Der Fisch stinkt vom Kopf – und unten zahlen alle den Preis
Arbeitsatmosphäre
Ich habe über viele Jahre eine Arbeitsatmosphäre erlebt, die stark von Schweigen, Unsicherheit und Angst geprägt war. Angst davor, ehrlich die Wahrheit zu sagen. Angst davor, Kritik zu äußern und danach berufliche Nachteile zu haben.
Mein Eindruck war oft: Niemand ist wirklich sicher, jeder ist austauschbar. Menschen, die über ihre Grenzen gehen, werden nicht geschützt oder entlastet, sondern eher noch weiter belastet.
Wer einen Arbeitgeber erwartet, der sich wirklich kümmert, zuhört oder seine Mitarbeitenden nach vielen Jahren nicht nur als Funktion sieht, wird aus meiner Sicht enttäuscht. Man fühlt sich schnell wie eine austauschbare anonyme Nummer.
Die Antworten auf kritische Bewertungen hier bei Kumunu, klingen nach außen oft reflektiert, Verständisvoll und offen für kritik. In meiner persönlichen Erfahrung hat sich in über 10 Jahre jedoch wenig verändert: weder bei Löhnen, Arbeitsmethoden, Ausstattung noch beim Umgang mit Belastung.
Ein Satz einer Führungskraft ist mir besonders hängen geblieben: „Quick and dirty.“ Genau so hat sich vieles angefühlt. Schnell, irgendwie funktional, aber nicht nachhaltig.
Work-Life-Balance
Wer nicht dauerhaft erreichbar war, konnte sehr schnell vom gelobten Mitarbeiter zum ignorierten Mitarbeiter werden. Es wurde unausgesprochen erwartet, dass man immer verfügbar ist, immer funktioniert und das Privatleben im Zweifel hinten anstellt.
Für mich bedeutete die Arbeit dort über lange Zeit eine nahezu vollständige Aufgabe des Privatlebens. Abschalten war kaum möglich, weil ständig das Gefühl im Raum stand, erreichbar sein zu müssen.
Besonders bitter empfand ich den Umgang mit Arbeitszeiten. In Drehplänen wurden aus meiner Sicht Zeiten angesetzt, von denen jeder wusste, dass sie mit der Realität oft wenig zu tun hatten. Trotzdem wurde es so dargestellt, als sei alles sauber planbar und im Rahmen.
Mein Eindruck: Hier wurde erwartet, dass Menschen über ihre Grenzen gehen, während nach außen alles ordentlich aussieht. Wer hier arbeitet, sollte kein echtes Privatleben erwarten — zumindest nicht, wenn er dauerhaft funktionieren und nicht irgendwann aussortiert werden will.
Gehalt/Benefits
Besonders bitter empfand ich den Umgang mit Gagen und Arbeitszeiten. Bei mir wurde kein Tarif gezahlt, sondern eine Gage, die aus meiner Sicht deutlich unter den tariflichen Tabellen für vergleichbare Tätigkeiten lag.
Nach meinem Eindruck betraf das nicht nur mich. Gerade bei Neueinsteigerinnen und Neueinsteigern wirkten die Gagen teilweise erschreckend niedrig — teils nur knapp über Mindestlohnniveau. Und das in einer Branche, in der gleichzeitig enorme Belastbarkeit, ständige Verfügbarkeit und voller Einsatz erwartet werden.
Für mich passte das ins Gesamtbild: Nach außen große Produktionen, innen aber ein System, in dem Menschen möglichst günstig funktionieren sollen. Die tatsächliche Belastung stand aus meiner Sicht in keinem Verhältnis zu dem, was dafür gezahlt wurde.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Umweltbewusstsein? Dazu sage ich nur: Jeden Tag wurden Drehteams und Darsteller vor Ort mit ausgedruckten Drehbüchern versorgt, die am Abend abgedreht und danach praktisch wertlos waren.
Nachhaltig? Umweltbewusst? Aus meiner Sicht eher das genaue Gegenteil. Wer so arbeitet, sollte sich solche Begriffe besser sparen.
Kollegenzusammenhalt
Kollegenzusammenhalt war vorhanden, aber aus meiner Sicht oft weniger aus Stärke, sondern eher aus Angst, Druck und Alternativlosigkeit.
Wer lange genug dabei war, wusste irgendwann sehr genau, wem man vertrauen konnte — und bei wem man aufpassen musste, nicht selbst über die Klinge zu springen. Leider waren die wirklich guten Kolleginnen und Kollegen oft Mangelware oder schnell wieder weg, weil sie in anderen Unternehmen bessere Perspektiven gefunden haben.
Es gab durchaus Menschen, die sich gegenseitig geholfen und unterstützt haben. Aber dieser Zusammenhalt entstand häufig nicht, weil das Unternehmen gute Strukturen geschaffen hätte, sondern weil viele nur gemeinsam versucht haben, den Druck irgendwie auszuhalten.
Ein echtes Interesse daran, Dinge nachhaltig zu verbessern, habe ich kaum erlebt. Stattdessen herrschte oft Stillstand, Wegsehen und Durchhalten.
Zusätzlich war die Konkurrenz zwischen einzelnen Produktionen und Formaten extrem spürbar. Anstatt gemeinsam an einem Strang zu ziehen, wirkte es oft so, als würde ein Format dem anderen nicht einmal gute Einschaltquoten gönnen. Das hat den Zusammenhalt zusätzlich geschwächt und ein ohnehin angespanntes Klima verschärft
Umgang mit älteren Kollegen
Umgang mit älteren Kolleginnen und Kollegen? Welche Wertschätzung?
Aus meiner Sicht wurde hier vor allem auf „frisches Blut“ gesetzt: möglichst billig, möglichst formbar und gerne auch Quereinsteiger. Erfahrung zählte nur so lange, wie sie nichts kostet und keine unbequemen Fragen stellt.
Fachkräfte mit Erfahrung waren schnell zu teuer — und oft auch zu unbequem, weil sie Missstände erkennen, einordnen und benennen können. Genau das schien nicht gewünscht zu sein.
Mein Eindruck: Wer lange dabei war, wurde nicht besonders geschätzt, sondern irgendwann als ersetzbar betrachtet. Hauptsache billig, belastbar und still.
Vorgesetztenverhalten
Wer die anderen Punkte gelesen hat, kann sich vermutlich schon vorstellen was jetzt Folgt.
Aus meiner Sicht war Führung in diesem Unternehmen nicht nur schwach, sondern in vielen Fällen schlicht unfähig. Wer spurt, nicht widerspricht und immer brav den Ja-Sager macht, kann hier offenbar tatsächlich Karriere machen.
Anders kann ich mir manche Besetzung in Führungspositionen kaum erklären. Teilweise wirkte es auf mich nicht so, als würden Kompetenz, Rückgrat oder echte Führungsstärke zählen, sondern eher Anpassung, Loyalität nach oben und die Fähigkeit, Probleme kleinzureden.
Wer Missstände anspricht, unbequeme Fragen stellt oder nicht einfach alles schluckt, wird schnell selbst zum Problem gemacht. Nicht der Missstand steht dann im Mittelpunkt, sondern die Person, die ihn benennt.
Für mich war das Ergebnis eine Führungskultur aus Druck, Kontrolle, Selbstdarstellung und Verantwortungslosigkeit. Führung bedeutete hier aus meiner Sicht nicht, Menschen zu schützen oder zu entwickeln, sondern Druck nach unten weiterzugeben. Der Fisch stinkt hier ganz klar vom Kopf her
Arbeitsbedingungen
Aus meiner Sicht gibt es hier nichts Positives zu beschönigen.
Riesige Produktionen wurden ohne vernünftiges Projektmanagement-Tool bearbeitet. Stattdessen arbeitete man mit überforderten, halbprofessionellen Lösungen, Teams und Excel-Listen — ein Vorgehen wie aus der Steinzeit.
Das große Flaggschiff, die Datenbank für Casting und Location, wurde aus meiner Sicht stiefmütterlich gepflegt und gewartet. Von den angeblich zehntausenden Einträgen waren am Ende nur ein Bruchteil wirklich aktuell und überhaupt noch einsetzbar. Auch hier galt gefühlt: Augen zu, Ohren zu, Mund zu — aus nichts Gold machen.
Die Ausstattung war katastrophal. Keine höhenverstellbaren Tische, keine vernünftigen ergonomischen Stühle, Monitore ohne Höhenverstellung, keine zeitgemäße technische Ausstattung. Jede neue Produktion bediente sich gefühlt aus den Resten der letzten Produktion — wie Freibeuter über die Gänge, immer auf der Suche nach dem, was noch irgendwie funktioniert.
Alte Handys Verträge mit lächerlichem Datenvolumen — und das in einem Medienunternehmen. Aber keine sorge vom "Ressourcenmanagement" wurde die Chefetage natürlich top ausgestattet.
Kommunikation
Kommunikation? Aus meiner Sicht existierte sie in diesem Unternehmen fast nur als Einbahnstraße: von oben nach unten. Und zwar nicht im Sinne von Führung, sondern im Sinne von Druck, Ansage und Wegducken.
Wer unten arbeitet, soll funktionieren. Wer Probleme anspricht, stört. Wer Kritik äußert, wird ausgebremst. Besonders hart trifft es die Teams draußen am Set. Genau dort wird der Druck täglich getragen, genau dort entstehen die echten Probleme — und genau diese Menschen werden aus meiner Erfahrung am wenigsten gehört.
Eine ehrliche Weitergabe von Kritik nach oben war für mich faktisch kaum möglich. Direkte Vorgesetzte wiegelten ab, blockten ab oder sorgten dafür, dass Themen gar nicht erst weiter eskalieren. So entsteht kein Dialog, sondern ein System aus Schweigen und Durchhalten.
Dazu kam für mich ein spürbares Desinteresse der Führungsebene. Wenn sich dann doch einmal jemand aus dem „goldenen Turm“ nach unten bewegte, wirkte es nicht wie echtes Zuhören. Es wirkte wie Selbstlob, Beschwichtigung und Durchhalteparolen.
Mein Eindruck: Kommunikation bedeutet hier nicht Austausch. Kommunikation bedeutet hier Kontrolle.
Gleichberechtigung
Diversity? Aus meiner Sicht bestand das Thema im Wesentlichen aus einem Seminar — und danach war es das dann auch.
Nach außen konnte man damit sagen: „Wir haben etwas getan.“ Im Alltag habe ich davon jedoch kaum echte Veränderung gespürt.
Mobbing war und ist aus meiner Erfahrung ein großes Problem. Genau hier hätte es klare Haltung, Schutz und Konsequenzen gebraucht — nicht nur ein Seminar als Feigenblatt.
Interessante Aufgaben
Keine Chance!