Motivierende Aufgaben treffen auf demotivierende Rahmenbedingungen und unklare Zukunft
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Arbeit an sich hat sehr viel Spaß gemacht. Genau deshalb ist es besonders traurig zu sehen, wie die Unternehmenskultur – sowohl intern als auch im Umgang mit Kunden und Partnern – innerhalb kurzer Zeit massiv gelitten hat.
Das Unternehmen war über viele Jahre wirtschaftlich erfolgreich und hat stets gutes Geld verdient. Umso unverständlicher ist es, dass gewachsene Werte und funktionierende Strukturen aufgegeben wurden, offenbar nach dem Motto: Viel ist nicht genug.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Leider hat sich in den letzten zwölf Monaten nahezu in allen relevanten Bereichen eine Verschlechterung eingestellt – von der Arbeitsatmosphäre über Führung, Kommunikation bis hin zur Unternehmenskultur.
Besonders kritisch ist die spürbare Demotivation vieler Mitarbeitender. Das Letzte, was sich ein Arbeitgeber wünschen sollte, sind innerlich gekündigte Teams. Wenn jedoch von vielen Kolleginnen und Kollegen offen bestätigt wird, dass sie ausschließlich wegen eines Investment-Programms im Unternehmen bleiben, ist dies ein deutliches Warnsignal.
Dabei handelt es sich letztlich um Hoffnung – mehr nicht. Weder das tatsächliche Ergebnis noch der zeitliche Horizont sind klar absehbar. Diese Unsicherheit blockiert persönliche Entwicklung, bindet Menschen künstlich an das Unternehmen und verhindert notwendige Veränderungen.
Verbesserungsvorschläge
Machen wir uns nichts vor: Eine echte und nachhaltige Verbesserung kann es erst geben, wenn der aktuell stark investorengetriebene Fokus weiterzieht. Solange kurzfristige Wertsteigerung im Vordergrund steht, bleiben Kultur, Vertrauen und langfristige Mitarbeiterentwicklung auf der Strecke.
Ob und was vom Unternehmen und seiner ursprünglichen Ausrichtung danach noch übrig ist, wird sich zeigen.
Zusätzlich entsteht der Eindruck, dass Statistiken und Außenwirkung eine größere Rolle spielen als echte inhaltliche Auseinandersetzung mit Kritik. Zwischen vielen ausführlich und differenziert formulierten Bewertungen erscheinen regelmäßig rein positive Bewertungen ohne jegliche Beschreibung. Dies wirkt wenig glaubwürdig und vermittelt den Eindruck, dass es eher darum geht, Kennzahlen und Durchschnittswerte zu stabilisieren, als sich ernsthaft mit den genannten Problemen auseinanderzusetzen. Transparenz und Offenheit im Umgang mit Feedback würden hier deutlich mehr Vertrauen schaffen.
Arbeitsatmosphäre
Die Stimmung, insbesondere im operativen bzw. unteren Bereich, hat sich im letzten Jahr deutlich verschlechtert. Diese Entwicklung ist unternehmensweit spürbar. Ein respektvoller Umgang, der früher selbstverständlich war, ist in den vergangenen Monaten weitgehend verloren gegangen.
Image
Der Außenauftritt des Unternehmens ist sehr professionell. Präsentationen auf LinkedIn und anderen sozialen Medien vermitteln ein positives Bild. Zwischen dieser Außendarstellung und der erlebten internen Realität besteht jedoch eine wachsende Diskrepanz. Der Fokus scheint stärker auf Imagepflege als auf nachhaltige interne Entwicklung gelegt zu werden.
Karriere/Weiterbildung
Aktuell gibt es ein groß angelegtes Ausbildungsprogramm, das sich gezielt an Führungskräfte richtet. Für alle anderen Mitarbeitenden werden Weiterbildungsmaßnahmen hingegen kaum genehmigt oder werden kategorisch abgelehnt. Dies führt dazu, dass die persönliche und fachliche Weiterentwicklung außerhalb der Führungsriege stark eingeschränkt ist und Potenzial nicht genutzt wird.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt unter den Kolleg*innen ist weiterhin vorhanden und stellt einen wichtigen Aspekt des Arbeitsumfelds dar. In Gesprächen zeigt sich, dass es abteilungsübergreifend ähnliche Wahrnehmungen zum aktuellen Führungsstil der Geschäftsleitung gibt. Der kollegiale Zusammenhalt ist dabei der letzte Faktor für die Zusammenarbeit innerhalb der Mannschaft.
Vorgesetztenverhalten
Die Führungsebene tritt den Mitarbeitenden gegenüber sehr distanziert auf. Persönliche Ansprache, positives Feedback oder ein freundlicher, wertschätzender Umgang fehlen weitgehend.
Entscheidungen sind nachvollziehbar, wenn man die kurzfristige Wertsteigerung des Unternehmens als oberstes Ziel betrachtet. Eine langfristige Perspektive für Mitarbeitende oder nachhaltige Entwicklung spielt dabei jedoch kaum eine Rolle.
In unterschiedlichen bereichen entsteht der Eindruck, dass neue Führungsebenen weniger auf langjährige Expertise setzen, sondern stärker auf formale Durchsetzung.
Zudem entsteht der Eindruck, dass Führungsebenen, die im letzten Jahr neu installiert wurden, nur über eingeschränkte Entscheidungsspielräume verfügen und strategische Vorgaben lediglich weiterreichen.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsumgebung ist ein klarer Pluspunkt. Die Büroräume sind modern und angenehm gestaltet. Die Haus-IT ist sehr engagiert und hilfsbereit. Getränke stehen jederzeit zur Verfügung, und die Mittagsverpflegung im Theodors ist qualitativ hochwertig und hervorragend.
Kommunikation
Kommunikation wird offiziell großgeschrieben, in der Praxis werden jedoch häufig keine relevanten Informationen transportiert. Anliegen aus den Teams werden zwar aufgenommen, jedoch oft als nebensächlich eingestuft und nicht weiterverfolgt. Dies erschwert einen offenen Austausch und fördert Frustration.
Gehalt/Benefits
Die Gehälter orientieren sich eher am unteren Rand des branchenüblichen Niveaus. Mitarbeiterbindung erfolgt unter anderem über ein Investment-Programm mit in Aussicht gestelltem hohem Wertzuwachs, das für viele ein entscheidender Verbleibsfaktor ist.
Auffällig ist, dass höhere Gehaltsstufen und Schlüsselpositionen zunehmend mit Mitarbeitenden aus dem Ausland besetzt werden. Es ist davon auszugehen, dass diese Positionen nicht zu den gleichen Konditionen vergütet werden, was intern zu einem spürbaren Ungleichgewicht führt.
Interessante Aufgaben
Die Arbeit mit dem Produkt des Hauses macht nach wie vor sehr viel Spaß. Inhaltlich ist das Produkt spannend und bietet fachlich interessante Aufgaben. Die Motivation entsteht primär aus der Tätigkeit selbst und weniger aus der aktuellen Unternehmensführung oder -strategie.

