Gut am Arbeitgeber finde ich
Allen Kritikpunkten zum Trotz gibt es im Unternehmen Kollegen, die den Arbeitsalltag deutlich angenehmer machen. Einige Mitarbeiter sind hilfsbereit, fachlich kompetent und menschlich aufgeschlossen. Gerade diese Kollegen haben dazu beigetragen, dass die Zeit im Unternehmen trotz vieler negativer Erfahrungen stellenweise positiv in Erinnerung bleibt. Ohne sie wäre meine Gesamtbewertung deutlich schlechter ausgefallen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Ein großes Problem war aus meiner Sicht die Unternehmenskultur. Lästereien, Gerüchte und respektloses Verhalten gegenüber Kollegen.
Verbesserungsvorschläge
Die Personalabteilung sollte aus meiner Sicht stärker an einer offenen und professionellen Feedbackkultur arbeiten. Dazu gehört nicht nur, Kritik konstruktiv zu äußern, sondern auch, Kritik von Mitarbeitern anzunehmen und ernsthaft zu reflektieren.
Darüber hinaus würde ich mir einen respektvolleren und diskreteren Umgang mit persönlichen oder sensiblen Themen wünschen. Nicht jede Unterhaltung bleibt hinter geschlossenen Türen, weshalb bei entsprechenden Gesprächen mehr Aufmerksamkeit auf Vertraulichkeit und Professionalität gelegt werden sollte.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre hat sich während meiner Zeit im Unternehmen zunehmend verschlechtert. Zu Beginn gab es noch regelmäßige Quartalsessen, die den Zusammenhalt fördern sollten. Gegen Ende fanden diese jedoch kaum noch statt. Rückblickend überrascht mich das nicht, da vielfach das Vertrauen untereinander fehlte. Private Gespräche und persönliche Informationen blieben nach meinem Eindruck nicht immer dort, wo sie hingehörten.
Zusätzlich gab es sogenannte Beschäftigtenkommunikationstreffen (BKT). Die Idee dahinter war grundsätzlich sinnvoll, jedoch fehlte vielen Mitarbeitern das Vertrauen in die durchführende Instanz. Dadurch wurden Probleme, Kritik oder Sorgen häufig gar nicht erst offen angesprochen. Eine offene Kommunikationskultur konnte sich so aus meiner Sicht nicht entwickeln.
Insgesamt war das Arbeitsklima von Misstrauen, Grüppchenbildung und mangelnder Offenheit geprägt. Für ein gesundes und professionelles Arbeitsumfeld sind dies keine guten Voraussetzungen.
Karrierechancen
Karrierechancen waren praktisch nicht vorhanden. Die wirtschaftliche Lage und die bestehende Personalstruktur ließen kaum Spielraum für Neueinstellungen, Übernahmen oder berufliche Weiterentwicklung. Wer auf langfristige Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten hofft, wird hier vermutlich enttäuscht werden.
Arbeitszeiten
Ich kann hier nur für den Bereich der Verwaltung sprechen, nicht für die Produktion.
Grundsätzlich bietet das Unternehmen flexible Arbeitszeiten mit einer Kernarbeitszeit, wodurch sich der Arbeitstag in vielen Fällen gut an persönliche Bedürfnisse anpassen lässt. Auch Homeoffice ist grundsätzlich möglich, muss jedoch in der Regel mit der jeweiligen Führungskraft abgestimmt werden. Dabei hatte ich den Eindruck, dass die Handhabung je nach Abteilung oder Person unterschiedlich ausfiel – für einige war Homeoffice eher ein Privileg, für andere nahezu selbstverständlich.
Positiv hervorzuheben ist, dass die Verwaltung üblicherweise am Wochenende frei hat und geleistete Überstunden grundsätzlich durch Freizeit ausgeglichen werden können. Insgesamt bieten die Arbeitszeiten eine gute Flexibilität, weshalb ich diesen Bereich überwiegend positiv bewerte.
Ausbildungsvergütung
Die Ausbildungsvergütung lag aus meiner Sicht im soliden Mittelfeld. Sie war weder außergewöhnlich hoch noch besonders niedrig. Für einen Auszubildenden wurde ein angemessenes Gehalt gezahlt, das im Vergleich zu vielen anderen Ausbildungsbetrieben durchaus fair war. In diesem Punkt gibt es wenig zu kritisieren, auch wenn die Vergütung allein andere Schwächen der Ausbildung und des Arbeitsumfelds nicht ausgleichen kann.
Die Ausbilder
Nach dem ersten Lehrjahr verließ mein Ausbilder das Unternehmen. Anschließend gab es keinen festen Ausbilder mehr, der die Verantwortung für meine weitere Ausbildung übernahm. Eine strukturierte Betreuung und planmäßige Vermittlung der Ausbildungsinhalte fanden nicht statt. Über weite Teile der Ausbildung mussten Inhalte eigenständig erarbeitet werden. Für einen Ausbildungsbetrieb entspricht dies aus meiner Sicht nicht den Anforderungen an eine ordnungsgemäße Ausbildung.
Spaßfaktor
Es gab einige Kollegen, mit denen man lachen, scherzen und den Arbeitsalltag angenehmer gestalten konnte. Allerdings hatte ich häufig den Eindruck, dass eine lockere Atmosphäre nicht besonders erwünscht war. Bereits normales gemeinsames Lachen oder ein kurzer Spaß unter Kollegen wurde teilweise kritisch betrachtet. Dadurch entstand oft das Gefühl, sich ständig zurückhalten zu müssen, anstatt in einem entspannten und motivierenden Arbeitsumfeld arbeiten zu können.
Aufgaben/Tätigkeiten
Nach dem ersten Lehrjahr gab es über längere Zeiträume nur wenige fachlich relevante Aufgaben. Die vorhandenen Tätigkeiten waren häufig schnell erledigt, sodass anschließend oft Leerlauf entstand. Statt einer abwechslungsreichen und ausbildungsrelevanten Beschäftigung wurden teilweise auch Aufgaben übertragen, die keinen Bezug zum Ausbildungsberuf hatten. So durfte ich beispielsweise zur Weihnachtszeit einen Origami-Drachen basteln. Solche Tätigkeiten mögen gut gemeint sein, tragen jedoch nicht zur fachlichen Entwicklung eines Auszubildenden bei. Insgesamt fehlten aus meiner Sicht passende Aufgaben, um die im Ausbildungsrahmenplan vorgesehenen Kenntnisse und Fähigkeiten praxisnah zu vermitteln.
Variation
Variation war während der Ausbildung kaum vorhanden. Statt regelmäßig neue Themen, Technologien oder Aufgabenbereiche kennenzulernen, wiederholten sich dieselben Tätigkeiten oder es gab zeitweise überhaupt keine sinnvolle Beschäftigung. Die Ausbildung bot nur sehr wenige Möglichkeiten, unterschiedliche Bereiche des Berufsbildes kennenzulernen und praktische Erfahrungen zu sammeln.
Respekt
Der Umgang miteinander war aus meiner Sicht in vielen Bereichen erschreckend schlecht. Es entstand häufig der Eindruck, dass Mitarbeiter in verschiedene Gruppen eingeteilt wurden und nicht jeder den gleichen Respekt oder die gleiche Wertschätzung erhielt. Wer gut ins Umfeld passte, hatte es deutlich leichter als andere.
Besonders kritisch empfand ich den Umgang einiger Kollegen untereinander. Lästereien, respektlose Kommentare und ein allgemein wenig wertschätzendes Miteinander waren keine Seltenheit. Dabei bezieht sich diese Kritik ausdrücklich nicht auf die fachliche Ausbildung, sondern auf das Arbeitsumfeld und die Unternehmenskultur. Ein respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein – hier habe ich jedoch oft das Gegenteil erlebt. Rückblickend war dies einer der Hauptgründe dafür, warum ich mich im Unternehmen nicht wohlgefühlt habe.