Arbeiten im Endzeitmuseum: Team hält, Führung zerstört
Gut am Arbeitgeber finde ich
Immerhin wird noch pünktlich gezahlt – das ist in diesen Zeiten fast schon ein Luxus. Dazu gibt es noch ein paar wirklich kompetente Kollegen, die aber auch schon innerlich gekündigt haben, und irgendwo in den Fluren schwebt noch ein Rest an Motivation. Das war’s aber auch schon an Lichtblicken.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die ehemals guten Kolleg:innen sind längst weg, ersetzt durch Leute, die nicht nur fachlich, sondern auch menschlich hinterherhinken. In der Produktion halten nur noch ein paar alte Hasen den Laden halbwegs am Laufen, der Rest wirkt leer und traurig. Die Geschäftsführung hat das Unternehmen in vier Jahren konsequent gegen die Wand gefahren, Verantwortung wird weiter nach unten geschoben, und alles ist geprägt von Chaos, veralteten Strukturen und fehlender Strategie.
Verbesserungsvorschläge
Trotz des Abgangs des unfähigeren Geschäftsführers ist der Laden nicht zu retten – jetzt, wo derselbe auch Miteigentümer ist, geht alles nur noch nach oben. Insolvenz wäre die ehrlichste Lösung. Alles andere dient nur dazu, den Profit der Chefetage zu sichern.
Arbeitsatmosphäre
Dienst nach Vorschrift, Resignation und Galgenhumor prägen das Bild. Perspektiven? Keine. Jeder sucht nur noch einen Ausweg, denn die Geschäftsführung hat das Unternehmen systematisch in den Abgrund gesteuert.
Image
Nach außen glänzt die Hochglanzfassade, die viele täuscht. Wer jedoch fünf Minuten hinter die Kulissen schaut, rennt so schnell er kann.
Work-Life-Balance
Die Balance ist theoretisch gut – dank Kurzarbeit und Demotivation. Praktisch kann sich davon kaum jemand etwas leisten, weil Gehalt nur für das Nötigste reicht. Immerhin gilt der Mindestlohn als „fair“.
Karriere/Weiterbildung
Nicht existent. Einziges Szenario für Aufstieg: Wenn zufällig ein Kollege mit seltener Qualifikation kündigt, rutscht jemand nach. Ansonsten: blockierte Anfragen, kein Budget, zu wenig Personal – also gar keine Chance.
Gehalt/Benefits
Während der eine Geschäftsführer sein Gehalt verdoppelt, alle neuen Aufgaben auslagert und inzwischen siebenstellig kassiert, streiten sich alle anderen um 1–2 % extra? Generell alles minimal für den Arbeiter, die Bonusprogramme für den Chef müssen ja gefüllt werden.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Null Fortschritt. Das alte Solardach vom Vorbesitzer bleibt der einzige Lichtblick. Sonst keine Initiativen, kein Engagement, keine Verantwortung. Wer auf Nachhaltigkeit hofft, sucht vergeblich.
Kollegenzusammenhalt
Nur noch wenige Säulen halten durch, selbst die haben innerlich längst gekündigt. Alles andere ist funktionaler Pflichtzusammenhalt, kein echtes Teamgefühl mehr.
Umgang mit älteren Kollegen
Wertschätzung? Ein Fremdwort. Je älter oder eingeschränkter, desto eher muss man gehen.
Vorgesetztenverhalten
Oben wird Verantwortung nach unten delegiert, Entscheidungen werden intransparent getroffen. Das mittlere Management hält noch den Laden zusammen – aber auch dort kündigt inzwischen fast jeder.
Arbeitsbedingungen
Katastrophal. Marode Gebäude, veraltete Technik, Container-Arbeitsplätze, kaputte Toiletten. Eine Endzeitkulisse, in der man täglich versucht, das Minimum am Laufen zu halten.
Kommunikation
Unter Kolleg:innen funktioniert der Buschfunk erstaunlich gut. Die Führungsebene bleibt intransparent – und reagiert allergisch auf Kritik. Getroffene bellen, wie man so schön sagt.
Gleichberechtigung
Alles wie gehabt: Verwaltung divers und offen, Produktion konservativ. Kein Wille zur Verbesserung erkennbar.
Interessante Aufgaben
Gibt es nur theoretisch. In der Praxis wiederholt sich alles täglich. Spannend ist es vermutlich nur als Chef, wer zählt nicht täglich gern sein Geld?