Restrukturierung endlich mal live erleben statt immer nur darüber zu lesen ;-)
Gut am Arbeitgeber finde ich
Das Produkt, eine Spezialmaschine, die es oft nur ein einziges Mal gibt, ist einfach interessant. Es gibt ungeheuer vielfältige Aufgaben und wer will, kann jeden Tag etwas Neues dazulernen.
Gut finde ich auch irgendwie, dass ich so eine Restrukturierung mal selbst erleben darf. Vieles von dem, was ich jetzt erlebe, hätte ich niemals geglaubt, wenn ich es erzählt bekommen hätte.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die aktuell laufende (wenngleich dringend nötige) Restrukturierung wirkt in manchen Details wie von Kinderhand geplant. Seit Monaten geben sich gut gekleidete Berater die Klinke in die Hand, ganze Abteilungen werden plötzlich aufgelöst oder sollen verkauft werden. Spürbare Ergebnisse: Fehlanzeige. Stattdessen verbrannte Erde:
- Schließung eines ganzen Standorts ohne Vorwarnung und Begründung, verkündet auf die empathieloseste Art und Weise, die man sich vorstellen kann.
- Ankündigung des Verkaufs der hausinternen Fertigung. Als Spezialmaschinenbauer, der davon lebt, seinen Kunden schnelle Lösungen anbieten zu wollen!
- Auflösung der Serviceabteilung, Vorstellung der Pläne zum Wiederaufbau nur wenige Monate später...
Man bekommt das Gefühl, dass sich hier eigentlich nur noch die diversen Berater die Taschen voll machen, so lange es eben geht.
Schade, dass man die Mitarbeiter so derart vor den Kopf stößt, dass seit Monaten einer nach dem anderen die Firma verlässt, denn die sind (so abgedroschen es klingt) das eigentliche Kapital der Firma.
Die ursprünglichen Eigentümer der Firma, die den ganzen Laden aufgebaut und durch stürmische Zeiten gesteuert haben, werden anscheinend gar nicht mehr gehört. Und das ist in einer Gegend, in der eine Kiste Bier immernoch eine gängige Währung ist, überhaupt keine gute Idee. Denn diese Männer wussten immer ganz genau, wann mal wieder eine Kiste angebracht ist...
Verbesserungsvorschläge
Falls das hier weiter Bestand haben soll, muss die eingesetzte (Interims-)Führung dringend um jemanden ergänzt werden, der sich mit der Materie auskennt und dem bewusst ist, wie wichtig der einzelne Mitarbeiter ist.
Autoritäres Alphatiergehabe mag in Firmen funktionieren, in denen die Mitarbeiter ein Produkt am Fließband zusammenbauen und wo die Loyalität zum Großteil in vergleichsweise hohen Gehältern begründet liegt.
Beides war hier nie der Fall. Die Firma ist (war?) ein Sammelbecken für Menschen, die schnell und unkonventionell denken und gern Probleme lösen. Und ein Teil unseres Lohns bestand immer darin, dass wir das Gefühl vermittelt bekamen, dass unsere Chefs ganz genau wussten, was sie an uns haben.
Einen Chef, der Entscheidungen einfach nur "schnell" trifft, kann man letztendlich durch einen Würfel ersetzen.
Ach ja, und das Annehmen eines zusätzlichen Mandats als Geschäftsführer in einer weiteren Firma, während die Leute hier und an anderen Standorten um ihre Jobs bangen, sorgt nicht gerade für mehr Vertrauen bei den Mitarbeitern.
Es ist höchste Zeit etwas zu ändern, sonst bleibt von dieser einst so tollen Firma nur noch eine wertlose Hülle übrig.
Arbeitsatmosphäre
Immer noch gut, wobei langsam auch die gutmütigsten Naturen ungeduldig werden.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Wenn man ehrlich ist, hilft unser Produkt dabei, das Konsumrad immer weiter am Laufen zu halten.
Kollegenzusammenhalt
Sehr gut wie eh und je. Aber manche werden langsam dünnhäutiger und es werden auch mal Fehler von anderen rausgekehrt, um selbst in einem besseren Licht dazustehen.
Arbeitsbedingungen
Natürlich haben manche Leute immer was zu meckern. Ich sehe: Es ist hell, sauber, leise. Parkplätze sind zur Hälfte sogar überdacht. Es gibt eine herausragende Kantine, die den Vergleich mit manchem Restaurant nicht zu scheuen braucht.
Kommunikation
Kann kaum schlechter sein. Die Mitarbeiter werden viel zu wenig mitgenommen, welche Neuerungen es gibt. Dabei gibt es sogar eine firmeninterne app dafür.
Interessante Aufgaben
Das bringt das Produkt mit sich. Noch vielfältigere Aufgaben sind im Maschinenbau schwer vorstellbar.

