Stellenabbau, Governance-Defizite und verlorene Werte
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Ich würde GFT als Arbeitgeber heute nicht mehr empfehlen.
Ich wurde freigestellt, nachdem man mir über Monate diverse Projekte gegeben hatten, die dann in der Schublade landeten. Auf diverse Vorschläge von mir, wie ich mich sinnvoller einbringen könnte, wurde nicht eingegangen. Mein direkter Vorgesetzter hat sich während des Kündigungsprozesses respektvoll, anständig und professionell verhalten. Umso enttäuschender war der Umgang auf der darüberliegenden Führungsebene: Der Abteilungsleiter, der die Entscheidung getroffen hatte, war während des gesamten Prozesses für mich nicht erreichbar. Bei einer so einschneidenden Entscheidung erwarte ich von einer Führungskraft, Verantwortung zu übernehmen und dem betroffenen Mitarbeiter persönlich gegenüberzutreten.
Auch mein Eindruck von der Unternehmensleitung ist negativ. In einer wirtschaftlich und technologisch schwierigen Lage habe ich keine überzeugende strategische Orientierung erlebt. Entscheidungen wirkten zunehmend kurzfristig. Langfristige Planung habe ich nur in Form von finanziellen Zielen erlebt, aber nicht als Strategie, wie diese erreicht werden können.
Hinzu kommen aus meiner Sicht erhebliche Defizite bei der Corporate Governance. Formale Zuständigkeiten und tatsächliche Einflussmöglichkeiten erschienen mir nicht immer klar voneinander getrennt. Wichtige Entscheidungen wirkten stark vom Verwaltungsratsvorsitzenden und seinem persönlichen Umfeld geprägt - also Personen, die formal keine operative Rolle im Unternehmen haben. Dadurch entstand für mich der Eindruck intransparenter Entscheidungswege und einer ungesunden Konzentration von Einfluss.
Gleichzeitig haben Werte wie Zusammenarbeit, Rücksichtnahme und Menschlichkeit, die GFT früher aus meiner Sicht stark geprägt haben, spürbar an Bedeutung verloren. Auch die öffentliche Selbstdarstellung einzelner Führungspersönlichkeiten schien teilweise mehr Aufmerksamkeit zu erhalten als die Sorgen der Beschäftigten oder eine nachvollziehbare Perspektive für das Unternehmen.
Das alles hat mein Vertrauen nachhaltig beschädigt. Bewerberinnen und Bewerber sollten im Auswahlprozess deshalb sehr genau nach dem Führungsverständnis, den tatsächlichen Entscheidungswegen, der strategischen Ausrichtung und dem Umgang mit Beschäftigten in schwierigen Situationen fragen.
Verbesserungsvorschläge
Wer sich gerne unterwirft, eigenständiges Denken einstellen und den Claqueur fürs Top-Management machen will, kann bei GFT weit kommen.
Arbeitsatmosphäre
Werte wie Kooperation und Respekt haben das Unternehmen früher stark geprägt. Davon ist nicht viel übrig.
Kommunikation
Rein Top down. Von unten darf gejubelt werden, Meinung und Expertise von Mitarbeitern sind nicht gefragt.
Kollegenzusammenhalt
In einzelnen Teams gut, abteilungsübergreifend oft antagonistisch.
Vorgesetztenverhalten
Einzelnen Vertretern des Top-Management geht es vor allem um die Selbstdarstellung. Eine kohärente Strategie, wie das Unternehmen seine Ziele erreichen will, habe ich nicht gesehen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
War früher ein wichtiges Thema, inzwischen wird jedem schnellen Euro nachgelaufen, ohne einen Gedanken daran, welche Folgen das hat und was das mit dem Selbstverständnis des Unternehmens und der Mitarbeiter macht.


