Familiäre Umverteilung von unten nach oben – Ein Erlebnisbericht
Verbesserungsvorschläge
Vielleicht mal ein Buch über moderne Personalführung lesen – oder zumindest eines über Überweisungsfristen. Es soll Gerüchte geben, dass Mitarbeiter, die man wertschätzt, sogar noch besser arbeiten. Verrückt, oder?
Arbeitsatmosphäre
Sauberkeit und Ordnung werden hier als „überbewerteter Luxus“ betrachtet. Wer kein Problem mit Staubschichten aus der Gründungszeit und einer gewissen Grundverwahrlosung hat, wird sich wohlfühlen. Was die Gesundheit angeht: Man wird hier eher als Verschleißteil betrachtet. Wenn man kaputt ist, wird man ersetzt – Prävention oder Ergonomie sind Fremdwörter.
Work-Life-Balance
Die Balance ist super: Die Führung hat das Life, die Angestellten die Work. Gesundheitliche Belange werden als persönliches Hobby der Mitarbeiter abgetan.
Gehalt/Benefits
Ein echtes Abenteuer! Jeden Monat aufs Neue darf man raten, wann das Geld wohl kommt. Pünktlichkeit ist hier eine Einbahnstraße: Der Chef erwartet sie von uns, lebt sie beim Gehalt aber als „kreative Freiheit“ aus. Benefits? Fortbildungen? Klar, man darf lernen, wie man mit wenig Geld den Monat überlebt. Alles andere würde ja den Gewinn der Familie schmälern.
Kollegenzusammenhalt
Geteiltes Leid ist halbes Leid. Die Kollegen halten zusammen, meistens während man gemeinsam darauf wartet, dass der Lohn endlich auf dem Konto eintrudelt. Man ist sich einig: Wir sind hier nur Statisten im „Reich und Reich gesellt sich gern“-Epos der Geschäftsführung.
Vorgesetztenverhalten
Das Duo Infernale aus Chef und Schwiegersohn bildet eine perfekt eingespielte Einheit – zumindest wenn es darum geht, den Fuhrpark der Führungsebene zu optimieren. Entscheidungen werden beim Familienessen getroffen; wer nicht zur Verwandtschaft gehört, hat nichts zu melden. Die Kommunikation besteht hauptsächlich daraus, die Angestellten klein zu halten, damit sie bloß nicht auf die Idee kommen, sie seien mehr wert als ihr (unpünktliches) Gehalt.
Interessante Aufgaben
Die spannendste Aufgabe ist die tägliche Motivationssuche. Ansonsten wird strikt darauf geachtet, dass man nicht über seinen Tellerrand hinauswächst. Fortbildung gibt es höchstens in Form von „Learning by doing – aber mach bloß keinen Fehler, der Geld kostet“.