Gute Kollegen und spannende Aufgaben, aber die Kultur ist auf der Strecke geblieben
Gut am Arbeitgeber finde ich
Besonders geschätzt habe ich die Kolleginnen und Kollegen, die spannenden Aufgaben sowie die Möglichkeit, aktiv an der Energiewende mitzuwirken. Viele Mitarbeitende bringen ein hohes Maß an Engagement, Fachwissen und Idealismus mit. Die Arbeit ist abwechslungsreich, verantwortungsvoll und bietet die Chance, sich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Hohe Arbeitsbelastung, viele organisatorische Veränderungen, eine überladene Systemlandschaft und aus meiner Sicht zu wenig Fokus auf die Mitarbeitenden. Die ursprüngliche Unternehmenskultur und Identifikation mit der Energiewende sind zunehmend schwerer erkennbar. Zudem stehen zusätzliche Verantwortung und Vergütung nicht immer in einem ausgewogenen Verhältnis.
Verbesserungsvorschläge
Das Unternehmen sollte den Fokus wieder stärker auf die Mitarbeitenden und die ursprünglichen Werte der Energiewende legen. Die Arbeitsbelastung durch Reportings, Excel-Listen und administrative Aufgaben sollte reduziert und Prozesse konsequent vereinfacht werden. Statt immer neuer Systeme wäre eine stabile, integrierte IT-Landschaft mit funktionierenden Lösungen wünschenswert. Außerdem sollten Verantwortlichkeiten, Karrierewege und Vergütungsmodelle transparenter gestaltet werden, damit zusätzliche Verantwortung auch angemessen anerkannt wird. Eine offenere Kommunikation, mehr Vertrauen in die Teams und eine stärkere Orientierung an langfristiger Mitarbeiterbindung würden ebenfalls dazu beitragen, die Unternehmenskultur nachhaltig zu verbessern.
Arbeitsatmosphäre
Innerhalb der Teams herrscht grundsätzlich ein kollegialer und respektvoller Umgang. Viele Kolleginnen und Kollegen unterstützen sich gegenseitig und ziehen an einem Strang. Leider wird die Arbeitsatmosphäre häufig durch den hohen Druck von höheren Ebenen beeinträchtigt. Ständig neue Reportings, Excel-Listen und Sonderauswertungen führen zu einem erheblichen administrativen Aufwand und lassen wenig Raum für die eigentliche Arbeit. Dies wirkt sich auf Dauer spürbar auf die Stimmung und Motivation aus.
Kommunikation
Die Kommunikation ist aus meiner Sicht eine der größten Schwächen des Unternehmens. Es wird viel kommuniziert, allerdings bleiben viele Aussagen auf einer sehr allgemeinen Ebene. Konkrete Entscheidungen, klare Prioritäten und nachvollziehbare Umsetzungen fehlen häufig. Dadurch entsteht der Eindruck, dass viel Zeit in Präsentationen, Meetings und Ankündigungen investiert wird, während konkrete Verbesserungen im Arbeitsalltag oft ausbleiben.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt hängt stark vom jeweiligen Team ab. In vielen Bereichen unterstützen sich die Mitarbeitenden gegenseitig und es gibt nach wie vor einen guten Zusammenhalt. Gleichzeitig haben die zahlreichen Abgänge der letzten Monate Spuren hinterlassen. Die früher spürbare familiäre Kultur, bei der viele Mitarbeitende auch über das übliche Maß hinaus Einsatz gezeigt haben, ist zunehmend verloren gegangen. Heute stehen wirtschaftliche Kennzahlen und Effizienz deutlich stärker im Vordergrund. Dadurch hat sich die Identifikation mit der ursprünglichen Idee der Energiewende und den Unternehmenswerten aus meiner Sicht abgeschwächt.
Work-Life-Balance
Eine echte Work-Life-Balance ist aus meiner Sicht nicht vorhanden. Der Arbeitsaufwand ist dauerhaft hoch, Prioritäten ändern sich häufig und die Anzahl an Ad-hoc-Anfragen ist groß. Die Arbeitsbelastung wird oft als Normalzustand betrachtet. Wer seine Aufgaben gewissenhaft erledigen möchte, muss regelmäßig über die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit hinaus arbeiten. Langfristig ist das weder für die Motivation noch für die Gesundheit förderlich.
Vorgesetztenverhalten
Meine direkte Führungskraft hat sich stets bemüht, das Team zu unterstützen und den zunehmenden Druck von höheren Ebenen abzufedern. Dabei war jederzeit erkennbar, dass dieser Druck nicht selbst verursacht wurde, sondern auch auf die Führungskräfte ausgeübt wurde. Die Kommunikation war offen und der Versuch, die Interessen des Teams zu vertreten, war spürbar. Dennoch stößt auch die engagierteste Führungskraft an Grenzen, wenn die Rahmenbedingungen und Erwartungen von oben dauerhaft sehr anspruchsvoll sind.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben sind abwechslungsreich, anspruchsvoll und bieten die Möglichkeit, in viele unterschiedliche Bereiche der erneuerbaren Energien einzutauchen. Gerade die Kombination aus kaufmännischen, technischen, rechtlichen und strategischen Themen macht die Arbeit interessant und sorgt für eine steile Lernkurve. Die 2 Sterne Abzug gibt es für die IT-Landschaft. Regelmäßig werden neue Tools und Systeme eingeführt, die große Effizienzgewinne versprechen, in der Praxis jedoch häufig hinter den Erwartungen zurückbleiben. Dadurch entstehen zusätzliche Prozesse und Einarbeitungsaufwände, ohne dass der Arbeitsalltag spürbar erleichtert wird.
Gleichberechtigung
Die offizielle Kommunikation zu Gleichberechtigung und Diversität steht aus meiner Sicht nicht immer im Einklang mit der tatsächlichen Entwicklung im Unternehmen. Insbesondere während der Restrukturierung wirkten Karriereentscheidungen teilweise wenig transparent. Dadurch entstand der Eindruck, dass persönliche Beziehungen teilweise wichtiger waren als nachvollziehbare und faire Auswahlkriterien.
Umgang mit älteren Kollegen
Ältere Kolleginnen und Kollegen werden im Allgemeinen respektvoll behandelt und ihre Erfahrung wird geschätzt. Die Zusammenarbeit über Generationen hinweg funktioniert gut. Verbesserungspotenzial sehe ich weniger beim Umgang miteinander als vielmehr in den allgemeinen Rahmenbedingungen, die für alle Beschäftigten herausfordernd sind.
Arbeitsbedingungen
Die grundlegenden Arbeitsbedingungen sind in Ordnung, jedoch erschweren die Vielzahl an eingesetzten Systemen und die häufigen Systemwechsel den Arbeitsalltag erheblich. Regelmäßig werden neue Tools eingeführt, die Effizienzsteigerungen versprechen, den tatsächlichen Nutzen aber oft nicht erfüllen. Gleichzeitig existieren viele Medienbrüche zwischen den Systemen. Das Datenmanagement erfolgt in vielen Bereichen noch immer über Excel-Listen, was zusätzlichen manuellen Aufwand verursacht und Fehlerquellen schafft. Hier besteht erhebliches Potenzial für Vereinfachung und Standardisierung.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Das Umweltbewusstsein vieler Mitarbeitender ist hoch und für einige sogar ein wesentlicher Grund, bei Encavis zu arbeiten. Allerdings entsteht zunehmend der Eindruck, dass finanzielle Kennzahlen und Wachstum wichtiger geworden sind als die ursprüngliche Idee, die Energiewende aktiv voranzutreiben. Dadurch entsteht eine gewisse Diskrepanz zwischen den Werten vieler Mitarbeitender und der wahrgenommenen Unternehmensentwicklung.
Gehalt/Benefits
Die Vergütung liegt aus meiner Sicht unter dem Niveau der Verantwortung, die teilweise übernommen wird. Zusätzliche Aufgaben und erweiterte Verantwortungsbereiche werden nicht immer angemessen honoriert.
Image
Das Image des Unternehmens ist nach außen deutlich besser als die Wahrnehmung im Inneren. Nachhaltigkeit, Mitarbeiterorientierung und Unternehmenskultur werden stark kommuniziert, sind im Arbeitsalltag jedoch nicht immer gleichermaßen erkennbar.
Karriere/Weiterbildung
Interessante Lernmöglichkeiten durch die Aufgaben selbst, aber bei strukturierten Weiterbildungsangeboten und transparenten Karriereperspektiven ist noch Luft nach oben.

