Bezahltes Hobby in Rentner-Verein
Gut am Arbeitgeber finde ich
1. ein schönes Konzept, Kultur und Kulinarik zu verbinden
2. die Arbeitsaufgaben an sich (Gästebetreuung, Wissen vermitteln, Wissen vertiefen)
3. Selbstständigkeit und Freiheit in der Gestaltung der Touren
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
1. Einarbeitung ist zeitintensiv, aber unbezahlt
2. Notwendige Vor- und Nachbereitungszeiten werden nicht vergütet
3. Insgesamt schlechte Bezahlung, wenn man Aufwand und Vergütung gegenüberstellt
4. Die Erwartungen, was Arbeits-Verfügbarkeit, Erreichbarkeit und die Bereitschaft zu zusätzlichen, aber nicht bezahlten Treffen angeht, sind hoch und angemessen für einen solide bezahlten Hauptjob, der den Lebensunterhalt sichert. Für einen kleinen Nebenjob, den man um andere Einnahmequellen herum einplanen muss, nicht passend. Gut geeignet für Rentner, vielleicht auch für Studis, die immer im selben Zeitraum 3-4h Zeit haben.
Kollegenzusammenhalt
Ich habe bei meiner Einarbeitung zwei Kolleg:innen kennengelernt. Den einen (Rentner, gebürtig aus der Stadt, Hobby-Historiker) habe ich mir gegenüber (Frau, Anfang 30, zugezogen, Studien-Abschluss) als überheblich empfunden. Er hat mir suggeriert, ich sei für den Job nicht geeignet. Das hat mich auch ernstlich zweifeln lassen. Nach einem Austausch mit dem City-Manager habe ich mich aber dafür entschieden, mir das ganze doch näher anzuschauen. Die zweite Kollegin (ebenfalls Rentnerin) war super nett, hat mir viel berichtet, wir haben direkt Kontaktdaten ausgetauscht und ich habe ihr Feedback zu ihrer Tour gegeben (unbezahlt versteht sich).
Kommunikation
Ich habe die Kommunikation mit dem City-Manager (auch Rentner) zunehmend als unangenehm und kompliziert empfunden. Kontaktiert wurde ich abwechselnd per Mail, WhatsApp, Anruf, Mailbox-Nachricht und SMS. Mehrmals kamen Nachrichten mit selbem Inhalt, wenn ich nicht "schnell genug" geantwortet habe. Aussagen über persönliche Verfügbarkeiten wurden ignoriert und dann auf Termine in eben diesem Zeitraum gepocht. Wollte ich etwas schnell und direkt klären, wurden Gespräche teils verschoben – in einem Fall auf einen "freiwilligen" Termin, wo ich gesagt hatte, dass ich da wahrscheinlich nicht kann. Das wurde so auch nicht stehen gelassen, sondern wiederholt darauf gedrängt, dass ich an diesem eigentlich freiwilligen Termin teilnehme (sozialer Druck).
Ich habe bisher viel auf Projektbasis und freiberuflich gearbeitet, aber noch nie so eine wirre Zusammenarbeit erlebt.
Gehalt/Benefits
Pro Einsatz, der 3h dauert, bekommt man 17€/h + 15€ Anfahrtspauschale. Alles im Minijob-Verhältnis (66€ ohne Abzüge). Urlaub wird ausbezahlt. Pro Monat wird pauschal 1h für den organisatorischen Aufwand gezahlt.
Das klingt ok, in der Praxis dauern Touren aber meist länger, weil Teilnehmer mehr Zeit brauchen/man früher vor Ort sein muss – bezahlt wird das nicht. Realistisch sind rund 3,5 h pro Einsatz. Problematisch ist, dass einerseits die Einarbeitung unbezahlt ist, die ein Kennenlern-Gespräch, 2 Hospitationen, das Lernen eines eher schwachen Skriptes (dauerte bei mir allein 10h) und eine erste Führung umfasst. Für jedes weitere gelernte Skript gibt es pauschal 50€, was den tatsächlichen Aufwand in keiner Weise abbildet. Auch sonst fällt neben der eigentlichen Führung Arbeit an, die unbezahlt bleibt. Will man seinen Job gut machen und sich als Guide kompetent fühlen, ist es notwendig das Skript vorm Einsatz nochmal durchzugehen und bei Fragen, die man während der Führung nicht beantworten konnte, zu recherchieren.
Alles in allem eine Tätigkeit, die an eine Freiberuflichkeit erinnert, aber eben nicht so bezahlt wird.
Interessante Aufgaben
Die Arbeit an sich macht sehr viel Freude. Man sammelt Erfahrung im Bereich Public Speaking, lernt Gruppen zu führen, bekommt einen Einblick in die eigene Stadt und die Möglichkeit sich geschichtlich in Themen einzuarbeiten.