Spannende Technik und einige starke Kolleginnen und Kollegen, aber problematische Führungskultur im mittleren Management
Gut am Arbeitgeber finde ich
• Spannende, komplexe Produkte und Technologien.
• Viele fachlich starke und engagierte Kolleginnen und Kollegen mit hoher Hilfsbereitschaft.
• Grundsätzlich flexible Arbeitszeiten und (je nach Bereich) Homeoffice-Möglichkeiten.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
• In Teilen des mittleren Managements eine Führungskultur, die mehr auf Beziehungen und persönlicher Sympathie als auf Qualifikation und Verantwortungsbewusstsein basiert.
• Mangelnde Konsequenzen bei wiederholten Fehlentscheidungen mit spürbaren negativen Folgen für Projekte, Kunden und Mitarbeitende.
• Intransparente Kommunikation wichtiger Entscheidungen.
• Häufiger Aktionismus und Ad-hoc-Eskalationen statt vorausschauender Planung und strukturierter Problemlösung
Verbesserungsvorschläge
• Klare, transparente Kriterien für Führungspositionen und deren Besetzung (Qualifikation, Führungskompetenz, nachweisbare Ergebnisse statt Beziehungen).
• Einführung und ernsthafte Nutzung von 360°-Feedback für Führungskräfte.
• Konsequente Aufarbeitung gravierender Fehlentscheidungen – inklusive klarer Verantwortlichkeiten und Lernmaßnahmen.
• Bessere Priorisierung und realistische Planung, um Feuerwehraktionen und Aktionismus zu reduzieren.
• Stärkung einer offenen Fehler- und Feedbackkultur, in der sachliche Kritik nicht als Angriff, sondern als Beitrag zur Verbesserung gesehen wird.
Arbeitsatmosphäre
Im direkten Kollegenkreis ist die Atmosphäre meist konstruktiv und kollegial. Viele versuchen, sich gegenseitig zu unterstützen und „den Laden am Laufen zu halten“. Gleichzeitig leiden Stimmung und Motivation spürbar unter wiederkehrend schlechten Führungsentscheidungen, unrealistischen Erwartungen und kurzfristigen Ad-hoc-Aktionen von oben. Das führt bei vielen zu innerer Kündigung oder dem Wunsch, sich extern zu orientieren.
Image
Nach außen präsentiert sich das Unternehmen als innovativer, moderner Maschinenbauer, was mit den Produkten grundsätzlich auch zusammenpasst. Intern sehen viele Mitarbeitende aber die Diskrepanz zwischen Anspruch und gelebter Führungskultur. Das spricht sich nach und nach herum und beeinflusst das tatsächliche Image auf dem Arbeitsmarkt.
Work-Life-Balance
Die formalen Rahmenbedingungen (Gleitzeit, Homeoffice je nach Bereich) ermöglichen grundsätzlich eine gute Work-Life-Balance. In der Praxis wird das aber durch kurzfristige Eskalationen, spontane Zusatzaufgaben und unklare Prioritäten ausgebremst. Man hat immer wieder das Gefühl, „Feuerwehr“ spielen zu müssen, weil auf Management-Ebene schlecht geplant oder falsch gesteuert wurde.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildung hängt stark von der eigenen Initiative und der jeweiligen Führungskraft ab. Es gibt Möglichkeiten, aber kein klares, transparentes Entwicklungssystem für Fach- und Führungslaufbahnen. Die Besetzung mancher Führungspositionen wirkt von außen wenig nachvollziehbar, was das Vertrauen in die Karrierepfade einschränkt.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt innerhalb der operativen Teams ist eine der großen Stärken. Viele Kolleg:innen sind hilfsbereit, fachlich stark und ziehen an einem Strang. Man merkt aber auch, dass der Frust über bestimmte Führungsthemen zunimmt und der Zusammenhalt dadurch immer wieder auf die Probe gestellt wird.
Umgang mit älteren Kollegen
Der Umgang mit älteren Kolleginnen und Kollegen ist insgesamt respektvoll. Ihr Know-how wird geschätzt, auch wenn es – wie bei allen – stark davon abhängt, wie gut die jeweilige Führungskraft ihre Expertise einbindet.
Vorgesetztenverhalten
Es gibt einzelne Führungskräfte, die sehr fair, fachlich stark und ansprechbar sind. Gleichzeitig erlebe ich im mittleren Management wiederholt impulsives, wenig reflektiertes Führungsverhalten. Kritik oder abweichende fachliche Meinungen werden teilweise persönlich genommen. Ressourcen werden mitunter an etablierten Strukturen vorbei organisiert, ohne Abstimmung mit den direkt verantwortlichen Führungskräften. Bei offensichtlichen Fehlentscheidungen bleiben Konsequenzen häufig aus. Das schwächt die Glaubwürdigkeit der Führung und sorgt für Unsicherheit.
Arbeitsbedingungen
Die technische Ausstattung ist teilweise in Ordnung, gerade im Bereich der neueren Produkte. In anderen Bereichen stehen jedoch nicht ausreichend Betriebsmittel zur Verfügung. Das führt regelmäßig zu Verzögerungen in Qualifikations- und Entwicklungsprojekten. In Kombination mit chaotischen Prozessen und mangelhafter interner Organisation erhöht das die Arbeitsbelastung und den Frust im Alltag.
Kommunikation
Relevante Informationen kommen oft spät oder gar nicht dort an, wo sie in der operativen Arbeit gebraucht werden. Entscheidungen werden häufig „top-down“ kommuniziert, ohne Kontext oder nachvollziehbare Begründung. Rückfragen oder kritische Hinweise werden teilweise als Angriff wahrgenommen. Zwischen einigen Bereichen funktioniert die Kommunikation gut, über Bereichsgrenzen hinweg gibt es aber viele Brüche, Missverständnisse und widersprüchliche Botschaften.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt ist im Branchenvergleich in Ordnung, Sozialleistungen bewegen sich im üblichen Rahmen. Wer fachlich viel Verantwortung übernimmt, hat jedoch nicht immer das Gefühl, dass sich das im Gehalt oder in der Einstufung widerspiegelt.
Gleichberechtigung
Im täglichen Miteinander habe ich keine offenen Diskriminierungen erlebt. Was allerdings auffällt: Karriere- und Entwicklungschancen wirken nicht immer transparent oder leistungsbezogen, sondern hängen teilweise stark von persönlichen Beziehungen und Sichtbarkeit bei bestimmten Entscheidungsträgern ab.
Interessante Aufgaben
Inhaltlich sind die Aufgaben sehr spannend: komplexe technische Systeme, internationale Kunden, anspruchsvolle Projekte. Wer Eigeninitiative mitbringt, kann fachlich viel lernen und sich inhaltlich weiterentwickeln. Leider gehen ein Teil dieser Chancen durch schlechte Priorisierung, Aktionismus und ständige Richtungswechsel verloren.

