Gut am Arbeitgeber finde ich
- Wasser und Obst waren umsonst (alter Azubi-Running-Gag)
- Es gibt eine Hand voll guter Seelen, die in meinen Augen leider zu leise sind
- Rotation durch die Betriebsabteilungen gibt verschiedenste Einblicke ins Suchmaschinengeschäft. Das ergänzt sich immerhin zur digitalen Mediengestalterausbildung (Bereich Webseitenprogrammierung und auf was man da achten muss, da kann man doch ne Menge lernen).
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
- Mitarbeiterumgang & -respekt
- fehlende sinnvolle Aufgaben und angemessene Betreuung für Auszubildende
- Verständnis für Auszubildende, die sich versuchen einzusetzen für ihre Ausbildung und für Änderungen, die für kommende Generationen wenigstens relevant werden könnten
Verbesserungsvorschläge
- Auszubildende auch als solche sehen. Das betrifft jetzt nicht die 2-3 guten Seelen, sondern im Großen und Ganzen alle Mitarbeiter. Wir sind angehende Mediengestalter und keine billigen Aushilfskräfte.
- Einen entsprechend gelernten Mediengestalter mit vielen Jahren Berufserfahrung (und nicht nur 1-2 Jahre oder überhaupt keiner) als Ausbilder einsetzen. Damit die Azubis entsprechend betreuut werden können.
- Viel öfter Teamprojekte für Azubis. Das ist dann nur eine Aufgabe, an der alle mitarbeiten, lernen und eine Teilaufgabe machen können. Die Grußkarten wären nie Zustande gekommen, wenn ich das nicht vor Ende meiner Ausbildung nicht noch fertig gemacht hätte, was ein anderer zum Glück begonnen hatte bevor der auch fertig war mit der Ausbildung und dem Unternehmen. Und das war eigentlich ein solches Teamprojekt, was durch fehlende Leitung und schwieriger SItuation der Azubis im 3. Lehrjahr (zwecks Abschlussprüfung) fast im Sande verlaufen wäre.
Arbeitsatmosphäre
Wie soll ich das Betriebsklima bewerten? Es kam ja schon bei den anderen Punkten immer wieder vor. An sich fühlt es sich anfangs zwar familiär und toll an, aber nach ein bis spätestens zwei Jahren merkt man doch, dass die für mich netteren Leute kündigten oder gekündigt wurden und immer wieder hatte ich im ersten Jahr, wo noch viele Leute dabei waren, die heute nicht mehr dort arbeiten, dass es eine Art Krankheit gibt, die man erst mit der Zeit erkennt.
Entweder man sieht es und ist froh, wenn man weg ist, oder man sieht es nicht und fügt sich ganz in das nicht ganz so reine Sozialverhalten vieler Mitarbeiter reihein. Das kann natürlich subjektiv von meiner Seite sein, allerdings hatte ich es mir halt mehrfach von anderen Mitarbeitern so sagen lassen und hatte auch selbst dann diesen Eindruck bekommen.
Karrierechancen
Kann ich nicht wirklich beurteilen, da ich direkt nach der Ausbildung das Unternehmen verlassen habe. Simple und deswegen eine mittlere Bewertung.
Arbeitszeiten
An sich in Ordnung durch die Gleit- und Kernzeit. Feste Mittagspausenzeit, in der man sich einen Großteil seiner 30min ausruhen soll. Da kann man auch bequem zum Real nebenan gehen, einkaufen oder shoppen, falls man etwas für privat braucht. Auch Überstunden konnte man gut in Absprache mit Teamleitern abbauen und die Korrektur der Arbeitszeit war auch äußerst kulant. Danke dafür!
Ausbildungsvergütung
Die Ausbildungsvergütung ist mit jeden weiteren Jahr ein Stück gestiegen und von der Höhe her denke ich nicht, dass ich mich beschweren kann. Klar, woanders könnte man vielleicht mehr bekommen, aber es gibt auch genug Unternehmen, wo man weitaus weniger bekommt. Außerdem ist das Wasser umsonst.
Die Ausbilder
Schwierig zu beurteilen, da es während meiner Ausbildung keinen richtigen Ausbilder gab. Zwar als offizieller Ausbilder eingetragen, aber keine richtige Ahnung von einer Mediengestalter-Ausbildung. Stattdessen wurden kleinste Bereich auf Teamleiter geschoben, die aber leider auch nicht viel machen konnten. Außerdem konnte ich wegen Verlassen des Unternehmens (seitens der Lehrpersonen) 3 Ausbilder kennenlernen. Offenes Ohr hatten sie zum Teil schon, aber trotz mehreren Hinweisen der Azubis, wurde wenig an der schlechten Lernsituation für Azubis geändert. Ich kann leider nicht beurteilen, ob daran die Ausbilder die Schuld tragen oder ob es an höheren Entscheidungen der Geschäftsführung liegen oder vielleicht an noch etwas anderem.
Persönlich muss ich aber sagen, dass einige Personen (wie ein Fotograf oder Techniker im KMU-Bereich), die aber meines Wissens das Unternehmen bereits verlassen hatten, mir mehr beibringen konnten als die Ausbilder selbst.
Spaßfaktor
Im ersten Jahr auf jeden Fall, da professionelles SEO doch komplettes #Neuland war. Die Leute waren anfangs auch sehr nett zu einem und mit den anderen Azubis vor Ort hatte ich mich gut verstanden. Aber aufgrund der fehlenden Aufgaben war der Spaß schnell vergangen. Auch hatte ich das Gefühl man wird den Angestellten immer fremder vor allem dadurch, dass man durch die Betriebsabteilungen rotiert ist.
Es ist hier wie ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist die Rotation sehr sinnvoll, aber andererseits hatte ich das Gefühl keinen (ich sage mal "freundschaftlichen") Anschluss an die Mitarbeiter zu finden. Nur mit drei Leute neben Mitazubis konnte ich auch mal so reden und eine davon war die Empfangsdame, der ich entsprechend oft begegnet bin, abseits der Rotation.
Aufgaben/Tätigkeiten
Das große Problem an meiner Ausbildung war das Fehlen an Aufgaben. Im ersten Jahr denkt man sich noch nicht viel dabei und genießt die Zeit des Lernens, aber man merkt ja doch, dass es für Auszubildende viel zu wenig zu tun gibt, vor allem was ausbildungsrelevante Inhalte betrifft.
Kleine Anmerkung am Rande: Erst spät erhielt ich als Mediengestalter in Ausbildung Zugang zu Photoshop, InDesign und Illustrator. Dies waren aber auch nur CS4-Lizenzen. Für aktuellere Versionen fehlte laut Aussage des Betriebes das Geld. Und selbst wenn.. Auf meinem damaligen Computer hätten die eh nicht gelaufen. Ich brauchte schon nur ein CS4-Programm geöffnet haben und der Rechner war fast voll ausgelastet. Nach Maßstäben war mein Computer für normale Büroarbeiten tauglich (MSOffice), aber die Hardware war nicht genug für einen Azubi im grafischen Bereich.
Nach solchen Aufgaben haben Mitazubis und ich oft in Meetings gerufen, aber es kam nicht wirklich etwas bei herum. Außer Weihnachtskarten und Grußkarten, die wir als unser eigenes Projekt komplett realisieren sollten. Aber in meinen Augen gab es kaum konstruktive Kritik, Designvorschläge der Azubis wurden zu einem Design zusammengeschmissen u.ä.. Was Aufgaben im Suchmaschinenbereich, dem Kerngeschäft, betrifft, so bekommt man in jeder Abteilung mal Kleinigkeiten, aber öfter als genug gab es einfach lange Leerlaufzeiten, in denen man nur da gesessen und sich gelangweilt hat. Gut, dadurch hatte man andererseits wenigstens ausreichend Zeit für die Zwischenprüfung u. Abschlussprüfung in aller Ruhe zu lernen.
Natürlich können Azubis keine großen Aufgaben von Festangestellten übernehmen, dennoch hätte man Alternativen in Bezug auf den Berufsschullehrplan anbieten können. Dann muss man halt man vielleicht die Teamleiter zusammentrommeln und entsprechend schulen und vorbereiten, dass die einem gescheite Aufgaben zur Nachbereitung von Schulstoff geben können, wenn's denn schon geschäftsmäßig nicht viel gibt.
Variation
Auch hier wieder so und so. Es gibt die Rotation, dank der man viele verschiedene Bereiche und Einblicke sammeln kann, aber andererseits auch viel Leerlauf, weil es kaum Aufgaben gab, die ausbildungsfördernd/passend zum Schullehrplan gewesen wären. Ich möchte dem Ganzen daher eine neutral-gestimmte Wertung geben.
Respekt
Persönlich sind mir nur sehr wenige Personen aufgefallen, die Respekt gezeigt haben. 1-2 Teamleiter sowie 2-3 Leute aus den höheren Ebene. Bei den normalen Angestellten hatte ich vermehrt das Gefühl, dass man denen als Azubi, der ja sowieso nur ein paar Monate in der gleichen Abteilung ist, egal ist. Vor allem noch, wenn man mal an einem Tisch am anderen Ende des Raumes sitzt und wenig mitbekommt (was in ein bis zwei Abteilungen der Fall war).
Was mir auch aufgefallen ist, ist die Respektlosigkeit mancher gegenüber ihrer Umwelt. So wird Kaffeesatz aus dem Fenster gekippt, fast täglich bestellt eine Abteilung, die hinten bei den ganzen wichtigen Meeting-Räumen sitzt, Fast-Food zum Mittag und statt damit in den Pausenraum ein Stockwerk tiefer zu gehen, wird stattdessen am Arbeitsplatz gegessen. Untereinander merkt man hier und da, dass es wenig Zusammenhalt gibt, wenn dann nur innerhalb einer Abteilung (fast als wäre jede eine eigene kleine Welt, in die man als Azubi als Fremdkörper eindringt). Oh und natürlich die Sauberkeit ist ebenfalls ein großes Manko (Toiletten besonders). Klorollen und -papier fliegen durch die Gegend, die Klobrillen und -schüsseln sind auch so naja und alter Computerschrott wird lieber einfach draußen in die Büsche geworfen statt sie ordentlich an den Straßenrand aufzustellen.