Gutes Team, aber toxische Führung gefährdet alles
Gut am Arbeitgeber finde ich
Der Zusammenhalt unter den Kolleg:innen ist eine der größten Stärken des Unternehmens. In vielen Teams herrscht ein unterstützender, professioneller Umgang, der auch in schwierigen Phasen trägt. Die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten ist gut etabliert und wird flexibel gehandhabt, ebenso wie die Arbeitszeiten. Die technische Ausstattung – insbesondere für Remote-Arbeit – ist modern und funktional. Auch die Personalabteilung agiert in der Regel lösungsorientiert und zeigt echtes Bemühen, Mitarbeitende zu unterstützen. Die Vergütung ist marktgerecht bis überdurchschnittlich und in vielen Fällen fair geregelt.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Seit dem Führungswechsel hat sich der Führungsstil deutlich verändert: Entscheidungen erfolgen zunehmend zentralisiert und autoritär, ohne echte Einbindung der betroffenen Teams oder Führungskräfte. Kritische Perspektiven oder fachlich begründete Einwände finden wenig Gehör – stattdessen scheint persönliche Nähe zur Geschäftsführung und bedingungslose Zustimmung wichtiger als sachliche Argumente. In mehreren Fällen wurden langjährige Mitarbeitende mit starker fachlicher Kompetenz offenbar systematisch aus dem Unternehmen gedrängt, nachdem sie nicht mehr ins gewünschte Bild passten.
Die Kommunikation ist intransparent und häufig reaktiv – zentrale Entscheidungen werden spät oder gar nicht erläutert. Eine konsistente Strategie oder Produktvision ist schwer erkennbar, was in Kombination mit häufigen Kurswechseln zu Verunsicherung und Frustration führt. Auch bei den Arbeitsbedingungen gibt es deutliche Unterschiede: Während ein Standort optisch modernisiert wird (mit fraglichem Mehrwert angesichts der ausgeprägten Remote-Kultur), ist das Büroinventar am anderen Standort deutlich veraltet.
Verbesserungsvorschläge
Die Unternehmenskultur braucht dringend wieder mehr Offenheit, Vertrauen und echte Mitgestaltungsmöglichkeiten. Führung sollte nicht über Kontrolle und Machterhalt funktionieren, sondern über Orientierung, Dialog und fachliche Stärke. Kritik sollte nicht als Bedrohung, sondern als Potenzial gesehen werden, um gemeinsam bessere Entscheidungen zu treffen.
Eine klar kommunizierte, belastbare Strategie mit nachvollziehbaren Zielen und stabilen Prioritäten wäre essenziell, um wieder Planungssicherheit zu schaffen. Mikromanagement und kurzfristige Reaktionen auf interne Dynamiken sollten durch langfristiges Denken, echte Führung und Vertrauen in die Mitarbeitenden ersetzt werden. Nicht zuletzt wäre es hilfreich, die interne Realität wieder näher an die offizielle Außendarstellung heranzuführen – um Motivation und Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.
Arbeitsatmosphäre
Die Stimmung ist spürbar angespannt. Ein Klima der Verunsicherung hat sich etabliert, da viele Kolleg:innen nicht wissen, wie Entscheidungen zustande kommen oder ob ihre Perspektiven gehört werden. Selbst sehr erfahrene Mitarbeitende berichten von mangelndem Vertrauen, kurzfristigen Richtungswechseln und fehlender Perspektive.
Image
Das offizielle Image des Unternehmens ist ambitioniert und wachstumsorientiert. Intern wird diese Selbstdarstellung allerdings zunehmend kritisch gesehen, da zentrale Werte wie Mitgestaltung, Wertschätzung und Transparenz in der Praxis kaum noch spürbar sind. Besonders langjährige Mitarbeitende empfinden die aktuelle Entwicklung als konträr zur ursprünglichen Unternehmenskultur – was sich spürbar auf Motivation und Loyalität auswirkt.
Work-Life-Balance
Die formalen Rahmenbedingungen – Homeoffice, Arbeitszeitgestaltung, Rücksichtnahme auf familiäre Verpflichtungen – sind grundsätzlich gut und fair geregelt.
Kollegenzusammenhalt
Das Team bleibt eine der größten Stärken. Der gegenseitige Support ist stark ausgeprägt. Gleichzeitig entstehen durch das aktuelle Machtgefüge auch Spannungen, insbesondere dort, wo Loyalität zur Führung über fachliche Zusammenarbeit gestellt wird.
Umgang mit älteren Kollegen
In der Vergangenheit habe ich keine Benachteiligung aufgrund von Geschlecht, Herkunft oder persönlicher Hintergründe wahrgenommen – Gleichberechtigung wurde im Unternehmen über viele Jahre gelebt. Seit dem Führungswechsel hat sich der Fokus allerdings verschoben: Nicht die fachliche Eignung oder Vielfalt scheinen derzeit im Vordergrund zu stehen, sondern vielmehr persönliche Nähe zur Geschäftsführung. Eine offene, inklusive Führungskultur ist aktuell nur noch begrenzt erkennbar.
Vorgesetztenverhalten
Das Verhalten der Unternehmensleitung ist nur noch geprägt von Top-down-Kommunikation und wenig Offenheit für abweichende Meinungen. Widerspruch oder konstruktive Kritik wird schnell als Illoyalität gewertet. Das erschwert nicht nur die Zusammenarbeit, sondern untergräbt auch Vertrauen und Motivation im mittleren Management. Im mittleren Management wird teilweise weiter versucht, mit den Teams auf Augenhöhe zu arbeiten. Doch der starke Eingriff der Geschäftsführung in operative Entscheidungen erschwert das zunehmend.
Arbeitsbedingungen
Die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten ist gut etabliert und wird auch teamübergreifend ermöglicht – ein klarer Pluspunkt. Die technische Ausstattung (Laptop, Software, etc.) ist zeitgemäß und in gutem Zustand.
Die Büroräume selbst sind allerdings unterschiedlich ausgestattet: Während an einem Standort eine optische Modernisierung erfolgt, ist deren Mehrwert im aktuellen Kontext (mit viel Remote-Arbeit) nicht ganz nachvollziehbar. Der andere Standort wirkt in Teilen stark veraltet, was insbesondere bei regelmäßiger Büropräsenz auffällt. Insgesamt sind die Bedingungen solide, könnten aber gezielter an die heutige Arbeitsrealität angepasst werden.
Kommunikation
Offiziell wird Beteiligung betont, praktisch aber dominiert ein zentralistischer Führungsstil. Viele Entscheidungen werden ohne ausreichende Vorabinformation getroffen, was zu Verunsicherung führt. Gleichzeitig nimmt die Anzahl täglicher Kontroll- oder Rückfragen spürbar zu – das Vertrauen in Eigenverantwortung ist damit begrenzt.
Gehalt/Benefits
Die Bezahlung ist marktüblich bis gut, Sozialleistungen sind solide, werden aber nicht aktiv weiterentwickelt oder ausgebaut.
Gleichberechtigung
In der Vergangenheit habe ich keine Benachteiligung aufgrund von Geschlecht, Herkunft oder persönlicher Hintergründe wahrgenommen – Gleichberechtigung wurde im Unternehmen über viele Jahre gelebt. Seit dem Führungswechsel hat sich der Fokus allerdings verschoben: Nicht die fachliche Eignung oder Vielfalt scheinen derzeit im Vordergrund zu stehen, sondern vielmehr persönliche Nähe zur Geschäftsführung. Eine offene, inklusive Führungskultur ist aktuell nur noch begrenzt erkennbar.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben sind grundsätzlich spannend, jedoch fehlt es an konstanter strategischer Ausrichtung. Richtungswechsel und Prioritätenänderungen kommen häufig und teils unerwartet – das erschwert nachhaltige Arbeit und frustriert viele Mitarbeitende.