Für Softwareentwickler ein idealer Berufseinstieg
Gut am Arbeitgeber finde ich
Werkstudenten und junge Softwareentwickler landen sofort in echten Produktteams und arbeiten an der Gesamtplattform mit. Von isolierten Lernprojekten und Wegwerfcode gibt es wenig bis nichts. Das ist nicht selbstverständlich und in vielen Unternehmen anders.
Knuddels ist auch technisch sehr modern aufgestellt. Die Menge an Automation und Abstraktion die in dem eigenen Modul- und Microfrontendsystem steckt, findet man üblicherweise nicht in Unternehmen dieser Größe. Diese technische Komplexität macht die technische Arbeit bei Knuddels sehr spaßig.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Knuddels fördert meiner Meinung nach leider eine eher ungesunde Einstellung zur Arbeit. Von anderen Unternehmen kenne ich es so, dass bei Mitarbeitenden darauf geachtet wird, dass wenn sie Überstunden aufbauen, auch frühzeitig eingegriffen wird, um ein Ausbrennen zu verhindern. Bei Knuddels wurde meiner Meinung nach zu wenig getan, um gegen Burnout präventiv vorzugehen. Meinem Bauchgefühl nach, war Burnout bei verhältnismäßig vielen Mitarbeitenden und Ex-Mitarbeitenden ein Thema.
Nichtsdestotrotz kann man dem mit ausreichend Eigenverantwortung entgehen und damit einen technisch sehr forderenden aber auch sehr lehrreichen Arbeitgeber am Anfang seiner Karriere mitnehmen.
Arbeitsatmosphäre
Sehr viel Freiheit bei der Arbeitsgestaltung (Vertrauensarbeitszeit mit geringer Kernarbeitszeit, flexibles Home Office, teilweise Full Remote Verträge). Verantwortung ziehen ist möglich und wird (mindestens im technischen Bereich) auch gesehen und wertgeschätzt. Büro ist ein Großraumbüro, muss einem liegen. Ich hätte mir manchmal etwas mehr Ruhe gewünscht, aber die gabs dann halt im Home Office oder einem der Ruhearbeitsräume.
Image
Meiner Meinung nach wird Knuddels leider zu Unrecht immer wieder von den Medien verteufelt. Dabei ist die Menge an Arbeit die in Jugendschutz und eine sichere Plattform fließt echt immens. Es ist sehr schade, dass es hier bisher nicht nachhaltig erfolgreich war, die Außenwahrnehmung des Unternehmens weitreichender zu verbessern. Das Image hat Knuddels so wirklich nicht verdient.
Work-Life-Balance
Vertrauensarbeitszeit und keine Zeiterfassung (und vertraglich pauschal 15 mit dem Gehalt abgegoltene Überstunden pro Monat, zumindest in meinem damaligen Vertrag). Das setzt sehr viel Eigenverantwortung voraus. Gerade remote aber sehr gute Work-Life-Balance möglich. Leistung hat einen höheren Stellenwert als bloßes Stunden absitzen. Leider gab es meiner Meinung nach bei meinem Vorgesetzten ein paar ungünstige, nicht-böswillige Angewohnheiten, die aus meiner Sicht gerade bei jungen, motivierten Mitarbeitenden dazu führen könnten, dass sie über ihre Arbeitszeit hinaus arbeiten oder Arbeit mit nach Hause nehmen..
Karriere/Weiterbildung
Knuddels bietet gerade für Softwareentwickler, die früh in ihrer Karriere sind, eine großartige Möglichkeit zur Weiterentwicklung. Aufgrund des herausfordernden Umfelds, lernt man im Alltag unglaublich viel dazu. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass man sich proaktiv Verantwortung zieht und seine Karriere und Weiterbildungsplanung selber in die Hand nimmt. Es gab zumindest als ich noch da war keine strukturierten Weiterbildungspläne, um die Mitarbeitenden stärker zu unterstützen. Ich weiß aber, dass zum Zeitpunkt meiner Kündigung daran gearbeitet wurde. Ansonsten gibt es 360-Grad-Feedback, was ich persönlich als sehr positiv und hilfreich empfunden habe.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt in allen Teams in denen ich war, war immer hervorragend. Natürlich gab es immer mal Momente, in denen irgendwer irgendwo angeeckt ist, aber im Großen und Ganzen wurde spürbar am selben Strang gezogen. Das 360-Grad-Feedback habe ich nie als negativ empfunden. Auch wenn es Momente gab, in denen das Feedback im ersten Moment unangenehm zu lesen war, habe ich bei jedem Mitarbeitenden die ehrliche Intention wahrgenommen konstruktiv und hilfreich zu sein.
Umgang mit älteren Kollegen
Das Durchschnittsalter war bei Knuddels recht jung, da auch häufig viele Uni-Absolventen eingestellt wurden. Mit den älteren Kollegen (was bei Knuddels aber eher 40+ als 50+ war) wurde aber meinem Empfinden nach nicht anders umgegangen als mit jüngeren Kollegen.
Vorgesetztenverhalten
Insgesamt war mein Vorgesetzter immer bemüht, mit mir kooperative Lösungen zu finden, auch nachdem ich schon gekündigt hatte. Nach meinem Eindruck wurde auch versucht, Mitarbeitende in schwierigen persönlichen Phasen zu unterstützen. Zielsetzung empfand ich als eher wenig konkret, und die getroffenen Entscheidungen konnte zumindest ich nicht immer nachvollziehen.
Arbeitsbedingungen
Lärmpegel war immer ein Thema im Großraumbüro, besonders als angefangen wurde Meetings von der Großraumbürofläche abzuhalten. Ansonsten war die Temperatur im Büro im Winter etwas zu niedrig für meinen Geschmack, aber es war kein Problem eine beheizte Tischunterlage und E-Heizungen auf Firmenkosten zu kaufen.
Kommunikation
Ich habe mich von meinem direkten Vorgesetzten in unserem wöchentlichen Joufix immer informiert gefühlt. Es wurden auch vertrauliche Informationen, die relevant für meine Verantwortungen waren, immer mit der notwendigen Sorgfalt kommuniziert. In der Kommunikation gegenüber der gesamten Belegschaft hat mir manchmal Transparenz gefehlt und meiner Meinung nach hätte die Art der Kommunikation von der Business-Unternehmensseite etwas zielgruppengerechter sein können.
Gehalt/Benefits
Gehalt ist meiner Erfahrung nach leicht unterdurchschnittlich. Aber es gibt viele Benefits, die sich nicht im reinen Brutto niederschlagen. Gesundheitsfördernde Leistungen (Fitnessstudioabo), eine Köchin für Frühstück (und ich glaube inzwischen auch Mittagessen), ein großzügiges Weiterbildungsbudget (zumindest in meinem Vertrag) und soweit ich weiß, kann ein Mitarbeitender auch einen Dienstwagen zur Privatnutzung erhalten. Alle Verträge sind aber individuell ausgehandelt und Gehaltserhöhungen sind meiner Erfahrung nur passiert, wenn man sie proaktiv angestoßen hat und eher hart in die Verhandlung gegangen ist.
Gleichberechtigung
Meiner Wahrnehmung nach, war zum Zeitpunkt meiner Kündigung der Anteil von Frauen in Führungspositionen sehr gering. In Gesprächen hatte ich den Eindruck, dass einige Kolleginnen das Unternehmen unter anderem wegen bestimmter Verhaltensweisen einzelner Vorgesetzter verlassen haben könnten.
Interessante Aufgaben
Nach nun etwas mehr als einem Jahr in der Beratung mit mehr als einem Dutzend anderer Unternehmen / Projekte, kann ich Knuddels wirklich nur jedem berufseinsteigenden Softwareentwickler empfehlen. Die hohe Nutzeranzahl und Last auf dem System schafft von Tag 1 ein sehr herausforderndes Umfeld, das sonst bei vielen anderen Unternehmen nicht mal annährend so aufzufinden ist. In diesem Umfeld ist es sehr einfach, sich weiterzuentwickeln, wenn man den notwendigen Biss hat. Einfach ist es nicht, aber ich kann gar nicht genug betonen, wie schnell die eigene Weiterentwicklung bei Knuddels passieren kann, wenn man mit Eigenverantwortung und Motivation an die Aufgaben geht.