Weltfremdes Nest in knalligen Farben
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die grundsätzliche Idee, einen Ort zu schaffen, der den Menschen und seine Umwelt in Schönheit vereint.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Das äußere Bild, das erzeugt wird, spiegelt das Innere nicht wider. Die Community feiert sich sehr stark selbst.
Verbesserungsvorschläge
Grundsätzlich gilt: Jeder soll nach seiner Facon glücklich werden. Fest steht für mich, dass sich die Community als etwas zu bunt darstellt. Bunter und offener als sie wirklich ist, denn ein Diskurs mit Menschen, die nicht dort leben – also mit dem nicht anthroposophischen „Normalbürger“ – findet kaum statt. Für mich ist es mit Abstand der Arbeitsort, an dem ich die wenigste Wertschätzung, das meiste Chaos und die größte Unreflektiertheit erlebt habe. Wer nicht als Wunscherfüllungsgehilfe fungieren, sondern als denkender Mensch wahrgenommen werden will, sollte dort nicht arbeiten. Wer es dennoch möchte, dem sei mit auf den Weg gegeben: Erstes Ziel ist, dass die Welt am Michaelshof heil und schön für die Community ist und bleibt. Dass in den bunten Fassaden der eine oder andere Wurm drin ist, merkt man erst auf den zweiten Blick. Mag er da bleiben, solange er das Tragwerk nicht zum Einsturz bringt. Der Gedanke, der dem Ort zugrunde liegt, ist sicher gut und lobenswert, aber schon Orwell wusste, dass unter Gleichen einige doch ein bisschen gleicher sind. Und leider nicht immer die, die für alle das Beste wollen.
Arbeitsatmosphäre
So schön die Gärten auch sind: Sie können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Arbeitsatmosphäre weitaus weniger entspannt und angenehm ist, als es zunächst den Anschein hat. Die Buntheit und Offenheit, die durch knallige Farben suggeriert wird, spiegelt nicht das Innere der Organisation wider. Streckenweise wirkt alles etwas willkürlich und führungslos, wodurch viel Zeit und viele Ressourcen verschwendet werden.
Image
Kommt drauf an. Regional: Daumen runter. Global und unter Volunteers: Daumen hoch. Für ein besseres Image dürfte die Community nicht so intransparent sein.
Work-Life-Balance
Nicht mehr und nicht weniger als anderswo. Es ist viel zu tun und ich persönlich fand es stressig. Aber auch hier gilt: Community first. Für die Mitglieder:innen ist es sicher okay, weil es keine Trennung von Arbeit und Privatleben gibt. Die Community IST das Leben.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Die Community ist wirklich sehr bemüht im Einklang mit der Natur zu leben und Ressourcen sinnvoll zu nutten. Ob Tiny-Häuser energetisch sinnvoll sind und künstliche Bachläufe erstrebenswert - darüber lässt sich streiten, aber im Großen und Ganzen wird viel dafür getan, nicht nur von der Natur zu nehmen, sondern ihr auch etwas zurückzugeben.
Kollegenzusammenhalt
Es gibt die Community und es gibt stimmlose Mit- bzw. Zuarbeiter. Innerhalb der Community wird vermutlich gut zusammengearbeitet, weil die nötige Wertschätzung gegeben ist. Es ist sinnvoll, zu überlegen, ob man Community-Mitglied sein will oder „nur“ dort arbeitet. Für den kollegialen Zusammenhalt ein kleiner, feiner Unterschied. Auch muss man sich dessen bewusst sein, dass es gesichtslose „Gremien“ gibt, die wie höchste Gerichte über Arbeiten urteilen – ohne je einen Diskurs zu suchen. Wer mit solchen Intransparenzen gut klarkommt, kann am Michaelshof glücklich werden.
Umgang mit älteren Kollegen
Wenn ältere Kollegen auch Denglisch sprechen, ist alles gut.
Vorgesetztenverhalten
Von einem Vorgesetzten erwarte ich, dass er oder sie sich klar artikulieren und fachlich auf Augenhöhe diskutieren will und kann. Das ist leider nicht gegeben. Keine Zeit. Kein Interesse. Austausch gibt es nur unter Community-Mitgliedern, vielleicht auch deshalb weil die Sprache der "Welt da draußen" intern nicht mehr verstanden wird.
Arbeitsbedingungen
Die Räumlichkeiten sind ansprechend. Vor allem der Blick in den Garten. Auch die technische Ausstattung ist gut.
Kommunikation
Weder wertschätzend, noch empathisch. Oft fehlt sie komplett.
Gehalt/Benefits
Das Thema wurde hier bestimmt nicht erfunden.
Gleichberechtigung
Schwierig zu beurteilen. Eher ja, als nein.
Interessante Aufgaben
Interessant und wertvoll ist das Projekt auf jeden Fall, aber die inneren Strukturen arbeiten der Weiterentwicklung etwas entgegen. Menschen sind eben nur Menschen und Profilierungssucht, Machtgehabe und Emotion am falschen Platz machen aus den schönsten Aufgaben eine Bürde.