HS Hamburg: Viel Verantwortung, viele Möglichkeiten - und irgendwann Zeit für den nächsten Schritt
Gut am Arbeitgeber finde ich
Ich hatte viele gute Jahre bei Heinrich Schmid und konnte mich vom Vorarbeiter zum Teamleiter weiterentwickeln.
Ich durfte früh Verantwortung übernehmen, viel gestalten und mich fachlich wie persönlich weiterentwickeln.
Besonders positiv bleiben mir die abwechslungsreichen Aufgaben, der Kollegenzusammenhalt, die Ausbildung und der Umgang mit langjährigen Mitarbeitern in Erinnerung.
Dafür bin ich Heinrich Schmid sehr dankbar.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Mit zunehmender Verantwortung wurde aus Eigenverantwortung für mich zunehmend die Erwartung, immer noch einen Meter mehr zu gehen.
Wer bereit ist, dauerhaft viel Einsatz zu zeigen, kann hier viel erreichen.
Irgendwann darf dieser „Meter mehr“ aber nicht zum neuen Normalzustand werden. Als Führungskraft ist man selbstverständlich dafür da, Probleme zu lösen, Verantwortung zu übernehmen und auch Mitarbeiter zu entwickeln.
Wenn die Belastung allerdings dauerhaft zu hoch wird, sollte man nicht jedes Mal zuerst darauf schauen, was die Mitarbeiter noch zusätzlich übernehmen können. Denn wenn eine Führungsposition nur funktioniert, indem immer mehr Aufgaben nach unten weitergegeben oder von einer Person zusätzlich aufgefangen werden, stimmt irgendwann nicht mehr die Organisation - sondern die Erwartungshaltung.
Verbesserungsvorschläge
Eigenverantwortung und unternehmerisches Denken sind für Führungskräfte absolut richtig, genau dafür übernimmt man schließlich Verantwortung.
Wenn eine Führungskraft ihren Bereich allerdings dauerhaft praktisch alleine am Laufen halten, Probleme auffangen, Mitarbeiter koordinieren und nebenbei auch noch für die eigene Vertretung sorgen muss, wird aus dem „Unternehmer im Unternehmen“ irgendwann fast ein „Unternehmer auf eigene Rechnung“.
Vielleicht sollte man sich gelegentlich fragen, ob wirklich immer noch mehr bei einer Führungskraft abgeladen werden muss, nur weil sie bisher bewiesen hat, dass sie es irgendwie schafft. Denn „Einer wird’s schon richten“ ist auf Dauer keine Führungsstruktur, sondern schlicht eine ziemlich bequeme Lösung für Firma.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre war für mich lange Zeit gut.
Mit zunehmender Verantwortung wurde die hohe Eigenverantwortung allerdings zunehmend zum Druckfaktor. Gerade bei mehreren parallel laufenden Projekten hing sehr viel an einzelnen Personen. Solange es läuft, funktioniert das gut - wenn es eng wird, merkt man die Grenzen dieses Systems...
Zu Stoßzeiten und Abschluss des Geschäftsjahres war die Arbeitsatmosphäre insgesamt bei allen Kollegen extrem angespannt.
Image
Das Unternehmen wird im Handwerk teilweise kritischer gesehen, als ich es selbst erlebt habe. Besonders die Führungsakademie und die Ausbildung am Standort habe ich positiv wahrgenommen. Insgesamt war mein Eindruck vom Unternehmen deutlich besser als das Image, das teilweise von außen vermittelt wird.
Work-Life-Balance
Für mich rückblickend der größte Schwachpunkt. 50- bis 60 Stunden-Wochen waren keine Seltenheit, gleichzeitig war die Arbeit praktisch nie wirklich fertig. Hohe Einsatzbereitschaft wurde aus meiner Sicht teilweise zu selbstverständlich vorausgesetzt.
Längere Anwesenheit wurde stärker als Einsatz wahrgenommen. Wer nach einem langen Arbeitstag mal "früher" Feierabend gemacht hat, bekam nicht selten einen Spruch zu hören, auch wenn dieser "humorvoll" gemeint war...
HO/ mobiles Arbeiten war gelegentlich möglich, wurde aus meiner Wahrnehmung überhaupt nicht gerne gesehen, es wird dort Präsenz gelebt.
Karriere/Weiterbildung
Wer wirklich etwas erreichen möchte und bereit ist, Gas zu geben, bekommt hier Möglichkeiten. Ich konnte selbst viel Verantwortung übernehmen und mich vom Vorarbeiter zum Teamleiter entwickeln. Der berühmte „Meter mehr“ kann hier Türen öffnen - man sollte nur wissen, wie viele Meter man dauerhaft gehen möchte.
Gehalt/Benefits
Das leistungsorientierte System bietet gute Verdienstmöglichkeiten, sofern Teamgröße, Wertschöpfung und Baustellenergebnisse stimmen.
Gerade zu Beginn meiner Teamleitertätigkeit fand ich das Modell attraktiv.
Mit zunehmender Verantwortung hätte ich mir über die Jahre allerdings eine stärkere Entwicklung des Grundgehalts gewünscht anstatt immer mehr Aufgaben zu übernehmen um finanziell voran zukommen.
Letztendlich stand die erhaltene Vergütung nicht mehr im Verhältnis zum geleisteten Einsatz.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Beim Umweltbewusstsein habe ich keinen besonderen Schwerpunkt wahrgenommen.
Sozialbewusstsein: Positiv beim Umgang mit älteren Mitarbeitern, gleichzeitig sehr starker Fokus auf Auslastung, Stunden und wirtschaftliche Ergebnisse.
Das spürt man als Mitarbeiter - die Kollegen auf der Baustelle umso mehr !
Kollegenzusammenhalt
Den Zusammenhalt unter den Kollegen habe ich sehr positiv erlebt. Man konnte sich aufeinander verlassen und auch mit anderen Abteilungen gut austauschen. Gerade im täglichen Baustellengeschäft war dieser Zusammenhalt viel wert.
Umgang mit älteren Kollegen
Habe ich positiv erlebt. Auf die individuelle Situation älterer und langjähriger Mitarbeiter wurde Rücksicht genommen und Aufgaben wurden entsprechend angepasst. Erfahrung wird hier aus meiner Sicht wirklich wertgeschätzt.
Vorgesetztenverhalten
Persönlich kam ich mit meinen Vorgesetzten gut klar, obwohl ich über die Jahre eine deutliche Entwicklung erlegt habe.
Anerkennung und Wertschätzung waren anfangs stark vorhanden, mit immer mehr Verantwortung wurde vieles zunehmend als selbstverständlich angesehen.
Als Führungskraft hätte ich mir bei hoher Belastung allerdings mehr Zuhören, konkrete Unterstützung und echte Entlastung gewünscht. Motivation ist wichtig - irgendwann muss daraus aber auch Unterstützung werden.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeit selbst ist abwechslungsreich. Die Rahmenbedingungen führen allerdings dazu, dass als Teamleiter sehr viele Themen dauerhaft bei einer Person zusammenlaufen.
Verantwortung für mehrere Projekte, Mitarbeiter, Auslastung, Kunden, Termine, Aufmaße / Abrechnung und wirtschaftliche Ergebnisse.
Die Erwartung sich möglichst verzichtbar zu machen und gleichzeitig das komplette Tagesgeschäft im Griff zu behalten ist unter den Arbeitsbedingungen ziemlich ambitioniert.
Das funktioniert - zumindest eine Zeit lang.
Kommunikation
Grundsätzlich funktioniert die Kommunikation, wenn auch manchmal schleppend. Bei Problemen hätte ich mir mehr konkrete Unterstützung und weniger „Du schaffst das schon“ gewünscht. Gerade bei hoher Verantwortung sollte Austausch mehr sein als gegenseitige Durchhalteparolen...
Gleichberechtigung
Hier habe ich über die Jahre keine wesentlichen negativen Erfahrungen gemacht. Der Ton im Handwerk ist manchmal rau - für mich gehört das aber auch ein Stück weit dazu.
Interessante Aufgaben
Eine der größten Stärken. Sehr abwechslungsreiche Projekte, Kunden, Mitarbeiter und Gewerke sowie viel eigene Verantwortung. Ich konnte mich dadurch fachlich stark entwickeln und habe die Aufgaben über viele Jahre wirklich gerne gemacht.


