Dynamisches Umfeld mit großem Gestaltungspotenzial – Struktur und Erwartungsmanagement ausbaufähig
Gut am Arbeitgeber finde ich
Besonders positiv hervorzuheben ist die Kommunikation auf Augenhöhe. Der Umgang miteinander war locker und unkompliziert, was den Austausch erleichtert und Hierarchien weniger starr wirken ließ.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Verbesserungsbedarf sehe ich insbesondere in der strukturellen Klarheit und im Erwartungsmanagement. Bei der Einführung neuer Rollen fehlten teilweise klare Zuständigkeiten, Prioritäten und eine realistische Ressourcenplanung. Dadurch entstand Unsicherheit hinsichtlich Verantwortlichkeiten und Zielsetzungen.
Wünschenswert wäre zudem mehr Transparenz in der Zielsetzung gewesen – insbesondere klar definierte, möglichst quantifizierbare Ziele sowie ein deutliches Erwartungsmanagement seitens der Führungskraft. Was soll konkret erreicht werden? In welchem Zeitraum? Mit welchen Prioritäten? Diese Fragen sollten frühzeitig und eindeutig geklärt sein, um Orientierung und Sicherheit zu geben.
Zudem hätte ich mir in einigen Bereichen mehr Vertrauen in die Mitarbeitenden sowie eine aktivere, frühzeitige Gesprächskultur gewünscht – insbesondere bei Herausforderungen. Klare Strukturen, transparente Kommunikation und ein gemeinsames Verständnis von Rollen und Erwartungen sind aus meiner Sicht entscheidend für nachhaltigen Erfolg.
Verbesserungsvorschläge
Ich würde mir wünschen, dass Vertrauen als zentrale Grundlage der Zusammenarbeit noch stärker gelebt wird – sowohl im Hinblick auf fachliche Themen als auch auf eigenverantwortliches Arbeiten. Ein bewusster Vertrauensvorschuss kann Motivation, Engagement und Bindung nachhaltig stärken.
Zudem halte ich ein aktives und frühzeitiges Gesprächsangebot für wichtig, insbesondere wenn Themen oder Herausforderungen auftreten. Auch unangenehme Gespräche lassen sich wertschätzend und lösungsorientiert führen. Eine offene Feedbackkultur sollte nicht erst etabliert werden, wenn eine HR-Funktion besetzt ist, sondern Teil der Führungsverantwortung sein.
Darüber hinaus sehe ich Potenzial darin, Strukturen und Kultur aktiv gemeinsam mit den Mitarbeitenden weiterzuentwickeln. Die Einbindung der Belegschaft in Kulturfragen sowie in die Ausrichtung und Umsetzung von Unternehmenszielen schafft Identifikation und stärkt das Gefühl, einen echten Beitrag leisten zu können. Jeder Mitarbeitende kann – und sollte – Teil dieser Entwicklung sein.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre war dynamisch und von starkem Wachstum geprägt. Gleichzeitig führte die fehlende Struktur in Prozessen und Verantwortlichkeiten zu einer gewissen Unruhe im Arbeitsalltag. Mit klareren Zuständigkeiten und mehr Orientierung hätte das Potenzial für eine positivere Zusammenarbeit besser genutzt werden können.
Image
Das Unternehmen verfügte aus meiner Wahrnehmung über einen guten Ruf. Sowohl intern als auch extern habe ich keine gegenteiligen Eindrücke wahrgenommen. Das Auftreten nach außen wirkte professionell und engagiert.
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance war insgesamt in Ordnung. Gleichzeitig waren die Grenzen der jeweiligen Tätigkeitsbereiche nicht immer klar definiert, sodass teilweise Unsicherheit darüber bestand, welche Aufgaben in den eigenen Verantwortungsbereich fallen und welche nicht.
Durch diese fehlende Abgrenzung entstand mitunter auch außerhalb der regulären Arbeitszeit ein gewisser Druck, da Aufgabenverteilungen und Verantwortlichkeiten nicht eindeutig geklärt waren.
Gerade bei der Einführung neuer Rollen ist es aus meiner Sicht essenziell, klare Zuständigkeiten sowie mögliche Erweiterungsbereiche transparent zu definieren. Dies ist ein wichtiger Bestandteil von Change- und Erwartungsmanagement. Im Vorfeld sollten Gespräche darüber stattfinden, was sich für bestehende Mitarbeitende verändert und welche Erwartungen mit der neuen Rolle verbunden sind.
Nicht nur die Etablierung einer neuen Position ist entscheidend, sondern auch die bewusste Einbindung der vorhandenen Mitarbeitenden. Wenn Erwartungen frühzeitig geklärt werden und sich alle Beteiligten abgeholt fühlen, stärkt das langfristig sowohl die Zusammenarbeit als auch das persönliche Wohlbefinden.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt sowie die angebotenen Sozialleistungen waren aus meiner Sicht grundsätzlich gut und marktgerecht gestaltet. Die Rahmenbedingungen waren transparent und insgesamt fair.
Kollegenzusammenhalt
Es gab viele engagierte und sehr freundliche Kolleginnen und Kollegen, die den Zusammenhalt aktiv gefördert und Wert auf ein gutes Miteinander gelegt haben. Gleichzeitig gab es – wie in vielen Unternehmen – auch Mitarbeitende, für die Arbeit in erster Linie Aufgabenerfüllung bedeutete.
Insgesamt war der Zusammenhalt aus meiner Sicht in Ordnung, jedoch mit weiterem Entwicklungspotenzial. Besonders im Arbeitsalltag zeigte sich, dass gut strukturierte Tage und bewusste Zeitfenster den Raum schaffen, sich auch zwischen Tür und Angel auszutauschen. Gerade diese kleinen Gespräche, ehrliches Interesse aneinander und das Mitdenken bei den Herausforderungen anderer tragen maßgeblich dazu bei, dass sich Mitarbeitende willkommen und eingebunden fühlen.
Mit einer noch stärkeren Förderung dieser alltäglichen Verbindungen ließe sich das Gemeinschaftsgefühl weiter ausbauen.
Vorgesetztenverhalten
Die Führungskräfte habe ich insgesamt als sehr freundliche und positive Persönlichkeiten erlebt. Besonders hervorzuheben ist die Kommunikation auf Augenhöhe. Der Umgang war offen, unkompliziert und durch das „Du“ sowie eine gewisse Lockerheit geprägt. Dadurch entstand nicht das Gefühl eines starren Angestelltenverhältnisses, sondern eher eines partnerschaftlichen Austauschs.
Gleichzeitig hätte ich mir stellenweise noch mehr Vertrauen in die Belegschaft gewünscht – nicht nur in Bezug auf fachliche Themen, sondern auch im Hinblick auf mobiles Arbeiten und eigenverantwortliche Arbeitsgestaltung. Führung ist stets eine Balance zwischen Orientierung und Freiraum. Aus meiner Sicht ist ein angemessener Vertrauensvorschuss jedoch eine wichtige Grundlage für Motivation, Verantwortungsbewusstsein und langfristige Bindung.
Wenn Mitarbeitende spüren, dass ihnen sowohl fachlich als auch in ihrer Arbeitsweise Vertrauen entgegengebracht wird, stärkt das nicht nur die Leistungsbereitschaft, sondern auch das gegenseitige Vertrauen im Unternehmen.
Arbeitsbedingungen
Bei den Arbeitsbedingungen ist zwischen dem Standort und dem Außendienst zu unterscheiden. Für die Kolleginnen und Kollegen am Standort waren die Rahmenbedingungen insgesamt in Ordnung und funktional gestaltet.
Für den HR-Bereich hätte ich mir jedoch mehr räumliche Diskretion gewünscht. Insbesondere bei sensiblen Personalgesprächen ist ein geschützter, privater Rahmen essenziell, um Vertraulichkeit sicherzustellen und eine offene Gesprächsatmosphäre zu ermöglichen. Wenn Gespräche potenziell mitgehört oder wahrgenommen werden können, entsteht schnell eine Hemmschwelle – sowohl für Mitarbeitende als auch für die HR-Seite.
Die Bedingungen im Außendienst konnte ich nicht im Detail beurteilen. Aus meiner Wahrnehmung heraus wurden hierzu jedoch keine aktiven Beschwerden geäußert.Unabhängig vom Arbeitsort sehe ich insbesondere bei Führungskräften mit Personalverantwortung Potenzial in der zeitlichen Gewichtung. Neben produktiver Unternehmenszeit wäre es aus meiner Sicht wertvoll, bewusst mehr Raum für Mitarbeitendenführung, Austausch und individuelle Anliegen einzuplanen. Führung braucht Zeit – und diese Investition zahlt sich langfristig in Motivation, Bindung und Leistungsfähigkeit aus
Kommunikation
Die Kommunikation am Standort Bochum war grundsätzlich unkompliziert und auf kurzem Weg möglich, da der persönliche Austausch schnell hergestellt werden konnte.
Für die Kolleginnen und Kollegen im Außendienst stellte sich die Situation jedoch etwas anders dar. Ein Großteil der Abstimmungen erfolgte über Microsoft Teams, was zwar effizient war, jedoch den Aufbau einer stärkeren persönlichen Verbindung und nachhaltigen Mitarbeiterbindung erschwerte.
Aus meiner Sicht handelte es sich hierbei weniger um ein individuelles, sondern vielmehr um ein strukturelles Thema. Mit noch mehr geplanter Präsenz, klareren Kommunikationsformaten und regelmäßigen Austauschformaten hätte die Zusammenarbeit standortübergreifend vermutlich weiter gestärkt werden können. Gleichzeitig ist der Aufbau einer durchgängig guten Kommunikationskultur keine leichte Herausforderung, da sie nur gelingen kann, wenn alle Beteiligten aktiv dazu beitragen und Kommunikation als gemeinsame Verantwortung verstehen.
Gleichberechtigung
Auf das Thema Gleichberechtigung wurde aus meiner Wahrnehmung heraus viel Wert gelegt. Es bestand der Anspruch, alle Mitarbeitenden unabhängig von Rolle, Funktion oder persönlichem Hintergrund einzubeziehen, sowohl im Arbeitsalltag als auch bei gemeinsamen Veranstaltungen wie beispielsweise Betriebsfesten.
Auch in der Unternehmensphilosophie spiegelte sich der Gedanke wider, Vielfalt zu berücksichtigen und ein respektvolles Miteinander zu fördern. Dieser grundsätzliche Anspruch war klar erkennbar und positiv wahrnehmbar.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben waren sehr vielfältig und breit gefächert. Insbesondere für jemanden mit Konzernhintergrund ist der Wechsel in eine kleinere, dynamischere Struktur eine deutliche Umstellung – was jedoch nicht negativ zu bewerten ist. Viele Themen, die zuvor als selbstverständlich organisiert waren, müssen hier eigenständig aufgebaut und strukturiert werden.
Es bestand großes Potenzial, Prozesse zu gestalten und Veränderungen anzustoßen. Gleichzeitig zeigt sich in einem solchen Umfeld, wie wichtig klare Priorisierung und ein strukturierter Umsetzungsplan sind. Potenzial allein reicht nicht aus – es muss kanalisiert und strategisch gebündelt werden, damit Energie und Engagement zielgerichtet eingesetzt werden können.
Mit einer klareren Roadmap und definierten Meilensteinen hätte sich das vorhandene Gestaltungspotenzial noch effektiver nutzen lassen.

