Gute Work-Life-Balance, aber verschenktes Potenzial
Gut am Arbeitgeber finde ich
Besonders positiv hervorzuheben sind die flachen Hierarchien und die sehr gute Work-Life-Balance. Entscheidungen konnten häufig unkompliziert getroffen werden und der Umgang miteinander war insgesamt wenig von starren Hierarchien geprägt. Zudem bot das Unternehmen durch flexible Arbeitszeiten, Homeoffice und Workation-Möglichkeiten gute Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.
Verbesserungsvorschläge
Führungskräfte sollten nicht ausschließlich nach ihrer fachlichen Kompetenz ausgewählt werden. Gute Mitarbeiter oder Experten sind nicht automatisch gute Führungskräfte. Neben dem fachlichen Know-how sollten insbesondere Führungsqualitäten, Kommunikationsfähigkeit, Konfliktmanagement und Mitarbeiterentwicklung stärker berücksichtigt werden.
Darüber hinaus wäre es sinnvoll, bestehende Führungskräfte gezielt in den Bereichen Mitarbeiterführung, Vertragswesen und Projektmanagement weiterzubilden. Diese Themen haben im Arbeitsalltag einen direkten Einfluss auf Mitarbeiter, Kunden und Projekterfolg und sollten daher einen höheren Stellenwert einnehmen als reine Marketing- oder Vertriebsthemen.
Gleichzeitig sollten technisch besonders versierte Mitarbeiter stärker in fachliche Führungsrollen eingebunden werden. Nicht jeder Experte muss Personalverantwortung übernehmen, fachliche Verantwortung und technische Entscheidungsbefugnisse können jedoch dabei helfen, Projekte erfolgreicher umzusetzen und das vorhandene Know-how besser zu nutzen.
Arbeitsatmosphäre
Anfangs herrschte eine sehr entspannte und vertrauensvolle Arbeitsatmosphäre. Mit der Zeit nahm jedoch das Micromanagement deutlich zu, wodurch Eigenverantwortung und Gestaltungsspielraum eingeschränkt wurden. Probleme wurden häufig kurzfristig statt nachhaltig gelöst. Als Projektleiter wurde man bei Schwierigkeiten schnell in die Verantwortung genommen, während Erfolge weniger sichtbar anerkannt wurden. Zudem fehlten oft die notwendigen Entscheidungsbefugnisse, um Probleme selbstständig zu beheben.
Kommunikation
Die tägliche Kommunikation war überwiegend direkt und auf Augenhöhe. Gleichzeitig wurden wichtige Informationen teilweise nur sehr spät oder gar nicht kommuniziert. Über Neueinstellungen oder Abgänge wurde oft erst informiert, wenn die betreffende Person bereits da oder schon gegangen war. Zudem fielen regelmäßige Abstimmungstermine mit Führungskräften häufiger aus, ohne nachgeholt zu werden. Die Kommunikation im Team war gut, bei Transparenz und Informationsfluss bestand jedoch Verbesserungspotenzial.
Kollegenzusammenhalt
Innerhalb der Business Unit war der Kollegenzusammenhalt sehr gut. Kollegen unterstützten sich gegenseitig und bei Fragen oder Problemen war stets jemand hilfsbereit zur Stelle. Auch gemeinsame Aktivitäten außerhalb des Arbeitsalltags stärkten den Teamgeist. Über die eigene Business Unit hinaus gab es jedoch nur wenige Berührungspunkte und gemeinsame Projekte, wodurch der Austausch mit anderen Bereichen eher begrenzt blieben.
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance war sehr gut. Homeoffice war flexibel und unkompliziert möglich. Durch Kernarbeitszeiten und ein Arbeitszeitkonto bestand zudem eine hohe Flexibilität bei der Gestaltung des Arbeitstages. Positiv hervorzuheben ist außerdem die Möglichkeit zur Workation, die zusätzliche Freiheiten bei der Wahl des Arbeitsortes bot.
Vorgesetztenverhalten
Die Zusammenarbeit mit den direkten Führungskräften erfolgte auf Augenhöhe und in einem respektvollen Umgang. Sie waren engagiert und bemüht, auch in herausfordernden Situationen bestmögliche Lösungen zu finden.
Interessante Aufgaben
Die grundsätzlichen Aufgaben wiederholten sich über die Zeit häufig und unterschieden sich inhaltlich nur wenig. Für Abwechslung sorgten jedoch die unterschiedlichen Kunden und deren individuelle Geschäftsprozesse, wodurch immer wieder neue Anforderungen und Herausforderungen entstanden. Dadurch blieb die Tätigkeit trotz ähnlicher Grundaufgaben insgesamt abwechslungsreich.
Gleichberechtigung
Im Arbeitsalltag spielte weder Geschlecht, Alter noch Identität eine Rolle. Alle Mitarbeiter wurden unabhängig von persönlichen Merkmalen gleich behandelt. Während meiner Zeit im Unternehmen habe ich keine Benachteiligungen oder Ungleichbehandlungen wahrgenommen.
Arbeitsbedingungen
Die Büroräume waren klimatisiert und grundsätzlich gut nutzbar. Bei der Arbeitsausstattung gab es jedoch Verbesserungspotenzial. Defekte Bürostühle wurden teilweise über längere Zeit nicht ersetzt und höhenverstellbare Schreibtische waren nur mit entsprechendem Attest verfügbar. Auch die eingesetzte Hardware wurde über viele Jahre hinweg nicht erneuert, häufig mit Verweis auf Budgetvorgaben.
Ob notwendige technische Ausstattung beschafft wurde, hing teilweise stark von der Unterstützung und Durchsetzungsfähigkeit der jeweiligen Führungskraft ab. Für einen IT-Dienstleister, bei dem moderne Technik eine zentrale Rolle spielt, war dies enttäuschend.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Dem Thema Umwelt- und Sozialbewusstsein wurde sichtbar Aufmerksamkeit geschenkt. Es wurden regelmäßig Überlegungen angestellt, wie Prozesse nachhaltiger gestaltet werden können, und Maßnahmen umgesetzt, soweit dies im Unternehmensalltag möglich war. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass das Thema ernst genommen und nicht nur als Pflichtübung betrachtet wurde.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt wurde über mehrere Jahre hinweg nicht angepasst, obwohl zusätzliche Aufgaben und Verantwortung übernommen wurden. Insgesamt entsprach die finanzielle Entwicklung aus meiner Sicht weder der übernommenen Verantwortung noch vermittelte sie die notwendige Wertschätzung für die geleistete Arbeit.
Karriere/Weiterbildung
Zu Beginn wurde Weiterbildung noch aktiv gefördert und unterstützt. Mit der Zeit nahm der Stellenwert jedoch deutlich ab. Zertifizierungen wurden häufig als reine Formalität betrachtet und nicht als wichtiger Bestandteil der fachlichen Entwicklung. Die Erwartung war eher, sich eigenständig weiterzubilden. In den letzten Jahren lag der Fokus nahezu ausschließlich auf KI-Themen. Weiterbildungen in anderen Fachbereichen wurden kaum unterstützt, wodurch individuelle Entwicklungswünsche nur eingeschränkt möglich waren.


