Gut am Arbeitgeber finde ich
Für die Ein-Mann-Personalabteilung sollte man ein Denkmal errichten. Kompetent, respektvoll und generell eine gute Person.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Toxisches Innuendo beeinträchtigt das Teamgefühl, das Selbstwertgefühl und das Sicherheitsgefühl erheblich. Daher sollte genau darauf geachtet werden, wer zur Technical Teamlead-Rolle ernannt wird.
Zudem ist die Lästerkultur völlig außer Rand und Band. „Flurfunk“ scheint aus irgendeinem Grund für meinen Divisionmanager viel wichtiger zu sein als mein persönliches Wohlbefinden oder das meiner Kollegen.
Verbesserungsvorschläge
Das Peterprinzip googeln und mal durchlesen.
Arbeitsatmosphäre
Zu Anfang sehr gut. Aber als sich dann fast 80% der vorherigen Absprachen in Luft aufgelöst haben, war alles hin.
Generell litt das Team, in dem ich drin war, sehr darunter, dass nur auf Zahlen geschaut wurde. Individuelle Leistung stand an dritter Stelle und dem Azubi etwas beibringen, was dem Unternehmen kein Geld einbringt, war an 4. Stelle.
Man hat gesehen das diese Divise das Team außeinander gerissen hat.
Kollegen, die immer bereit waren ihr Wissen zu teilen, wurden so unter Druck gesetzt, dass diese keine Zeit für „nicht faktorierbare Arbeit“ hatten, also Ausbildung, Dokumentation (intern) und Wissensweitergabe in andere Abteilungen.
Generell ist es schon häufiger passiert, dass mein Team vor anderen Abteilungen und Kollegen öffentlich vorgeführt wurden.
Zudem bekam man mit wie Personalgespräche in streiterein ausgeartet sind.
Karrierechancen
Ganz ehrlich: Für mich war das sehr gut. Auch wenn es bei anderen so wirkte, als würden sie bewusst klein gehalten werden, hatte ich persönlich echte Chancen – und die wurden mit mir gemeinsam besprochen. Ich durfte meine Rolle aktiv mitgestalten.
Natürlich erst, nachdem ich das Team und die Division gewechselt hatte – aber immerhin. Dass man einem Azubi direkt nach der Ausbildung so eine Möglichkeit gibt, ist mutig und hat mir sehr gefallen.
Hätte ich nicht schon eine Zusage für einen Traumjob gehabt, wäre ich sehr gerne in dieser Division geblieben.
Arbeitszeiten
Waren völlig in Ordnung, sofern man keine Überstunden macht.
Ausbildungsvergütung
Im Vergleich war es weder das Beste noch das Schlechteste.
Es wurde mit mir vereinbart, dass ich, sobald ich selbstständig arbeiten kann und niemand mehr „drüber schauen“ muss, auch gerne von Zuhause aus arbeiten darf. Eine riesige Entscheidungshilfe hier die Ausbildung zu machen, denn sonst hätte ich jeden Tag im Schnitt 45 Minuten hin und zurück fahren dürfen. Nun, das galt für jeden der sympatisch genug war.
Es gab keine klare Regelung auf die man sich berufen konnte. Nur weil es ein Anderer Azubi durfte hieß noch lange nicht das ich das auch durfte.
Die Ausbilder
Nun, hier fängt es schon an: Offiziell war es Person A mit der E-Mail-Adresse von Person B – beide hatten höchstens zur Weihnachtsfeier oder beim Mittagessen ein kurzes „Hallo“ übrig.
Es gab Kollegen, die sich mit viel Einsatz gekümmert und Anweisungen des Vorgesetzten ignoriert haben, damit ich als Azubi das lernen konnte, wofür ich da war. Dafür bin ich sehr dankbar. Aber dass es überhaupt so weit kommen muss, sagt viel über das Team aus, in dem ich war.
In diesem Unternehmen gibt es eine Art Legende, die wie ein Brauch von Alt zu Neu weitergegeben wird. In manchen Religionen ist es das Warten auf den Messias, bei anderen die Verwirklichung des Himmels auf Erden – bei edoc ist es das Ausbildungskonzept.
Der Azubi vor mir bekam dieselbe leere Zusage wie der nach mir: „Wir arbeiten daran.“ Manche Kollegen sprechen darüber wie über einen Running Gag. „Seit über zehn Jahren ist alles andere wichtiger“
Ich könnte mich stundenlang darüber aufregen, dass Azubis und duale Studenten - meiner Meinung nach - in diesem Unternehmen nur als günstige Arbeitskräfte angesehen werden.
Spaßfaktor
[Nachtrag zur Ausbildung, passt auch gut zum Spaßfaktor:]
Die meisten Kollegen hätten 5 Sterne verdient. Aber durch den Druck von oben, ständig Zahlen zu liefern (die angeblich keine Rolle spielen? o.O), geht der Spaß schnell verloren.
Mein „spaßigstes“ Erlebnis war mein Abschlussprojekt: komplett ohne Unterstützung an den Stellen, wo ich sie gebraucht hätte. Fachlich konnte ich das Projekt allein schreiben – aber zumindest ein Korrekturlesen der fertigen Arbeit durch meinen Ausbilder/ Teamlead/ Tec-Teamlead hätte ich mir gewünscht. Was ich bekommen habe war ein Korrekturlesen durch einen dualen Studenten am Abend vor der Abgabe, wofür ich dankbar war. Allerdings war dieser fachfremd.
Der eigentliche „Witz“ war aber die Planung: Ich hatte weniger Zeit fürs Projekt, als notwendig gewesen wäre. Und das Highlight: Mein Divisionsmanager fragte mich ernsthaft, ob ich wirklich diese 40 Stunden brauche schließlich sei ja so viel Projektarbeit offen, und ich würde fehlen.
Zum Glück habe ich Rückgrat und habe klar "Nein" gesagt.
Um fair zu bleiben: Bei der Präsentation war die Unterstützung besser.
Aufgaben/Tätigkeiten
Wenn man hartnäckig ist und immer wieder betont, dass man Azubi ist, es einen Ausbildungsrahmenplan gibt und notfalls direkte Vorgesetzte oder Kollegen übergeht, um bei deren Vorgesetzten um Ausbildung zu bitten, dann kann es klappen.
Sehr, sehr viel von dem, was ich gelernt habe, war reine Eigenarbeit. Erst deutlich später bekam ich Unterstützung – von Kollegen aus einer anderen Abteilung, die fachlich stark und menschlich top waren.
Aber ganz ehrlich: Für ein Selbststudium macht man keine Ausbildung.
Variation
Haha? Was?
Variation gab es bei den unzähligen Seitenhieben, wenn man keine freiwilligen Überstunden macht. Es gab viele „Variationen“, mich und andere Kollegen faul oder unmotiviert darzustellen.
Beispiel 1:
Ein Kollege fängt extra früh an, um früher Feierabend zu machen – was übrigens im Einklang mit der Firmenphilosophie steht. Die Kommentare vom Teamlead:
„Aha, gehst du etwa schon wieder?“
„Keine Lust mehr?“
„Seit wann arbeitest du Teilzeit?“
Beispiel 2:
Ich arbeite im Rahmen meines Ausbildungsvertrags, der keine Überstunden vorsieht. Trotzdem hört man:
„Also xy macht auch eine Ausbildung und macht immer Überstunden.“
„xy ist ein echtes Zugpferd und Teamplayer – auch mit Überstunden.“
Macht man dann Überstunden:
„Es gibt Leute, die haben einfach Bock auf ihren Job und zählen nicht alle 15 Minuten.“
Oder mein persönlicher Favorit:
„Das war ja keine angeordnete Überstunde, die hast du freiwillig gemacht.“
Mir wurde klar gesagt, dass ich – wenn ich mit einem Kunden zu tun habe – nicht wegen der Uhr Schluss machen soll, sondern erst, wenn der Kunde zufrieden ist. Und dann hört man solche Sprüche, für mich unverständlich
Respekt
Gerne ein paar direkte Zitate:
„Du bist nicht mein Azubi, also muss ich dir das nicht zeigen.“
„Dir ziehe ich noch die Ohren lang – da kommt ihr nicht so einfach raus.“
Meine damalige Vorgesetzte hat sich gegenüber Kollegen hinter meinem Rücken abfällig über die angeblich misslungene Erziehung durch meine Eltern geäußert.
Aus meiner Sicht begann der Abstieg im Team mit einer Neueinstellung. Vorher empfand ich die Atmosphäre als harmonisch. Danach entstanden Grüppchen, Flüsterpolitik und Misstrauen.
Jeder noch so harmlose Spaß wurde dokumentiert und im Zweifel gegen einen verwendet.