Überplanung statt Planbarkeit. Work-Life-Balance schwierig, Außendienst am Limit, zu eng getaktet, wenig Wertschätzung.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Arbeit im Außendienst ist abwechslungsreich und fachlich anspruchsvoll. Im Team gibt es viele hilfsbereite Kolleg*innen, das wars.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die Realität im Außendienst ist: Tourenplanung auf Kante, Überstunden als Normalzustand und ein System, das nur funktioniert, wenn Mitarbeitende ihre Zeit regelmäßig „dazulegen“. Ja, Überstunden kann man sich zwar aufschreiben aber das ist nicht der Punkt. Es kann nicht Sinn der Sache sein, dass man nahezu täglich früher kommen oder später gehen muss, nur um überhaupt hinterherzukommen.
Auffällig ist dabei: Diese fehlende Planbarkeit betrifft vor allem den Außendienst. Kolleg*innen am Standort lassen pünktlich den Hammer fallen und verziehen sich. Beim Fahrer/Techniker funktioniert das ohne Puffer nicht, weil Fahrtzeiten, Kundensituationen und Dokumentation nicht „weggeplant“ werden können.
Zusätzlich wird Überstundenarbeit als selbstverständlich dargestellt („steht ja im Arbeitsvertrag“). Selbst wenn Überstunden grundsätzlich möglich sind, müssen sie planbar, angekündigt und fair abgestimmt werden, nicht als Standard einfach in die Tour eingetaktet bzw. vorausgesetzt.
Termine werden verschoben und zusätzliche Termine in bereits volle Zeitblöcke gelegt. Das ist keine Ausnahme, sondern wiederkehrend. Ergebnis: Der Tag kippt, Verspätungen sind vorprogrammiert, und am Ende bleiben Kunden übrig. Der Außendienst soll dann auch noch selbst die unangenehme Kommunikation übernehmen und Kunden absagen, obwohl die Ursache strukturell in der Planung liegt. Leider ist es oft der Fall, dass der Mitarbeiter die Kunden alle anfährt und sich die Überstunden aufschreibt, bevor er am nächsten Tag komisch angeguckt wird, warum er Kundenaufträge wiederbringt.
Wer schnell und gut arbeitet, wird systematisch mit Mehrbelastung bestraft. Gleichzeitig fehlen Wertschätzung, klare Führung und echte Kommunikation. Kritik oder Hinweise werden häufig ignoriert oder mit Standardsätzen abgebügelt.
Insgesamt entsteht der Eindruck, dass die Tour „auf dem Papier“ funktionieren soll und die Lücke zwischen Planung und Realität der Außendienst privat ausgleichen muss. Das ist auf Dauer nicht gesund und nicht fair.
Ich schreibe das, weil in interner Kommunikation dazu ermutigt wurde, Feedback abzugeben. Den Job im Außendienst mache ich gerne, aber die aktuellen Rahmenbedingungen in dieser Organisation machen es unnötig schwer. Es ist kein Wunder, dass viele Kollegen deshalb gegangen sind und wenn sich zeitnah nichts ändert, werden sich auch weitere Mitarbeitende (mich eingeschlossen) nach Alternativen umsehen.
Verbesserungsvorschläge
Tourenplanung realistisch gestalten: Zeitfenster so kalkulieren, dass Reparatur, Dokumentation, Bestellung und Fahrtzeiten realistisch abbildbar sind. Keine Routine-„Zeitabzüge“, um noch mehr Termine reinzudrücken.
Überstunden planbar machen: Überstunden dürfen nicht stillschweigend vorausgesetzt oder einfach „eingetaktet“ werden. Es braucht frühzeitige Abstimmung, klare Regeln und verlässlichen Ausgleich.
Klare Zuständigkeiten im Prozess: Kundenabsagen, Klärung fehlerhafter Aufträge und Rückfragen gehören in die Planung/Sachbearbeitung – nicht als Standard zum Außendienst „durchgereicht
Ausstattung Außendienst verbessern: Fahrzeuge/Arbeitsmittel so ausstatten, dass Montagen/Anbauten (z. B. Zusatzantriebe) wettergeschützt machbar sind (Arbeitsfläche/klappbarer Tisch) oder in der Werkstatt anbauen lassen.
Arbeitsatmosphäre
Die Stimmung im Außendienst leidet spürbar unter Dauerüberplanung und permanentem Zeitdruck. Viele versuchen nur noch „durchzukommen“, statt sauber und stressfrei zu arbeiten. Mit realistischen Puffern und besserer Abstimmung wäre deutlich mehr möglich.
Kommunikation
Tour-Änderungen und zusätzliche Termine werden häufig kurzfristig gesetzt, ohne Rücksprache und ohne realistische Einschätzung der Machbarkeit. Hinweise aus dem Außendienst werden zu oft abgetan („nicht drauf geachtet“), statt Prozesse zu verbessern. Das erzeugt Frust und unnötige Fehler.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt unter den Kolleg*innen ist gut viele fangen gegenseitig Dinge auf, helfen schnell und ziehen gemeinsam durch. Ohne dieses Teamwork würden die organisatorischen Probleme noch stärker durchschlagen.
Work-Life-Balance
Planbarkeit ist im Außendienst kaum gegeben: Überstunden werden faktisch erwartet bzw. entstehen regelmäßig durch unrealistische Planung. Dass man sich Überstunden notieren kann, löst das Grundproblem nicht es kann nicht normal sein, fast täglich früher zu kommen oder später zu gehen.
Vorgesetztenverhalten
Führung wirkt häufig wie reines „Verwalten von Terminen“, statt Mitarbeiterführung. Wertschätzung und konstruktives Feedback fehlen, und Entscheidungen der Planung werden selten transparent erklärt. Mitarbeiterinteressen (Belastung/Planbarkeit) kommen zu kurz.
Interessante Aufgaben
Fachlich sind die Aufgaben abwechslungsreich und anspruchsvoll, gerade im technischen Bereich und im direkten Kundenkontakt. Schade ist, dass die Rahmenbedingungen (Zeitvorgaben, Tourenplanung, Prozesse) die Qualität und Motivation unnötig ausbremsen.
Arbeitsbedingungen
Im Außendienst wird zwar mit iPads gearbeitet, trotzdem laufen viele Prozesse weiterhin parallel auf Papier. Das kostet Zeit, erzeugt doppelte Arbeit und passt nicht zu einem modernen Arbeitsablauf.
Dazu kommt die Ausstattung der Dienstfahrzeuge: Für Anbauten/Arbeiten an Zusatzantrieben (z. B. E-Fix) fehlt oft eine praktikable Arbeitsfläche. Tätigkeiten müssen auf dem Boden durchgeführt werden, auch bei Regen oder Minusgraden. Das ist ergonomisch schlecht, unnötig belastend und wirkt wie „Hauptsache es funktioniert irgendwie“, statt professionell organisiert.
Image
Das externe Auftreten passt aus meiner Sicht nicht zur internen Realität im Außendienst. Wenn Planung nur „auf dem Papier“ funktioniert und Mitarbeitende die Lücke regelmäßig mit Überstunden schließen müssen, leidet die Versorgungsqualität und damit zwangsläufig auch der Ruf.
