Vom Startup zum Börsengang - keine positive Entwicklung für die Mitarbeiter*innen.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Ausstattung im Homeoffice und die weiterhin bestehende Homeoffice Möglichkeit für mehrere Tage die Woche.
Die überwiegend respektvolle Kommunikation zwischen Kolleg*innen.
Den Einsatz der Vorgesetzten auf den unteren/mittleren Ebenen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Am Schlimmsten stößt mir die Art der Führungsebene und die viel zu geringe Bezahlung der unteren bis mittleren Ebenen auf. Und die mangelnde Fähigkeit mit üblichen Kommunikationswerkzeugen des Change Managements zu arbeiten.
Verbesserungsvorschläge
Kurzfristig die Nutzung der steuerfreien Zuschüsse für Angestellte aufgrund der aktuellen Krisen, langfristig deutliche Gehaltserhöhungen in den unteren Positionen, um eine Existenzsicherung zu gewährleisten. Einsparungsmöglichkeiten bei Reisekosten und Verpflegung in den oberen Etagen nutzen.
Gehaltsanpassungen oder Einmalzahlungen nicht prozentual nach dem Gehalt richten (sonst bekommen die die wenig haben sehr wenig und die die viel haben sehr viel aber man sollte doch das Signal setzen, dass jeder in der Kette wichtig für ein gesundes und funktionierendes Unternehmen ist).
Verhöffentlichung von Gehaltsdifferenz zwischen Männern und Frauen wäre ein Schritt, den ein modernes Unternehmen gehen könnte. Mehr Vielfalt in der obersten Etage. Flachere Hierarchien, die dem Unternehmen die Möglichkeit geben auf die Erfahrung und Kompetenz der Mitarbeitenden zuzugreifen und anpassungsfähiger zu werden. Ich würde der Führungsebene nahelegen mit Angestellten der unteren Gehaltsklassen zu sprechen um herauszufinden, was diese nach Miete, anderen Fixkosten und Lebensmitteleinkäufen noch übrig haben - einfach um einen besseren Eindruck davon zu erhalten, wie die Lebensrealität der Menschen aussieht und ob die Bezahlung mit den moralischen Leitsätzen der Firma vereinbar ist.
Verträge frühzeitig an die Angestellten schicken und Stellenbeschreibungen/Jobprofile einführen.
Arbeitsatmosphäre
In den unteren Ebenen überwiegend sehr vertrauenvoller Umgang zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitenden. Diese Verbindung trägt sich jedoch leider nicht bis in die höchste Ebene. Diese ist ihrem Verhalten nach emotional und menschlich weit entfernt von der Lebensrealität der "kleinen" Angestellten.
Image
Es wird intern quasi nur noch schlecht über die Firma geredet weil jeder spürt, es gibt niemanden der einen wirklichen Plan für das Unternehmen hat und weil die Mitarbeitenden dem Unternehmen merklich egaler werden. Hinzukommt, dass die Ausrichtung auf die Aktionäre oft gegen den früheren Qualitätsanspruch der Firma arbeitet, wodurch man als Mitarbeiter*in das Gefühl bekommt, das Unternehmen wird finanziell ausgeschlachtet und es gibt keinen nachhaltigen Plan für die Zukunft.
Work-Life-Balance
Ist ok und dank bleibender Homeoffice-Möglichkeit eher gestiegen.
Im Unternehmen wird allerdings noch immer viel auf Vertrauensarbeitszeit gesetzt, die in den meisten Fällen eher darauf hinaus läuft, dass Angestellte mehr als die meist vereinbarten 40h/Woche arbeiten. Fairer wäre vermutlich eine Stempel-Option für alle, die ja in Deutschland demnächst ohnehin gesetzlich beschlossen und hoffentlich möglichst bald im Unternehmen umgesetzt wird. Da die technischen Möglichkeiten bereits vorhanden sind, hoffe ich, dass Internetstores dabei eine Vorreiterrolle spielen wird.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildungsoptionen gibt es quasi gar nicht. Englischkurse schon, weil das die Zweitsprache der Firma ist, ansonsten wird man von dem Unternehmen wenig informiert und/oder animiert sich weiterzubilden. Es gibt ein winziges Budget pro Person, jedoch kann es nur im sehr kleinen Rahmen genutzt werden und man muss viel nachhaken um diesbezüglich (und zeitnah) genaue Informationen zu erhalten.
Gehalt/Benefits
Die Bezahlungen sind weit unterdurchschnittlich. Wenn Gehaltsanpassungen stattfinden, dann unverschämt gering und oft nur alle paar Jahre.
Die Gehaltsabstufungen von einer Position zur Nächsten beschränken sich oft auf wenige Euro und wären in anderen Unternehmen von der Summe eher eine Art Inflationsausgleich.
Es finden keinerlei Gehaltsverhandlungen statt. Sobald man das Thema anspricht, wird einem die Option 'gehen zu können wann immer man möchte' aufgezeigt.
Gehaltsgespräche können auch aus dem Grund kaum geführt werden, weil die Personalabteilung sich hierfür in keiner Verantwortung sieht, sondern diesbezüglich alles an Finance abgibt. Das geht
so weit, dass Beförderungen nicht mit einer unmittelbaren Gehaltserhöhungen einhergehen wie üblich. Man kann sich also entscheiden mehr Verantwortzu übernehmen, ohne dabei ein neues Gehaltsangebot zu bekommen.
Generell wird vor Vertragsänderungen quasi nicht über das Gesamtpaket mit den Mitarbeitenden gesprochen - also über Stellenbeschreibung, Arbeitszeit, Gehaltsveränderung. Man findet plötzlich einen zweizeiligen Vertragszusatz im Briefkasten, den man bitte unterschrieben wieder zurückschicken soll, ohne genauere Informationen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Umweltschutzthemen sind in Arbeit, wobei momentan nur eine Person in Vollzeit an dem Thema arbeitet, so viel mir bekannt ist. Als Händler für Outdoor Artikel, könnte man sich hier etwas mehr Investitionen wünschen.
Kollegenzusammenhalt
Innerhalb der einzelnen Abteilungen gut bis sehr gut. Über Abteilungen hinaus im Schnitt mittel bis gut.
Das Verhältnis wird jedoch durch sich ständig verschlechternde Arbeitsbedingungen Überlastung und Massen an Kündigungen von langjährigen Mitarbeitern, torpediert.
Umgang mit älteren Kollegen
Zur Einstellung von älteren Menschen kann ich nicht viel sagen. Gefühlsmäßig werden eher jüngere Menschen eingestellt. Das könnte jedoch die technische Ausrichtung des Unternehmens naturgemäß mit sich bringen.
Die Wertschätzung langjähriger Mitarbeitenden ist nicht wirklich zu spüren. Für die meisten Kolleg*innen würde sich das vermutlich in fairen Gehaltsgesprächen, einer angemessenen Bezahlung und/oder in entgegengebrachtem Vertrauen manifestieren.
Vorgesetztenverhalten
In meinem Fall sehr gut, in vielen anderen Fällen so weit ich das mitbekomme auch eher gut.
Schwierig wird es erst auf den oberen/der obersten Etage. Dort ist wenig nachvollziehbar wie Entscheidungen getroffen werden, es finden keine klaren und nachvollziehbaren Begründungen statt und es wird bei aufkommenden Fragen gerne auf die Verantwortung anderer Abteilungen verwiesen. Nach unten kommt dadurch immer mehr ein Gefühl von Chaos und mangelndem Gespür für Mitarbeitende durch. Es entsteht der Eindruck, als seien Mitarbeitende störende Zahlen und man würde nur noch für die Aktionäre arbeiten.
Arbeitsbedingungen
Es ist alles da, was man braucht. Selbst im Homeoffice wurden wir auf Wunsch mit Tisch, Stuhl und Bildschirmen ausgestattet. Im Office (Großraumbüro) gibt es ein Tischbuchungssystem das zwar gewöhnungsbedürftig ist, jedoch so weit überschaubar ganz gut zu funktionieren scheint. Essensmöglichkeiten fehlen etwas, dafür ist man aber in der Innenstadt, wo es diverse, wenn auch kostspielige Angebote gibt. An einem Tag der Woche wird aktuell ein Frühstück angeboten und die Firma versucht durch Anschaffungen wie einer Tischtennisplatte etwas bessere Bedingungen für ein kollegiales Zusammenkommen zu bieten.
Kommunikation
Kommunikation im Arbeitsalltag von Abteilung zu Abteilung im Großen und Ganzen respektvoll. Aufgrund genereller fehlender Kommunikation von oben nach unten und erschwerter Kommunikation durch diverse Hierarchieebenen von unten nach oben, herrscht ein stetiges Gefühl von Warten und Planlosigkeit/Chaos im Unternehmen. Es gibt zwar regelmäßige Meetings, jedoch fragen Mitarbeitende immer wieder nach einer aktuellen Strategie und Zukunftsplänen.
Gleichberechtigung
In den unteren Ebenen sind Frauen noch ganz gut dabei was Führungspositionen angeht (zum Gender Pay Gap kann ich nichts sagen, hierzu hat das Unternehmen noch keine eigenen Angaben veröffentlicht und einen Betriebsrat gibt es nicht), je weiter es nach oben geht, desto männlicher, weißer und mittelalt wird die Besetzung (das wurde sogar so von der Führungsebene erkannt und als "Spaß" in die Townhall Rede mit eingebaut - so viel zum fehlenden Gespür).
Interessante Aufgaben
Wie in vielen Unternehmen wohl sehr subjektiv zu beurteilende Kategorie und je nach Abteilung unterschiedlich stark ausgeprägt.
Wenn es um die Arbeitsbelastung geht, sind jedoch vermutlich derzeit fast alle Abteilungen überbelastet, was kaum bis keinen Spielraum lässt, eigene Ideen einzubringen.
