Schade! Hohes Teamniveau trifft auf Führungsschwächen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Meine Zeit bei flaconi begann sehr positiv. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle das Recruiting Team. Die zuständige Recruiterin hinterließ einen äußerst souveränen Eindruck und konnte fachliche Fragen jederzeit beantworten. Diese positive Erfahrung hatte ich bereits als Bewerber mit einer separaten Bewertung honoriert.
Das Onboarding verlief sehr strukturiert und angenehm. Ich wurde herzlich vom gesamten Team aufgenommen, konnte mich schnell einarbeiten und baute zügig gute Arbeitsbeziehungen auf, sowohl innerhalb des Teams, als auch cross-funktional.Insgesamt habe ich die Mitarbeiter:innen als sehr kompetent, engagiert und kollegial erlebt. Auch mit den Unternehmenswerten konnte ich mich gut identifizieren und war entsprechend motiviert, meinen Beitrag zur Unternehmensstrategie zu leisten.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Leider wird diese insgesamt sehr positive Erfahrung durch die Zusammenarbeit mit meinem direkten Vorgesetzten deutlich getrübt.
Zu Beginn, insbesondere während der Onboarding-Phase, war der Austausch noch offen. Nach zwei Wochen gewann ich zunehmend Sicherheit im Tagesgeschäft sowie in den wiederkehrenden Aufgaben. Einen Monat nach Start ging ich proaktiv auf meinen Manager zu, um Klarheit über meine Ziele in der Position zu erhalten: worauf ich in den ersten Monaten besonders achten sollte, welche Erwartungen an mich gestellt werden und wie meine Weiterentwicklung in der Rolle aussehen könnte. Mir wurde daraufhin kommuniziert, dass die ersten Monate primär dem Ankommen dienen würden, der Fokus auf dem Tagesgeschäft liege und Zieldefinitionen oder weiterführende Projekte zunächst nicht relevant seien. Entsprechend richtete ich mein Handeln danach aus.
Gleichzeitig hatte ich jedoch zunehmend das Gefühl, dass meine Zeit und meine Anliegen nicht immer ernst genommen wurden. Es kam vor, dass vereinbarte 1-zu-1-Meetings vergessen und oft kurzfristig verschoben wurden. Außerdem wirkte mein Vorgesetzter während der Gespräche abgelenkt und wenig interessiert. Es kam auch vor, dass er während dem Gespräch anderweitige Arbeiten erledigte. Inhalte mussten teilweise mehrfach angesprochen werden, da sie andernfalls in Vergessenheit gerieten. Ebenso wurden meine Arbeitsdokumente offenbar nicht vollständig gelesen, da Fragen und Wünsche aufkamen, die bereits explizit darin enthalten waren.
Nach rund drei Monaten fand ein erstes Feedbackgespräch statt, in dem meine Leistung anhand mehrerer Kriterien ausschließlich positiv bewertet wurde. Bereits eine 3 Tage später wurde diese Einschätzung jedoch infrage gestellt. Es wurde geäußert, eine so positive Bewertung könne nicht zutreffen, man bereue diese und hätte im Nachhinein lieber eine schlechtere Bewertung vergeben. Das Feedback wirkte auf mich persönlich und willkürlich sowie nicht nachvollziehbar begründet. Dieses widersprüchliche und rückwirkend relativierende Vorgehen empfand ich als irritierend und demotivierend. Eine Führungskraft sollte sich sorgfältig und strukturiert auf Feedbackgespräche vorbereiten.
Mit Beginn der Peak Season war ich stark im operativen Geschäft eingebunden. Ich verantwortete meine Aufgaben zuverlässig, bewältigte zahlreiche kurzfristige Änderungen und trug aktiv zum Teamerfolg bei. Trotz dieses hohen Einsatzes empfand ich die Anerkennung durch meinen Manager als sehr gering. Lob blieb weitgehend aus, während Kritik vergleichsweise häufig geäußert wurde. Dieses Ungleichgewicht war nicht nur meine persönliche Wahrnehmung.
Während dieser Phase änderte sich zudem das Verhältnis spürbar. Eigene Ideen und Vorschläge wurden kaum aufgegriffen, Feedback blieb oft unklar oder widersprüchlich. Aussagen aus der Anfangszeit (Fokus auf Lernen und Tagesgeschäft) standen plötzlich im Gegensatz zu der Erwartung, zusätzliche Projekte über das Tagesgeschäft hinaus ohne klare Zieldefinition voranzutreiben noch dazu in der Peak Season. Trotzdem setzte ich dies um und arbeitete parallel an weiteren Projekten. Mehrfach bat ich außerdem erneut darum, konkrete Ziele für meine Entwicklung zu definieren, was jedoch wiederholt vertagt wurde.
Es fand schließlich ein reguläres 1-zu-1-Meeting statt, das jedoch unerwartet in eine sehr kritische Richtung ging. Mir wurde vorgeworfen, ich würde Umfragewerte negativ beeinflussen, und es wurde infrage gestellt, ob ich diese Position überhaupt wolle. Ich stellte klar, dass ich nicht verantwortlich für sich verschlechternde Umfragewerte war und dass ich mich bewusst für diese Rolle entschieden habe, mich langfristig darin sehe und mich fachlich wie persönlich weiterentwickeln möchte. Seine Aussage „Nicht, dass du promoted werden möchtest“ empfand ich in diesem Kontext als befremdlich, da es mir ausdrücklich nicht um eine kurzfristige Beförderung ging, sondern um Wachstum innerhalb der aktuellen Position. Außerdem sollte man als Führungskraft hinterfragen, warum Umfragewerte sinken und nicht einen Verantwortlichen im Team dafür finden.
Die Kündigung erfolgte ohne dokumentierte Leistungsfeedbacks. Als Begründung wurde lediglich genannt, ich würde „nicht zur Position und nicht zu flaconi passen“. Auf meine Nachfrage nach konkreten Gründen – insbesondere vor dem Hintergrund eines datengetriebenen Unternehmens mit dem Core Value #livingdata – wurde ich von der Personalerin aufgefordert, das Gespräch zu beenden. Das gesamte Gespräch dauerte etwa 10 Minuten. Ich hätte mir zumindest eine nachvollziehbare Erklärung sowie die Möglichkeit zur Stellungnahme gewünscht.
Im Nachhinein entsteht bei mir der Eindruck, dass ich primär für die Busy Season eingestellt wurde, ohne ernsthafte Perspektive auf nachhaltige Entwicklung oder Übernahme. Aus meiner Sicht sollte eine Führungskraft jedoch inspirieren, fördern und Entwicklung aktiv begleiten, vor allem in den ersten Monaten. Diese Erwartungen wurden leider nicht erfüllt.

