Vorne hui, hinten pfui.
Verbesserungsvorschläge
Entscheidungen – ob bei Rollenbesetzungen, Karrierechancen oder personellen Veränderungen – sollten transparenter und gemeinsam mit den Betroffenen getroffen werden, statt sie vor vollendete Tatsachen zu stellen. Eine Kultur, in der Feedback willkommen ist, Wissen offen geteilt wird und Eigeninitiative gefördert statt ausgebremst wird, würde dem Unternehmen langfristig gut tun.
Arbeitsatmosphäre
Ich musste mich vor allem im eigenen Team immer selbst um Anschluss bemühen. Erfolge wurden oft daran gemessen, wer Überstunden gemacht hat – sichtbar im Highlights-Channel. Nach außen wirkte die Atmosphäre kollegial, aber einen wirklichen Zusammenhalt habe ich nicht erlebt. Dazu kam, dass Wissen stark bei der Führungskraft konzentriert war – was teilweise den Eindruck hinterließ, dass das so gewollt war. Wissen als Machtinstrument, nicht als etwas, das man teilt.
Image
Nach außen präsentiert sich das Unternehmen als modern, transparent und mit flachen Hierarchien – das hat mich auch ursprünglich angesprochen. Was ich intern erlebt habe, hat diesem Bild leider nicht entsprochen. Die Diskrepanz zwischen Außendarstellung und gelebtem Alltag war für mich deutlich spürbar.
Work-Life-Balance
Überstunden wurden nicht offen eingefordert, aber indirekt als Zeichen von Engagement gefeiert. Homeoffice war offiziell für alle gleich geregelt, in der Praxis habe ich aber beobachtet, dass manche (im eigenem Team!) deutlich mehr Flexibilität hatten als andere. Eine wirklich faire und einheitliche Handhabung habe ich vermisst.
Karriere/Weiterbildung
Im Bewerbungsprozess wurden mir klare Karriereperspektiven in Aussicht gestellt, die sich im Nachhinein als nicht realistisch herausgestellt haben. Die Entscheidung, wer die Führungsrolle bekommt, wurde ohne transparenten Prozess oder echten Dialog getroffen – top-down, ohne mich jemals ernsthaft einzubeziehen. Mein aktives Interesse an Weiterentwicklung wurde nicht gefördert, sondern eher als störend wahrgenommen.
Gehalt/Benefits
Mein Gehalt war in Ordnung, aber ich habe mitbekommen, dass es für vergleichbare Tätigkeiten im Team teils deutliche Unterschiede gab.
Kollegenzusammenhalt
Von Anfang an hatte ich das Gefühl, mich selbst in meinem Team integrieren zu müssen – ein echtes Willkommen habe ich nicht erlebt. Zwischen den Abteilungen herrschte spürbares Silodenken, das auch auf Führungsebene gelebt wurde – Sätze wie „sei vorsichtig mit Feedback in Richtung Sales, das ist eh schon schwierig dort" haben das für mich deutlich gemacht. Das Gemeinschaftsgefühl, das nach außen so stark kommuniziert wurde, habe ich intern leider nie wirklich gefunden. Allerdings hatte ich eine sehr tolle Einarbeitung mit meinem Buddy!
Umgang mit älteren Kollegen
Dazu kann ich aus meiner eigenen Erfahrung nur wenig sagen – mir sind keine auffälligen negativen Situationen begegnet, aber eine besonders aktive Wertschätzung für erfahrenere Kolleg:innen habe ich auch nicht wahrgenommen.
Vorgesetztenverhalten
Mein Interesse an einer Führungsrolle wurde nicht als Potenzial gesehen, sondern eher als Bedrohung wahrgenommen – zumal die Entscheidung, mich einzustellen, scheinbar nicht mit meiner direkten Führungskraft abgesprochen war, was von Anfang an für eine schwierige Dynamik gesorgt hat. Wenn ich Feedback gegeben habe, dass ich mir mehr Herausforderung und Entwicklung wünsche, wurde das nicht als konstruktiver Impuls aufgenommen, sondern eher abgeblockt oder ignoriert. Was mich am meisten enttäuscht hat: Statt eines offenen Gesprächs wurde am Ende einfach eine Entscheidung über mich getroffen – ohne mich jemals wirklich einzubeziehen oder die Chance zu geben, gemeinsam eine Lösung zu finden.
Arbeitsbedingungen
Das Onboarding war strukturiert und durchdacht – ich hatte klare Ansprechpartner:innen und eine Buddy-Person, die mir wirklich geholfen hat, mich schnell einzufinden. Die technische Ausstattung war gut und die Arbeitsbedingungen insgesamt solide. In diesem Bereich hatte ich wenig auszusetzen.
Kommunikation
Ich hatte durchgehend das Gefühl, dass Informationen erst dann geteilt wurden, wenn Entscheidungen längst gefallen waren – Personalwechsel, Umstrukturierungen, alles kam zu spät und ohne echte Einbeziehung. Besonders deutlich wurde das für mich, als ich einen Tag nach der Urlaubsbestätigung die Kündigung erhalten habe – ohne vorheriges Gespräch oder Vorwarnung. Trotz des nach außen propagierten Transparenzanspruchs war das gelebte Prinzip klar top-down.
Gleichberechtigung
Die Führungsrolle, für die ich eingestellt werden sollte, wurde intern an jemand anderen vergeben – ohne transparenten Prozess, offenes Gespräch oder meine Einbeziehung. Ich wurde vor vollendete Tatsachen gestellt, ohne dass mir jemals die Chance gegeben wurde, darüber zu sprechen oder eine faire Perspektive einzufordern. Das hat sich nicht nach Gleichberechtigung angefühlt, sondern nach einer Entscheidung, die längst gefallen war – nur ohne mein Wissen.
Interessante Aufgaben
Ich war von Anfang an wenig gefordert und habe das auch offen kommuniziert – was leider nicht auf positive Resonanz gestoßen ist. Frustrierend war dabei vor allem, dass mir erklärt wurde, ich müsse erst das „anspruchsvolle operative Geschäft" verstehen, bevor eine Führungsrolle möglich wäre – in der Realität waren die Aufgaben zu 70% repetitiv und wenig geistig fordernd.