Skrupellos, ständig wortbrüchig und null vertrauenswürdig
Gut am Arbeitgeber finde ich
Stupide repetitive Aufgaben werden wirklich oft und gut automatisiert, so dass die Arbeit an sich abwechslungsreich und spannend bleibt. Würden Gehalt, Perspektiven und Stimmung das Gesamtbild nicht so heftig runterziehen, wäre das eine Arbeit gewesen, die ich sehr gerne viel länger gemacht hätte.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
ich glaube, die obigen Punkte reichen - mir haben sie gereicht.
Und Arbeitsuchenden mit intakter Selbstachtung sollten sie auch zur Entscheidungsfindung reichen.
Verbesserungsvorschläge
Ich weiß wirklich nicht, ob das hier noch zu retten ist. Das würde ein hohes Maß an Demut, Selbstreflektion und eine Fehlerkultur erfordern, für die ich hier so gar keine Anzeichen sehe.
Bis Ende 2025 werden die meisten Know How Säulen in allen Teams weg sein, die Qualität wird in Folge dessen drastisch einbrechen und die Zufriedenheit von Partnern und Mandanten in den Keller purzeln, um dort der kollabierten Mitarbeitermotivation Gesellschaft zu leisten.
Was kann man denen also raten?
Vielleicht mal mehr ans Gesetz halten...
Das wäre ein guter Anfang.
Arbeitsatmosphäre
mein Team war super, lauter smarte, selbstmotivierte Leute, die nie Micromanagement brauchten. Aber es drückt die Atmosphäre stark, wenn die Geschäftsleitung gehäuft sehr unpopuläre und fragwürdige Entscheidungen trifft (allein dieses Jahr: Home Office einfach drastisch gekürzt, liebgewonnene schwerbehinderte Kollegin einfach gekündigt, schwangere Kollegin wurde versucht zu kündigen) und der Turnover in der Belegschaft generell beängstigend hoch ist. Safe fühlte man sich hier nie
Image
Außendarstellung und Realität klaffen immer weiter auseinander. Innerhalb spricht kaum noch jemand gut über die Firma. Ein großer Teil der Belegschaft ist auf der Suche nach was besserem. Die Führungsriege hat ihre Glaubwürdigkeit verspielt.
Work-Life-Balance
War mal besser. Wenn mal mehr zu tun ist, bleibt man etwas länger, aber verlangt wurden Überstunden nie von mir. In meinem Team war die Personalabdeckung fast immer gut, andere Abteilungen rennen aber seit 3-4 Monaten in harter Unterbesetzung und mit riesigem Arbeitsrückstau im Burnout-Modus (und werden dann auch gefeuert, wenn sie deshalb zu oft krank werden).
Richtige Work-Life und Health Benefits wie Gympass sucht man hier aber vergebens, mehr als ein bissl Obst in der Küche ist nicht drin. Ein Geschmäckle hat aber, dass man zwar mit hybridem Arbeiten und 2 Home Office Tagen pro Woche angeworben wurde, dann aber erst ständig 2-3 Tage in der Woche für HO geblockt sind und jetzt wurde das auch noch einseitig und ohne jeden Ausgleich auf einen Tag gekürzt - ohne jede Abstimmung mit Kollegen, die wegen Kind/Hund/Pflegefälle etc auf hybrid angewiesen sind und nur unter der Bedingung unterschrieben haben.
Karriere/Weiterbildung
nicht hier!
In meinem Jahr bei Legalhero ist nur eine Person in eine Lead-Position befördert worden und der ist ein Jugendfreund seines Vorgesetzten. Alle anderen Lead-Positionen wurden mit Externen besetzt.
Darunter ist maximal Supervisor drin, und das ist nicht viel. Aufstiegschancen oder Wachstumsperspektiven scheint es nicht zu geben. Wer das Gefühl hat, über seine Position hinausgewachsen zu sein, dem wird im Gegenteil gerne die Tür gezeigt. Mitarbeiter werden nicht gefördert und weiterentwickelt, sondern ersetzt. Entsprechend wird hier auch rein gar nichts in Weiterbildung und Entwicklung von Mitarbeitern investiert. Bleibt eh kaum jemand lang genug, als dass die Firma davon einen Nutzen hätte. Bei Legal Hero gibt es daher praktisch nur Dead End Jobs, in denen dein Einstiegsgehalt kaum noch steigerbar ist und wo es auch gar nicht erwünscht scheint, sich irgendwie über seine vorgedachte Rolle hinaus entwickeln zu wollen.
Gehalt/Benefits
Steil absteigend! Gehälter sind völlig willkürlich und nicht leistungs- oder erfahrungsangemessen. Stellenanzeigen änderten mitten in der Verhandlung plötzlich ihren Gehaltsrahmen oder waren temporär nicht mehr aufrufbar. Es werden fabelhafte Boni versprochen und am Jahresende dann abgesagt, weil das Gesamtziel nicht erreicht sei. Auf LinkedIn jubelt der CEO gleichzeitig darüber, 2024 mehr erreicht zu haben, als man sich je vorstellen konnte. Also liegen die Bonusziele hier jenseits des Vollstellbaren. Merkwürdig. Stattdessen werden neue Gehaltsmodelle mit unausgegorenen KPIs durchgedrückt, in denen dein voriger Festlohn jetzt eine Zielstufe ist. Mündliche Zusagen oder Versprechungen sind bei Legal Hero nach meiner Erfahrung nichts wert.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Müll wird getrennt, es gab eine Kleidersammlung für die Winterhilfe. Auf LinkedIn gab es eine krampfigen Pride-Month Post aus der Pinkwashing-Mottenkiste, den ich als Schwuler eher cringe fand. Aber sie probieren es wenigstens. Wie generell klimafreundlich ein Unternehmen sein kann, dass immer stärker auf sehr energieintensive KI setzt… naja. Hohes Sozialbewusstsein kann ich einer Firma, die beim Kündigen keinen Halt vor Schwangeren und Schwerbehinderten macht und sich offenbar nicht vorstellen kann, Menschen jenseits des 50. Lebensjahres zu beschäftigen, sowieso nicht attestieren.
Kollegenzusammenhalt
Schlechte Zustände schweißen Betroffene immer zusammen, vor allem, wenn man sich vorher schon gut verstanden hat. Hätte mir nur gewünscht, die Kollegen wären beim Thema Betriebsratgründung nicht so zögerlich und zurückhaltend gewesen, dann hätten wir das bestimmt noch auf die Beine gestellt, bevor mir heute gekündigt wurde. Aber an meiner Kündigung sieht man auch, dass die Angst nicht unberechtigt war.
Umgang mit älteren Kollegen
Nein. Mit älteren geht Legal Hero einfach gar nicht um. Ich war mit 43 Jahren der älteste Mitarbeiter in dieser Firma. Auf den Erfahrungsschatz von Kollegen, die im Leben schon in mehr als zwei Firmen gearbeitet haben, wird keinen Wert gelegt. Man ist ja sowieso geiler/klüger/besser und weiß schon alles, was es zu wissen gibt. Und seine Hybris will man sich ja nicht durch Erfahrungen spoilern lassen, wo das alles absehbar hinführt.
Vorgesetztenverhalten
Erschütternd! Keine Verbindlichkeit, massenhaft gebrochene Versprechen, kein wirklich offenes Ohr für Kritik, selbst im Meeting wird ein angesprochenes Problem nicht zu Ende angehört, sondern man wird mit Schnellschussantworten ohne Substanz unterbrochen. Ständig schlägt einem bräsige Selbstzufriedenheit entgegen. Über die Firmenpartner, mit denen ich eine Vertrauensbasis zu schaffen habe, wurde vielfach mit zynischer Geringschätzung gesprochen, während neue Wege beraten werden, wie man denen noch mehr Leistung für noch weniger Geld abpressen kann. Diese Führungsriege zeigte meist nur gespielt-unehrliche Achtung vor Mitarbeitern, Partneranwälten und Mandanten, während Arbeitnehmerrechte immer wieder gebrochen werden.
Arbeitsbedingungen
Ist ganz okay. Seit es eine zweite Etage gibt, hat man sehr viel Platz und eine fiese Durchzug-Schneise, in der letzten Herbst/Winter reihum die dort sitzenden Kollegen krank wurden, kann jetzt gemieden werden. Seit die (nun schon vorletzte) Personalchefin im November gehen musste, kümmert sich leider niemand mehr um die Pflanzen.
Kommunikation
Erfolge werden groß und mit Getöse verkündet, wenn sich aber wieder mal auf dubiose Weise von jemandem getrennt wurde, gibt es keinen Piep und man erfährt nur über den Flurfunk davon oder wenn man einen plötzlich deaktivierten Kollegen-Account anschreiben will. Probleme werden unter den Teppich gekehrt, mit Partnern darf in vielen Punkten nicht ehrlich kommuniziert werden. Da werden im Meeting von Führungsseite lieber Losungen ausgegeben ala: “Am Telefon kannst du alles erzählen, nur Schrift ist Gift”. Entsprechend verkünden die Chefs auch oft, sie kämen eh nie zum Nachrichten lesen, man solle sie lieber nur ansprechen. Fühlt sich schon dubios an.
Gleichberechtigung
In der Breite ist die Belegschaft schon recht divers (außer beim Alter), aber vertikal gibt es in Lead- oder Führungspositionen 90+ Prozent nur weiße, blonde Männer. Auf der Weihnachtsfeier gab es rassistische Bemerkungen einer Führungskraft in Anwesenheit andere Führungskräfte. Trotzdem gab es erst auf Mitarbeiterbeschwerde bei HR eine Woche später milde Konsequenzen. Nicht cool. Eine zweite behinderte Person wurde erst just in der Woche zum Vorstellungsgespräch geladen, in der man die letzte und einzige Rollstuhlfahrerin gekündigt hat. Dass es dabei um mehr als eine finanziell motivierte Quotenerfüllung ging, fällt daher schwer zu glauben.
Interessante Aufgaben
Neben dem eigenen Team der Lichtblick. Die Arbeit selbst ist vielfältig, kommunikativ, interessant, fordernd und ich hatte große Freiheit, meine eigenen Lösungswege zu erproben und auszufeilen. Man muss es aber mit sich vereinbaren können, Mandanten und Partner über einiges im Dunkeln zu lassen oder aktiv anzulügen, weil die Wahrheit nicht vorzeigbar ist.

