Strukturelle Probleme treffen auf fehlende Kompetenz der Leitung
Gut am Arbeitgeber finde ich
13. Gehalt, Kolleg:innenzusammenhalt, spannendes Arbeitsfeld
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Umgang mit strukturellen Problemen seitens der Leitung, Umgang mit den Mitarbeitenden seitens der Leitung, Kritikunfähigkeit der Leitung, fehlende Work-Life-Balance, fehlende Fürsorgepflicht des Arbeitgebers.
Verbesserungsvorschläge
Liebe Leitung,
Hört auf die Anliegen der Mitarbeitenden, dann würden vielleicht nicht so viele Leute kündigen oder wären dauerhaft arbeitsunfähig. Schätzt eure Fähigkeiten realistisch ein und lernt zu delegieren, wenn ihr etwas nicht könnt. Seid transparent und ehrlich gegenüber euren Angestellten, macht keine falschen Versprechungen. Eigentlich traurig, dass man solche Dinge erbetteln muss. Respekt, Wertschätzung und Ehrlichkeit sollten eigentlich die Grundlage jedes Arbeitsverhältnisses sein, und nicht etwas, das man sich erst erkämpfen muss.
Arbeitsatmosphäre
Geprägt von Druck, Personalmangel und fehlenden Arbeitsmitteln (Arbeitskleidung, Diensthandy etc.). Lob seitens der Einrichtungsleitung nur floskelhaft und inhaltsleer. Auf konstruktive Kritik der Mitarbeitenden wird entweder gar nicht eingegangen, oder es werden Einschüchterungsversuche in Form von Vorgesetztengesprächen und Abmahnungen unternommen. Allgemein eine angespannte Atmosphäre der Angst und Unzufriedenheit. Für die Einrichtungsleitung und die Bereichsleitung scheint nur die Außenwirkung des Trägers zu zählen. Wie das interne Klima ist, scheint nicht zu interessieren.
Kommunikation
E-Mails (z.B. mit Hinweis auf fehlende Arbeitsmittel oder fehlende Ausstattung in der Einrichtung) werden ignoriert, auf persönliche Nachfragen heißt es “das nehmen wir mit” oder “das prüfen wir intern”, ohne dass jemals eine Antwort kommt. Offizielle Anweisungen des Dienstgebers (Landesdirektion Sachsen) werden weitergeleitet, über interne Diskussionen werden Mitarbeitende nicht oder nur verzögert informiert. Seitens der Bereichsleitung werden über Monate hinweg immer wieder die gleichen Dinge zugesagt (rollender Dienstplan, rechtzeitige Bekanntgabe des Dienstplans, Berücksichtigung von Freiwünschen aufgrund von Facharztterminen) jedoch ohne Ergebnis. Insgesamt inhaltslose Kommunikation, Hinhalten und Ignorieren von Anfragen der Mitarbeitenden.
Kollegenzusammenhalt
Sehr nette Kolleg:innen, die versuchen sich unter widrigen Arbeitsbedingungen versuchen gegenseitig Halt zu geben. Probleme, für die die Einrichtungsleitung nicht bereit ist, Lösungen zu finden (z.B. Freiwünsche im Dienstplan) opfert sich das Kollegium auf. Beispiel: Eine Kollegin wollte sich Urlaub nehmen, um bei ihrem schwerkranken Vater, welcher im Ausland lebt, zu sein - seitens der Leitung abgelehnt. Ein anderer Kollege trat dann seinen bereits geplanten Urlaub ab, damit die Kollegin für ihre Familie in einer schweren Zeit da sein konnte. Aber eigentlich traurig, dass Kolleg:innen sich für die Unfähigkeit der Leitung aufopfern müssen.
Kolleg:innenzusammenhalt auch aufgrund des geteilten Leids. Auch keine oder zu wenig Supervision, auch hier versuchen die Kolleg:innen, sich gegenseitig zu unterstützen und füreinander da zu sein. Auf lange Sicht sind das aber Arbeitsbedingungen, die krank machen.
Work-Life-Balance
Freizeit und wichtige Termine kaum planbar, da der Dienstplan mit wenig Vorlaufzeit bekanntgegeben wird. Seitens des Arbeitgebers wird geplant, den Dienstplan mit 14 Tagen Vorlauf bekanntzugeben. Das ist zu wenig, vor allem wenn geäußerte Freiwünsche nicht berücksichtigt werden (Die Einrichtungsleitung, welche den Dienstplan macht, weiß nicht mal, wo sich die Datei mit den Freiwünschen befindet, trotz mehrmaliger Hinweise). Urlaubswünsche werden auch selten berücksichtigt, diese Info erhält man dann zwei Wochen vor dem geplanten Urlaub. Das einzig positive: aufgrund der Schichtarbeit hat man bei Teilzeitbeschäftigung auch mal 5 Tage am Stück frei, leider aber nicht an den Tagen, die man bräuchte. Insgesamt also eine lausige Planung seitens der Einrichtungsleitung, was wiederum zu einem hohen Krankenstand führt - wie soll man sich auch sonst anders helfen außer mit einer Krankschreibung.
Die Einrichtungsleitung hält daran fest, den Dienstplan zu erstellen (Kontrollzwang) obwohl sie es nicht kann.
Vorgesetztenverhalten
Am liebsten Null Sterne.
Bereichsleitung: Weitergetragene Sorgen und Anliegen der Mitarbeitenden werden kleingeredet, weggeschoben, bagatellisiert oder mit Floskeln abgewürgt. Veränderungen werden zugesagt, dann aber nicht umgesetzt. Auf strukturelle Probleme im Bereich wird augenscheinlich nicht reagiert, sodass es immer wieder an Arbeitsmitteln mangelt oder die Klient:innen nicht ausreichend versorgt werden (fehlende Babybetten, Kinderwagen, Babygläschen, Windeln, Hygieneprodukte etc.)
Einrichtungsleitung: Fachliche Kompetenz und Kenntnis des Arbeitsfeldes seitens der Leitung leider auch nur rudimentär vorhanden und auch keine Bestrebungen, sich neues Wissen anzueignen- gleichzeitig wird aber auch nicht auf die fachliche Einschätzung der Mitarbeitenden gehört. Kann mit konstruktiver Kritik nicht umgehen, reagiert mit Ignorieren oder Schlechtreden der kritikäußernden Person. Auf gravierende Mängel innerhalb der Einrichtung (u.a. Kakerlakenbefall in der Kantine/Küche und den Mitarbeitendenbüros, defekte Sanitäranlagen und Aufzüge, unzureichende Umsetzung der Gewaltschutzstruktur) wird nicht oder nicht rechtzeitig eingegangen. Teils werden die Mängel auch bewusst vor den Dienstgeber
Interessante Aufgaben
Wenig Ausgestaltungsmöglichkeit des Aufgabenbereichs. Es gibt Vorgaben seitens der LDS, die zu erfüllen sind, dafür kann der Arbeitgeber nichts. An sich ist es ein vielfältiges Arbeitsfeld, in das man sich mit seinen eigenen Interessen und Stärken einbringen kann. Arbeit im engen Kontakt mit Menschen muss man hier natürlich mögen, sonst wird man nicht glücklich. Wenn man diesen Bereich allerdings mag, wird man in der Arbeit mit geflüchteten Menschen viel Erfüllung finden. Leider wird man auch hier immer wieder vor strukturelle Probleme gestellt (fehlende Materialien zur Freizeitgestaltung, bspw. Farbe, Bastelmaterialien, Sportgeräte, fehlende Arbeitsmittel wie Diensthandys, funktionierende Drucker im Beratungsbüro), die die Leitung anscheinend nicht zu lösen vermag.
Gleichberechtigung
Die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung oder Eltern junger Kinder werden bei der Dienstplanung nicht berücksichtigt. Alleinerziehende Mütter werden in Nachtschichten eingeplant, obwohl es genug andere Mitarbeitende gibt. Vereinbarungen aufgrund von Behinderung (z.B. nur Frühdienste, oder nur Spätdienste) werden erst nach mehrmaligen Hinweis der betroffenen Personen berücksichtigt. Das muss besser laufen!
Mitarbeitende werden allerdings (zumindest meinem Eindruck nach) nicht aufgrund ihrer Herkunft oder ihrer sexuellen Orientierung benachteiligt, die Benachteiligung und das Ignorieren von Bedürfnissen erfolgt ganz unabhängig der Identität der Mitarbeiten. Alle werden gleich (schlecht) behandelt.
Arbeitsbedingungen
Absolute Katastrophe, falls das aus den vorherigen Beschreibungen nicht schon ersichtlich geworden ist.
Fehlende Arbeitsmittel: Diensthandys, Arbeitskleidung z.B. Regenjacken, fehlende Drucker, fehlende Materialien für die Bereitstellung von Freizeitangeboten für die Klient:innen, IT-Probleme (fehlende Zugänge und Login-Daten) werden länger nicht gelöst.
Fehlende Supervision! Es geht hier um die Arbeit mit komplex belasteten, teils schwer traumatisierten Menschen, die besonders vulnerabel sind - Supervision für die Mitarbeitenden ist hier essentiell, um sekundärer Traumatisierung, Belastungen, Burn-Out etc. vorzubeugen. Es gibt zwar Supervision, das zum Teil allerdings sehr unregelmäßig, und man darf nur teilnehmen, wenn man an dem Tag im Dienst eingeplant ist. Die Leitung achtet hier aber nicht darauf, dass alle Mitarbeitenden so eingeteilt werden, dass sie mal teilnehmen können. Ich hatte meine erste Supervision nach 9 Monaten Angestelltenverhältnis. Hier kommt der Arbeitgeber seiner Fürsorgepflicht überhaupt nicht nach.
Gehalt/Benefits
Gehalt an sich gut. Bei der Eingruppierung von Fachkräften wird hier aber massiv geschummelt. Wer vor Einleitung von Sparmaßnahmen das Arbeitsverhältnis aufgenommen hat ist zwei Gruppen höher eingruppiert, die täglichen Aufgaben im Fachkräfte-Team unterscheiden sich allerdings nicht, trotz unterschiedlicher Eingruppierung. Hier ist ganz deutlich zu sehen, dass es um die Einsparung von Kosten und nicht um die faire Entlohnung und Gleichbehandlung geht.
Gehalt kommt pünktlich ABER Zuschläge (z.B. Sonntage, Feiertag) oder Prämien für kurzfristiges Einspringen werden zu spät bezahlt, da die Leitung es nicht hinbekommt, diese rechtzeitig freizugeben. Erst nach mehrmaligen Erinnerungen kommen die Zuschläge. Wer hier nicht genau auf die Lohnbescheinigung schaut und nachrechnet, wird eventuell unterbezahlt. Das ist natürlich auch eine nette (wenn auch rechtswidrige) Möglichkeit für die Johanniter, Geld zu sparen.
Karriere/Weiterbildung
Mehr als Durchklick-Onlineschulungen werden hier nicht bereitgestellt. Trägerexterne Weiterbildungen werden nicht finanziert oder in der Dienstplanung berücksichtigt. Professionalisierung ist hier nicht gewünscht.


