Viele Freiheiten bei hohem Workload und internen Problemen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Fraunhofer ist als Name und Gesamtorganisation top und hat unfassbar viele Möglichkeiten. Wer nach der Uni einen Doktor machen möchte, findet weniger besser bezahlte Promotionsstellen in Deutschland. Ich würde vielen Leuten empfehlen, bei Fraunhofer zu arbeiten, aber wenigen an diesem Institut, dem Fraunhofer ISST, zu arbeiten.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Hoher Workload, dauerhafter Druck von oben. Führungskräfte sind ungeschult. Promotion ist Freizeitvergnügen und kann in der Arbeitszeit kaum stattfinden. Wer hier anfängt und einen Doktor machen möchte, sollte viele lange Arbeitstage und unbezahlte Wochenenden einplanen. Durch die Rechtsform als Verein und den öffentlichen Dienst sind Benefits eingeschränkt und viele Nachteile vorhanden: Keine Kantine, kein Diensthandy, kein Firmenwagen, keine Essenszulage, keine Kinderbetreuung, keine kostenlosen Mitarbeiter-Events (hier wird Geld bei Weihnachtsfeier und Sommerfest eingesammelt), kein Überstundenausgleich (bspw. durch Geld), etc.
Verbesserungsvorschläge
- Führungskräfte sollten geschult werden und Kompetenzen besitzen (lieber extern mit Führungskraft-Erfahrung neu besetzen, als interne Personen ohne Erfahrungen auf die Stellen zu setzen)
- Workload ist zu hoch: Viel Arbeitslast wird auf einigen Köpfen ausgetragen
- Freiräume für Promotionen schaffen
- Es sollte Möglichkeiten geben, Überstunden abzubauen, wie in allen anderen Unternehmen (freie Tage/Wochen, Alternativ: Stempeln)
- Massive Diskrepanz zwischen Verwaltung und wissenschaftlichen Abteilungen
Arbeitsatmosphäre
Das Betriebsklima ist angespannt. Der Workload ist hoch, man hört dauerhaft, dass die Zahlen nicht stimmen. Die Leute haben so viele Freiheiten, dass einige unter der Arbeitslast untergehen, während andere das System ausnutzen und ihre persönliche Freizeit maximieren.
Image
Fraunhofer ist im deutschsprachigen Raum ein sehr renomierter, angesehener Name und öffnet daher viele Türen.
Work-Life-Balance
Vertrauensarbeitszeit ohne Überstundenausgleich in Form von freien Tagen oder Auszahlung. Urlaub wird fast immer genehmigt und kann flexibel genommen werden. Min. 2 Pflicht-Bürotage. Arbeitszeit kann prinzipiell flexibel gestaltet werden, jedoch erlaubt die Kernarbeitszeit auch an einem Freitag keinen frühen Feierabend vor 15:00 Uhr. Durch externe Kundenprojekte können Termine früh morgens starten oder spät abends enden (typisch im Beratungsgeschäft), was die Flexibilität massiv einschränkt. Auch zählt Reisezeit nicht als Arbeitszeit, wodurch Dienstreistage extrem lang werden.
Karriere/Weiterbildung
Fraunhofer bietet selbst interne Schulungs- und Weiterbildungsangebote. Auch existiert Schulungsbudget für externe Schulungen und Zertifizierungen, die jedoch beschränkt sind. Hier muss man sich aktiv selbst kümmern.
Gehalt/Benefits
Als Berufseinsteiger direkt von der Uni ist das Gehalt absolut überdurchschnittlich. Wer länger bleibt, hat jedoch wenige Möglichkeiten zum Aufstieg durch den Tarifvertrag, angelehnt an den öffentlichen Dienst (TVöD-Bund). Weihnachtsgeld ist vorhanden, Boni sind im geringen Umfang möglich.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Umweltbewusstsein nicht vorhanden. Trotz neuem Gebäude keine PV-Anlage, kein nachhaltiger Strom. Im Büro gibt es nur Einwegprodukte (nicht mal Geschirrtücher in den Küchen, nur Stapel an Einwegpapier). Keine Mülltrennung in den Büros auf den Etagen.
Kollegenzusammenhalt
Sehr unterschiedlich mit verschiedenen Lagern: Manche arbeiten viel und gut zusammen, bei anderen ist man froh, wenn man mit denen nichts zu tun hat.
Umgang mit älteren Kollegen
Alt und Jung begegnen sich auf Augenhöhe.
Vorgesetztenverhalten
Das größte Problem am Fraunhofer ISST. Viele Entscheidungen und dauerhafter Druck von ganz oben. Es besteht anbleibender Druck, die finanziellen Zahlen immer weiter zu verbessern. Fast alle Abteilungsleitungen sind nicht kompetent, haben teilweise keinerlei Führungserfahrung und bilden sich nicht weiter. Kein Betriebsrat vorhanden.
Arbeitsbedingungen
Es gibt ein schönes neues Gebäude direkt am Wasser gebaut mit höhenverstellbaren Schreibtischen und viel Glas. Ansonsten bietet das Gebäude nicht viel, ist spärlich eingerichtet, ohne Pflanzen, Bilder und Deko. Man fühlt sich eher wie in einer Arztpraxis.
Anreise zum Institut mit Bahn und Fahrrad funktioniert gut, mit dem Auto ist die Parkplatzsituation eine Katastrophe und weiterhin ein ungelöstes Dauerthema. Mittagsangebote schwierig: Keine Kantine. Mitarbeiter bringen sich meist selbst Mittagessen mit.
Kommunikation
Kommunikation teilweise vorhanden. Manche Aspekte werden gut über ein Regelmeeting allen Mitarbeitenden kommuniziert. Bei abteilungsübergreifenden Themen weiß die eine Hand oft nicht, was die andere macht.
Gleichberechtigung
Vielfalt wird gelebt. Am ISST kann jede(r) arbeiten, egal wie alt man ist, von wo man kommt, ob man Deutsch spricht, o. ä. Das Kollegium ist selbst bunt gemischt und divers, es wird sowohl deutsch als auch englisch intern als Sprache verwendet.
Interessante Aufgaben
Teilweise müssen Themen und Projekte bearbeitet werden, die keinerlei Spaß machen oder Sinn ergeben. Solange es Geld gibt und die Zahlen stimmen, muss abgearbeitet werden. Manche haben Glück und dürfen frei an neuen Themen arbeiten.