Konservative Unternehmenskultur, keine Kommunikation auf Augenhöhe, weitgehend kein respektvoller Umgang
Gut am Arbeitgeber finde ich
In einigen Abteilungen sind Überstunden nicht die Regel, wodurch die formale Work-Life-Balance zunächst positiv wirkt. Außerdem gibt es viele qualifizierte Mitarbeitende, die fachlich viel beitragen könnten – wenn man sie denn in Entscheidungen einbeziehen würde.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die Unternehmenskultur ist durch ein sehr schwieriges Führungsverhalten und fehlende Wertschätzung geprägt. Entscheidungen wirken häufig willkürlich, Mitarbeitende werden nicht ernsthaft eingebunden. Selbst Vorteile wie theoretisch gute Arbeitszeiten verlieren an Bedeutung, da das Arbeitsklima dauerhaft sehr belastend ist.
Ich habe miterlebt, dass wenn man kündigt, „zum Dank“ noch mit einem unzutreffenden, schlechten Arbeitszeugnis abgespeist wird. Selbst nach Anfechtung weigerte sich das Unternehmen, dieses zu korrigieren.
Verbesserungsvorschläge
Es wäre dringend empfehlenswert, dass alle Führungskräfte verpflichtend eine Weiterbildung zum Thema „Wie führe ich ein Team“ absolvieren. Dies wurde zwar bereits mehrfach angekündigt, jedoch bisher nie umgesetzt. In einigen Fällen könnte auch ein Wechsel der Führungskräfte notwendig sein, da einige, meiner Meinung nach, nicht für ihre Rolle geeignet sind. Ihre derzeitige Art der Führung führt zu Demotivation im Team und ist ein wesentlicher Grund für die hohe Fluktuation unter den Mitarbeitenden.
Arbeitsatmosphäre
Die Atmosphäre im Team war sehr angespannt. Kritik oder andere Meinungen als die Führungskraft wurden häufig als persönlicher Angriff interpretiert, wodurch ein sachlicher Austausch sehr erschwert wurde. Ich habe mehrfach erlebt, dass Kolleg:innen unter der Situation emotional sehr gelitten haben und in Tränen ausgebrochen sind. Es herrschte eine stetige Unsicherheit, weil man nie wusste, welche Stimmung einen am nächsten Tag erwartete.
Work-Life-Balance
Offiziell ist die Work-Life-Balance in Ordnung, da Überstunden in einigen Abteilungen nicht zwingend sind. Praktisch wurde sie jedoch durch das hohe Stresslevel stark beeinträchtigt: Die Belastung im Arbeitsalltag wirkte auch nach Feierabend nach.
Die Homeoffice-Regelung (einmal pro Woche) war in der Praxis kaum umsetzbar. Jede Woche musste neu diskutiert werden, ob Homeoffice möglich sei. Oft musste man ins Büro kommen, nur um dann festzustellen, dass die Präsenz gar nicht notwendig gewesen wäre. Gleichzeitig nutzte die Führungskraft die Homeoffice-Regelung für sich selbst flexibler als für das Team, teilweise auch mehrfach pro Woche.
Kollegenzusammenhalt
Zwischen den Mitarbeitenden gab es grundsätzlich einen Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung. Allerdings wurde dies durch das Führungsverhalten sehr eingeschränkt. Wenn Kolleg:innen kündigten, wurden deren Aufgaben ohne Übergabe auf die restlichen Teammitglieder verteilt. Trotz vorheriger Hinweise an die Führungskraft gab es keine Entlastung – im Gegenteil, man wurde kritisiert, wenn man die zusätzliche Arbeit nicht vollständig schaffte.
Vorgesetztenverhalten
Das Führungsverhalten habe ich als sehr schwierig und sehr belastend empfunden. Kritik war unerwünscht, stattdessen fielen wiederholt abwertende Kommentare über Mitarbeitende – auch zu persönlichen Themen wie Kleidungsstil oder Gewicht. Zudem habe ich erlebt, dass über Mitarbeitende in deren Abwesenheit negativ gesprochen wurde.
Auch beim Thema Krankheit musste man sich stark rechtfertigen. Krankmeldungen wurden infrage gestellt oder es wurde im Team darüber spekuliert, ob jemand tatsächlich krank sei.
Bei neuen Mitarbeitenden kam es mehrfach vor, dass zugesagte Rahmenbedingungen (z. B. Urlaube, die im Bewerbungsgespräch vereinbart wurden) nach Arbeitsbeginn nicht mehr gewährt wurden. Stattdessen wurde auf starre Regeln verwiesen, obwohl es in anderen Fällen Ausnahmen gab. Das führte dazu, dass einige neue Kolleg:innen das Unternehmen bereits nach wenigen Tagen oder Wochen wieder verließen.
Kommunikation
Von echter Transparenz konnte kaum die Rede sein. Offiziell hieß es zwar, Kommunikation müsse „in beide Richtungen laufen“, praktisch gab es aber keine klare Informationsweitergabe. Die Führungskraft unterschied nicht zwischen wichtigen und unwichtigen Informationen, sodass man Relevantes oft nur über Flurfunk erfuhr.
Auch der Betriebsrat hatte wenig Einfluss: Eine Umfrage zum Thema Homeoffice ergab über 90 % Zustimmung für mehr Flexibilität, doch die Geschäftsführung entschied sich trotz des klaren Ergebnisses, die Regelung nicht anzupassen. Kurz darauf löste sich der Betriebsrat auf, da niemand den Vorsitz übernehmen wollte – ein deutliches Signal, wie aussichtslos die Mitbestimmung im Unternehmen ist.
Wendet man sich an HR, erhält man keine neutrale Unterstützung. Anliegen wurden aus meiner Sicht eher heruntergespielt und die Führungskraft wurde stets gestützt. Eine unabhängige Anlaufstelle für Mitarbeitende gab es nicht.
Gleichberechtigung
Die Gleichberechtigung zwischen Mitarbeitenden und Führungskräften ist stark eingeschränkt. Führungskräfte genießen deutlich mehr Freiheiten und Handlungsspielraum, während Mitarbeitende an starre Regeln gebunden sind und in Entscheidungen kaum eingebunden werden. Es wird klar zwischen Management und Team unterschieden: Die Entscheidungen treffen ausschließlich die Führungskräfte, Mitarbeitende haben darauf praktisch keinen Einfluss.
Interessante Aufgaben
Viele Mitarbeitende waren fachlich sehr gut qualifiziert und hätten in Projekten wie z. B. beim Aufbau des Onlineshops wertvollen Input geben können. Doch anstatt dieses Potenzial zu nutzen, wurden sämtliche Entscheidungen ausschließlich auf Managementebene getroffen. Das führte nicht nur zu suboptimalen Ergebnissen, sondern auch zu einer starken Demotivation im Team.

