermöglichen sollte. In der Praxis entsteht jedoch teilweise ein anderes Bild: Zusätzliche Verantwortungsbereiche werden übernommen bzw. bestehenden Rollen einfach top-down hinzugefügt, während eine entsprechende Anpassung der Vergütung mit Verweis auf fehlenden Spielraum nicht möglich ist.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Zu diesem Punkt kann ich nur wenig sagen, da ich mich mit den entsprechenden Aktivitäten und Maßnahmen des Unternehmens nicht ausreichend beschäftigt habe.
Daher möchte ich mir hierzu kein Urteil anmaßen.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt ist nach wie vor eine der großen Stärken. Menschen, die sich gegenseitig unterstützen, wenn es brennt, die Verantwortung übernehmen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Viele Kolleginnen und Kollegen haben nach wie vor richtig Bock auf das, was sie tun, und den Anspruch, fachlich gute und nachhaltige Lösungen zu bauen.
Und genau das macht die Arbeit trotz aller Widrigkeiten immer wieder gut: Du sitzt gemeinsam mit Kollegen an einem Problem, baust eine richtig gute Lösung und kannst dabei sogar noch zusammen lachen. Dieser Zusammenhalt funktioniert – und er ist wahrscheinlich einer der Gründe, warum viele überhaupt noch so engagiert dabei sind.
Gleichzeitig wird es zunehmend schwer, dabei zuzusehen, wie dieses Engagement durch immer neue Brände, fehlende Strukturen und Führung, die dieses Engagement nicht ausreichend auffängt oder wertschätzt, langsam aufgerieben wird. Was heute noch mit Eigeninitiative und Teamgeist kompensiert wird, kann nicht dauerhaft funktionieren.
Umgang mit älteren Kollegen
Nach meinem bisherigen Eindruck scheint der Umgang mit älteren Kolleginnen und Kollegen grundsätzlich fair und respektvoll zu sein.
Vorgesetztenverhalten
Beim Vorgesetztenverhalten fehlt es leider an Verbindlichkeit. Absprachen werden nicht eingehalten, Termine werden verpasst und wichtige Jahresgespräche werden nicht konsequent nachgehalten. Auch die Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung scheinen nach ihrer Durchführung schnell in Vergessenheit zu geraten: Abgeleitete Maßnahmen werden nicht transparent vorgestellt oder aufgearbeitet – selbst nach einem Jahr gibt es dazu keine erkennbare Rückmeldung. Die nächste Befragung liegt schon aufm Tisch...ich bin gespannt ob wir vorher noch was zur letzten hören ;)
Das Problem ist weniger, dass nicht jede Maßnahme sofort umgesetzt werden kann. Problematisch ist vielmehr, dass Themen angesprochen, Erwartungen geweckt und anschließend nicht weiterverfolgt werden. Dadurch entsteht bei den Mitarbeitenden verständlicherweise der Eindruck, dass Feedback zwar abgefragt wird, Konsequenzen daraus aber nicht wirklich von Interesse sind. Mehr Verbindlichkeit, Kommunikation und echtes Nachhalten würden hier einen deutlichen Unterschied machen.
Arbeitsbedingungen
Meine persönlichen Arbeitsbedingungen sind im Homeoffice hervorragend. Ich kann meinen Arbeitsplatz so gestalten und ausstatten, wie es für meine Arbeitsweise sinnvoll ist. Das Ergebnis spricht für sich: Ich bin produktiv, kann konzentriert arbeiten und habe die Rahmenbedingungen, die ich dafür brauche.
Umso unverständlicher ist für mich die wiederkehrende Diskussion darüber, dass man durch eine Rückkehr ins Büro angeblich produktiver wäre – insbesondere dann, wenn dort teilweise sogar schlechtere technische und ergonomische Rahmenbedingungen vorhanden sind.
Bei den organisatorischen Arbeitsbedingungen sieht es leider deutlich weniger positiv aus. Es fehlen aus meiner Sicht klare Leitplanken, eine erkennbare langfristige Strategie und vor allem ein nachhaltiger Umgang mit bestehenden Problemen. Ownership und Verantwortungsübernahme werden auf Führungsebene nicht konsequent vorgelebt. Statt Probleme strukturell zu lösen, werden häufig kurzfristig Brände gelöscht und Entscheidungen vertagt.
Kommunikation
Es findet ein Teammeeting statt. Du erwartest Informationen zu aktuellen Themen, Strategien, wichtigen Projekten und organisatorischen Entwicklungen – also genau den Dingen, die für die tägliche Arbeit relevant sind. Stattdessen bleiben zentrale Fragen offen. Prozesse laufen nicht rund, klare Leitplanken fehlen und Themen, die bereits Wochen zuvor angesprochen, mit Verantwortlichkeiten versehen und als ToDos dokumentiert wurden, werden nicht weiterverfolgt.
Der Teamlead erscheint erneut verspätet, die vorherigen wöchentlichen Termine wurden teilweise kurzfristig und ohne nachvollziehbare Begründung abgesagt. Auf der offenen-Punkte-Liste gibt es weiterhin keine Updates. Auf Nachfrage heißt es lediglich: „Da haben wir noch Hausaufgaben zu machen.“
Gleichzeitig wird ausführlich über Themen berichtet, die für das eigene Team kaum relevant sind. Was fehlt, ist eine klare, verlässliche und zielgerichtete Kommunikation zu den Themen, die tatsächlich Einfluss auf die tägliche Arbeit haben.
Und irgendwann verstehst Du auch, was mit „offener Türen Politik“ gemeint ist: Die Tür steht zwar offen – nur weißt Du nicht, ob dahinter ein konstruktives Gespräch oder der Schleudersitz steckt.
Gleichberechtigung
Zu diesem Thema kann ich nur eingeschränkt etwas sagen, da ich selbst nicht davon betroffen bin und meine Wahrnehmung daher zwangsläufig nur von außen erfolgt.
Mir ist bewusst, dass es leicht ist, eine Situation als unproblematisch wahrzunehmen, wenn man selbst nicht mit möglichen Benachteiligungen oder Herausforderungen konfrontiert ist. Daher möchte ich ausdrücklich nicht für andere sprechen oder behaupten, dass hier alles perfekt läuft.
Sollte es entsprechende Themen oder Benachteiligungen geben, hoffe ich, dass diese von den Betroffenen offen angesprochen werden können und dann auch ernst genommen werden und Unterstützung erfolgt. Fragt nach Hilfe, wenn Ihr Betroffene seid...unterstützt wenn Ihr um Hilfe gebeten werdet!
Interessante Aufgaben
Es gibt grundsätzlich die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen, neue Lösungen zu entwickeln und Dinge aufzubauen. Diese Momente machen Spaß und zeigen, was eigentlich möglich wäre.
Der Arbeitsalltag ist aber: Ein großer Teil der Zeit wird damit verbracht, Systeme und Lösungen am Leben zu halten, deren Lebenszyklus eigentlich längst überschritten ist. Technische Schuld wird selten konsequent aufgearbeitet. Stattdessen werden immer wieder neue Brände gelöscht und Probleme mit kurzfristigen Workarounds behoben.
Besonders frustrierend ist dabei, dass viele der Probleme bekannt sind und auch die Motivation vorhanden wäre, sie nachhaltig zu lösen. Der Freiraum für wirklich interessante und zukunftsorientierte Arbeit ist jedoch häufig erst dann da, wenn man die Altlasten und akuten Brände irgendwie unter Kontrolle gebracht hat.
Das Potenzial für interessante Aufgaben ist definitiv vorhanden. Es geht nur leider viel zu oft darin unter, Dinge künstlich am Leben zu halten, statt etwas Nachhaltiges aufzubauen.