Pflegedienst im Klinikum Esslingen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Dass das Klinikum Esslingen noch immer in kommunaler Trägerschaft ist. Das bedeutet immerhin Tariftreue und Verlässlichkeit.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Ich habe glaube ich genügend Punkte erwähnt, die in der Pflege nicht oder nur dank der Leidensbereitschaft der Kollegen funktionieren. Die allerorten bekannten Personalprobleme sind da, allerdings hat man auch bis vor nicht allzu langer Zeit nichts dafür getan den Pflegedienst personell befriedigend aufzustellen. Dazu hat man sich lange Zeit nicht bemüht hochkompetente Pflegende nach dem Examen zu halten noch hat man versucht die jetzt überbordend vorhandene Frustration anzugehen und personelle Defizite im noch beherrschbaren Stadium anzugehen. Aktuell sind allein im Pflegedienst der Klinikums 21 Stellenanzeigen für Pflegestellen ausgeschrieben (im Intranet und im Internetauftritt der Klinik), welche ein- oder mehrfach besetzt werden sollten. Bei realistisch geschätzten 400 Vollzeitpflegestellen im Haus kann sich jede und jeder ausrechnen was das heißt.
Die Weiterempfehlung für neue Mitarbeiter in der Pflege muss unter diesen Umständen aktuell entfallen. Es gibt durchaus interessante Bereiche im Haus aber das Gebotene hebt sich nicht wesentlich von dem ab was in den meisten Kliniken des Umfeldes geboten wird das Klinikum Stuttgart und die Sana-Kliniken zahlen effektiv besser.
Verbesserungsvorschläge
Nicht nur Bewerbern den roten Teppich ausrollen mit Aktionen wie Bewerbernacht, offene Bewerberstunden usw. Die hohe Kunst im Führen eines Pflegedienstes in einer Klinik besteht darin, den dauerhaft Beschäftigten den Verbleib so schmackhaft wie möglich zu machen um den völligen Zusammenbruch der Dienstpläne zu vermeiden. Leider ist keine Konzeption in dieser Riohtung erkennbar. Wie die kommenden gesetztlich vorgeschriebenen Personaluntergrenzen eingehalten werden sollen erscheint höchst schleierhaft. Es gibt keine besonderen monetären Anreize ( wie z.B. im Klinikum Stuttgart) und die bis jetzt gebotenen Benefits sind in ihrer Wirkung und Aussage überschaubar.
Arbeitsatmosphäre
Wer glaubt, daß es in irgendeiner Weise in der Pflege entspannter als in anderen Kliniken des Umkreises zugeht liegt komplett falsch. Die Arbeitsverdichtung ist in allen Bereichen hochexistent, die Personalprobleme offensichtlich und die Überstundenkonten übervoll. Dienstpläne werden regelmäßig vom Betriebsrat nach Durchsicht abgelehnt da gegen gesetzliche Vorschriften verstoßend, und dies flächendeckend.
Image
Pflege hat auch in Esslingen ein gutes Image. Dafür kann man sich nichts kaufen aber immerhin Mitleid ernten (wer es braucht).
Work-Life-Balance
Pflege hält ein bisschen mehr aus als die vielen Verwaltungsmitarbeiter, die in ihren mannigfaltigen Bewertungen hier ihr Wohlgefallen über das Klinikum kundtun. Das sei den Damen und Herren nachgesehen, dort scheint die 8-to-4-Arbeitszeitstrategie zu greifen. Wenn allerdings wie in der Pflege 20 Plusstunden im Monat regelhaft anfallen wirds mit der Balance etwas problematisch. Ist ja aber auch in anderen Kliniken der Umgebung üblich, von daher auch in Esslingen nichts Neues.
Karriere/Weiterbildung
Wer echtes Interesse zeigt und sich als befähigt zeigt hat durchaus die Möglichkeit sich adäquat weiterzubilden. Gerne auch mit Verpflichtung, aber immerhin.
Gehalt/Benefits
Glatter Tarifvertragsdurchschnitt inclusive ZVK. Für die Benutzer des ÖPNV gibts ein verbilligtes Jobticket, die Autofahrer dürfen ordentlich für das gerne überfüllte privatisierte Parkhaus zahlen
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Irgendetwas davon habe ich schon im vorhandenen Leitbild gelesen. Papier ist aber durchaus geduldig, man muss ja nicht alles glauben.
Kollegenzusammenhalt
Kommt drauf an, muss man sagen. Es gibt sehr solidarische Stationen und Bereiche und sicher auch das glatte Gegenteil. Komplettkündigungen ganzer Stationen (bis auf die Führungskräfte natürlich) gab es eben auch schon, und das ist nicht lange her. Zusammenfassend : Die Bereitschaft zur Solidarität ist grundsätzlich schon da, der Betriebsrat ist nicht untätig, die jeweilige Akutfrustrationslage entscheidet schlussendlich.
Umgang mit älteren Kollegen
Grundsätzlich wird versucht, Rücksicht zu nehmen. Aber auch hier gilt: Eine spezifische
Arbeitgeberstrategie, älteren Kollegen das Durchhalten bis zur Rentengrenze zu erleichtern gibt es nicht. Oder um nicht Unrecht zu tun könnte man auch sagen, sie ist bis jetzt nicht erkennbar.
Vorgesetztenverhalten
Von hochempathisch bis gnadenlos gibts alles. Eine spezifische Betriebskultur, was das Vorgesetztenverhalten angeht, ist nicht erkennbar. Die Pflegeabteilungsleitungen und Pflegedirektion sind im Alltag nicht präsent und verschanzen sich am liebsten in ihrer Ecke des Klinikums wo das gewöhnliche Pflegefussvolk nicht als gar zu störend wahrgenommen werden muss. Zugegeben strategisch gut durchdacht, diese räumliche Planung.
Arbeitsbedingungen
Die gesetzlichen Vorschriften scheinen eingehalten zu werden. Für den Umstand, dass das Klinikum nicht aus einem Guss erbaut worden ist kann keiner etwas.
Kommunikation
Aus Sicht des Pflegedienstes kommt es sehr auf den Führungsstil der Team- und Abteilungsleitungen an. Information wird je nach Führungskraft auch gerne gefiltert. Das Intranet beschränkt sich weitgehend auf Informationen die den reibungslosen Arbeitsprozess sicherstellen sollen.
Gleichberechtigung
Absolut vorhanden. Allerdings will ich eine Klinik sehen in der das nicht gegeben ist...
Interessante Aufgaben
Ein Klinikum der Zentralversorgung bietet ein anspruchsvolles und interessantes Umfeld. Gelegentlich glaubt sich der eine oder andere Chefarzt oder Oberarzt, sich auf Maximalversorgungsniveau zu befinden. Soll es woanders ja aber auch geben.