Das Schlimmste hat man zumindest hinter sich
Gut am Arbeitgeber finde ich
Das Büro liegt sehr zentral. Meine damaligen Kollegen waren zum Großteil wunderbar, viele von uns haben heute noch Kontakt. Ich hatte eine tolle Mentorin, von der ich redaktionell viel gelernt habe.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die Firma hat einen Mitarbeiterverschleiß, der seines gleichen sucht. Teilweise verlassen die Menschen das Unternehmen mit neuen Krankheiten im Gepäck oder zumindest körperlich und seelisch zutiefst erschöpft. Der Job danach wirkt vielen wie das Paradies auf Erden.
Ich war Trainee, wurde daher noch nicht persönlich angeschrien, mit Ordnern oder ähnlichem beworfen oder als dumm und unfähig angebrüllt. Doch die Kommunikation unter den Mitarbeitern war damals zumindest sehr gut, so dass alle immer auf dem aktuellen Stand waren, wer, wann, in welcher Intensität an die Wand genagelt wurde. Zudem gab es teilweise Mails an alle, in denen einzelne Mitarbeiter an den Pranger gestellt wurden. Die eigene berufliche Zukunft im Unternehmen wurde einem mit jedem Tag gleichgültiger. Insbesondere die Freitagssitzungen gelten als legendär im negativen Sinne.
Vom Grundgedanken her war die interne Weiterbildung mit Schulungen durch Kollegen gut gedacht. Bloß niemand hatte Zeit dafür, nach sehr kurzer Zeit fielen sie komplett weg.
Nur die ganz Harten kommen dort gerne zur Arbeit. Mehr als zwei, drei sind das aber nicht. Die anderen - damals wohl so um die 40, heute wesentlich weniger - sind dem Zynismus verfallen und haben sich regelmäßig hingeschleppt. Viele davon haben aber mittlerweile den Absprung geschafft. Also das, was einen damals noch halbwegs über Wasser gehalten hat, nämlich die witzigen und zur Empathie fähigen Kollegen, sind fast alle weg.
Die angeblich interessanten Aufgaben hatte ich nur selten, auch bei meinen Kollegen wirkte es nicht so, dass sie ihre Aufgaben so empfanden. In vorherigen Jobs und Praktika in anderen Unternehmen war die Arbeit mitunter lehrreicher. Doch man lernt viel über die eher unschöne Seite der Immobilien- und Finanzindustrie. Ich arbeite jetzt in einer anderen Branche.
Das Gehalt ist theoretisch auch für einen Trainee ok. Doch durch die realen Wochenstunden wird es lächerlich. Habe damals den Fehler gemacht, mir meinen "echten" Stundenlohn auszurechnen, der lag knapp unter 8,50 Euro.
Ich habe damals im Bereich ehrenamtliches Engagement am Wochenende einen Einsatz mit Kollegen organisiert, das lief unter Firmenengagement. Dafür gab es keinerlei Interesse geschweige denn Unterstützung von oben, generell erscheint das Wort Sozialbewusstsein lächerlich in Zusammenhang mit der Firma.
Verbesserungsvorschläge
Unternehmer handeln zukunftsorientiert, verantwortlich und wissen um ihre gesellschaftlichen Verpflichtungen. Tipp daher: ein echter Unternehmer werden. Aber da wird sich nie etwas verbessern.