Motivation sinkt schnell: Hohe Anforderungen durch den Arbeitgeber, aber wenig Wertschätzung und schwache Organisation.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Dass mein Vertrag bald ausläuft und ich dort nie wieder einen Fuß auf die Matte setzen muss.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die Liste wäre zu lang, und ich sitze bereits lange genug an dieser Bewertung.
Verbesserungsvorschläge
Vielleicht mal anfangen, die eigenen Mitarbeiter so ernst zu nehmen wie den Vertrag mit dem Kunden – aktuell zählt nur die Quote, während die Verträge der Arbeitnehmer ignoriert und sie komplett ausgebeutet werden. Einsatzpläne einhalten und Mitarbeiter als Menschen behandeln – ich weiß, radikal. Aber wer weiß, vielleicht merkt ihr ja irgendwann, dass ein bisschen Wertschätzung Wunder wirken kann.
Arbeitsatmosphäre
Echt stressig! Wir werden aufgefordert, Quoten zu erfüllen, am besten immer 100 %, und wer mal darunterliegt, wird deutlich seltener eingesetzt. Die meisten Teamleiter sind inkompetent: einige arbeiten sehr langsam und verquatschen sich mit Kollegen, andere hetzen einen ständig und suchen sich trotzdem die angenehmste Arbeit aus. Laut Arbeitsvertrag wird man nach Stunden bezahlt, gefordert wird aber Akkordarbeit. Kunden beraten ist praktisch verboten. Hilft man trotzdem aus Gutmütigkeit, wird man dafür angemault, und insgesamt gibt es keinerlei Wertschätzung vom Arbeitgeber.
Die Vor-Weihnachtszeit war am schlimmsten: Ich wurde ständig alleine in der Filiale zum Verräumen zugeteilt, Hilfe wurde versprochen, kam jedoch selten, und am Ende wurde sich über einen beschwert, dass man die vorgegebene Menge nicht schafft. Die Container kommen ständig unsortiert an, was einem beim Arbeiten viel Zeit kostet, ganz besonders bei vielen kleinen Artikeln, die erst ausgepackt und im Regal gesucht werden müssen.
Kommunikation
Die Kommunikation läuft hauptsächlich über WhatsApp und ist sehr schlecht. Spricht man Missstände bei der Teamleitung an, wird das meist runtergespielt und man selbst als das Problem dargestellt. Die Einsatzplanung ist unglaublich schlecht: Laut Arbeitsvertrag soll man vier Tage im Voraus Bescheid bekommen, wann und wo man eingesetzt wird. In der Realität sieht das aber ganz anders aus. Ständig wird man erst am selben Tag, manchmal nur ein bis drei Stunden vorher, informiert – das löst Stress aus und bringt die eigene Planung durcheinander. Fragt man nach, warum man an bestimmten Tagen nicht eingesetzt wird, bekommt man tagelang oder überhaupt keine Antwort. Falls doch, dann oft sehr patzig.
Kollegenzusammenhalt
Wenn man die unfähige Teamleitung außen vor lässt, ist der Kollegenzusammenhalt durchaus sehr gut. Allerdings ist das keine Leistung des Arbeitgebers, sondern hängt von einzelnen Individuen ab, mit denen man persönlich gerne zusammenarbeitet und sich gegenseitig respektiert und unterstützt.
Work-Life-Balance
Als Minijobber könnte man denken, dass die 2 Arbeitstage pro Woche die persönliche Freizeit schonen. In der Realität wird das aber stark verzerrt: Vertraglich hat man den Anspruch, mindestens 6 Stunden pro Woche eingesetzt zu werden, tatsächlich kommt man oft nur auf 1–3 Stunden pro Woche und wird anstelle der 2 vereinbarten Arbeitstage oft nur an einem Tag eingesetzt. Die vereinbarten Einsatzzeiten werden also nicht eingehalten. Auf Jobportalen wird mit einer 603-Euro-Basis geworben, am Ende bekommt man aber oft deutlich weniger. Zwar bleibt die eigene Freizeit dadurch weitgehend ungestört, aber das kann keinesfalls positiv hervorgehoben werden, da die vertraglichen Vereinbarungen massiv unterlaufen werden und man somit deutlich weniger arbeitet und verdient als zugesagt.
Vorgesetztenverhalten
Ist unmöglich. Man wird entweder geghostet oder einem werden Dinge unterstellt; da wird auch gerne mal das Lügenfass aufgemacht und sich vollumfänglich bedient. Gespräche in privaten Räumen, also unter vier Augen, existieren nicht. Wenn man von der Chefin angerufen wird, ist sie meistens in ihrem Auto unterwegs, und während des Gesprächs sind auch andere Menschen anwesend. Themen, die also nicht jeden etwas angehen, lässt sie alle mithören und reagiert recht aggressiv, wenn man mit legitimen Argumenten kommt, oder täuscht einen Verbindungsabbruch vor.
Interessante Aufgaben
Da gibt es nichts Interessantes – man verräumt Waren unter massivem Zeit- und Vorgesetztendruck.
Gleichberechtigung
Fehlanzeige. Einige bekommen gezielt leichtere körperliche Aufgaben, während andere ohne Ausnahmen immer die schweren übernehmen müssen.
Arbeitsbedingungen
Hier ist man kein Mensch, sondern nur ein Werkzeug für das Erreichen von Quoten. Pausen gibt es keine. Verspätet man sich mal um 1–2 Minuten, werden im Tablet 15 Minuten Verspätung eingetragen, um die Quoten etwas nach oben aufzuhübschen.
Karriere/Weiterbildung
Um die romantische Vorstellung gleich zu zerstören: Die einzige Karrieremöglichkeit, die man hat, ist, Teamleiter zu werden. Als Minijobber arbeitet man auf Mindestlohn-Basis. Als Teamleiter, laut interner Aussagen, erhält man 50 Cent mehr pro Stunde. Im Verhältnis dazu werden einem aber deutlich mehr Verantwortung übertragen. Die Gehaltserhöhung ist dagegen ein Witz und komplett unverhältnismäßig, denn als Teamleiter wird man erst recht klein gemacht, wenn das eingesetzte Team nicht die erwartete Leistung oder Quote bringt.