Startup-Vibes, Vertriebler-DNA und null Substanz – aber die Rüstungsgelder fließen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Man lernt sehr schnell, Absurdität und die Sinnlosigkeit des eigenen Tuns zu akzeptieren. Das ist in diesem Job eine überlebenswichtige Kompetenz.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Wo fängt man an? Als Tester wird man dem Kunden verkauft – klingt gut, wäre es auch, wenn man irgendetwas hätte, das man testen könnte. Keine Anforderungen, keine Dokumentation, kein Ticketsystem, keine Builds, die man je zu Gesicht bekommt. Features existieren irgendwie, tun irgendwas, und Testfälle soll man dafür trotzdem schreiben. Die Devise lautet schlicht: "Irgendwas kann man immer testen." Solange der Kunde zahlt, sind alle glücklich, außer denen, die tatsächlich in dem Projekt arbeiten müssen. Wenn er dann nicht mehr zahlen möchte, dann sind alle unglücklich und einer plötzlich überflüssig.
Das Problem ist: Die Firma wurde von Vertrieblern gegründet – und das merkt man. Was sie können und wollen, ist verkaufen. Fachlich haben sie von den IT-Dienstleistungen, die sie anbieten, null Ahnung. Und das ist ihnen auch herzlich egal, solange der Deal steht. Das Ergebnis ist eine Firma, die IT-Kompetenz nach außen verkauft, die innen schlicht nicht existiert.
Das Management gibt sich betont locker – wir sind hier alle Kumpels, keine starren Regeln, keine Hierarchien. Was in der Praxis bedeutet: kein Plan, keine Strukturen, keine Verantwortung. Die Anti-Regel-Philosophie ist keine Unternehmenskultur, das ist eine Ausrede.
Highlight sind die Company Days: Da promptet sich jemand am Vorabend schnell eine Schulung zum Thema Testing zusammen und trägt sie vor, als wäre es fundiertes Fachwissen. Besonders bemerkenswert, wenn dieselben Personen von anderen harten Einsatz einfordern, in ihren eigenen Projekten in eineinhalb Jahren aber nichts vorzuweisen haben außer ein paar Repos mit einem Init-Commit – und ansonsten vor allem durch große Töne und endlose Monologe aufgefallen sind.
Das Sahnehäubchen ist die Arbeitsweise dieser Person bei Aufgaben: Man bekommt eine Aufgabe, wird ausdrücklich dazu ermutigt, sich eigene Lösungsansätze zu überlegen und kreativ zu sein. Man investiert Zeit, denkt sich etwas aus, präsentiert es – und erntet ein promptes "Nee, so wollen wir das nicht." Konkrete Vorgaben, die von Anfang an existiert hätten müssen, kommen dann erst im Nachhinein auf den Tisch. Freiraum als Konzept, Micromanagement als Realität – nur halt rückwirkend und ohne das offen zuzugeben. Und dann am Ende “persönlich enttäuscht sein”. Bitter. Aber immerhin lehrreich.
Verbesserungsvorschläge
Überlegt, ob euer Geschäftsmodell – fachlich ahnungslose Vertriebler verkaufen Tester ohne Grundlagen an Kunden, die Rüstungsmittel in euren Umsatz spülen – irgendetwas mit echtem Engineering zu tun hat. Und vielleicht sollten diejenigen, die Einsatz einfordern, selbst mal liefern. Oder zumindest wissen, was sie verkaufen. Und wer Aufgaben stellt, sollte seine Erwartungen vorher kommunizieren – nicht nachher.
Der Eindruck, der bleibt: eine Firma, die den aktuellen Boom staatlicher Rüstungsinvestitionen mitnehmen will, bevor irgendjemand merkt, dass hinter der Fassade strukturell und fachlich nichts steht. Wer Wert auf sinnvolle Arbeit, professionelle Prozesse und Vorgesetzte legt, die zumindest grob verstehen was ihre Mitarbeiter tun – schaut sich besser anderweitig um.