Öffentlicher Betrieb mit privaten Standards auf Kosten der Beschäftigten
Gut am Arbeitgeber finde ich
Das Gehalt ist übertariflich geregelt und pünktlich. Die Vorgesetzten treten überwiegend höflich und respektvoll auf und versuchen, auf Augenhöhe zu kommunizieren. Der Fahrdienst an sich ist klar definiert, wer gern Bus fährt, weiß, woran er ist. In einzelnen Bereichen sind erste Ansätze zur Verbesserung der Pausensituation erkennbar.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Mangelnde Planbarkeit des Arbeitsalltags durch kurzfristige und unklare Dienstpläne. Starke Grüppchenbildung und Flurfunk statt offener Kommunikation. Ungleichbehandlung bei Diensten und Schichten ohne transparente Begründung. Schlechter Umgang mit Hinweisen zu Fahrzeugmängeln und geringe Motivation in der Bereitschaft. Teilweise schlechte Arbeitsbedingungen in den Fahrzeugen. Kaum echte Entwicklungs- oder Aufstiegsmöglichkeiten. Außenwirkung des Unternehmens passt nicht zur gelebten Realität im Arbeitsalltag.
Als hundertprozentige Tochter der KVB AG sollte man sich stärker an deren Standards orientieren. Aktuell sind die Arbeitsbedingungen dort aus Fahrersicht deutlich attraktiver, weshalb eine direkte Bewerbung bei der KVB AG für Interessierte die bessere Option sein kann.
Verbesserungsvorschläge
Mehr Verlässlichkeit in der Dienstplanung schaffen, insbesondere durch frühzeitige und verbindliche Dienstzeiten statt kurzfristiger Platzhalter. Die interne Kommunikation strukturieren und vorhandene digitale Tools sinnvoll nutzen. Mängelmeldungen und Hinweise aus dem Fahrdienst ernst nehmen und nachvollziehbar bearbeiten. Transparente und faire Kriterien bei der Vergabe von Diensten, Schichten und Sonderleistungen einführen. Die Pausenregelungen weiter verbessern und echte Erholungsmöglichkeiten sicherstellen. Fahrzeuge nicht nur verkehrssicher, sondern auch ergonomisch und komfortabel instand halten. Weiterbildung und Entwicklungsmöglichkeiten über das absolute Mindestmaß hinaus anbieten.
Arbeitsatmosphäre
Flurfunk steht an erster Stelle, insbesondere beim Betriebsrat und in der "Bereitschaft". Will man ein Defekt an einem Fahrzeug melden, wovon es sehr viele gibt, wird man oft mit Augenrollen empfangen, weil das Gegenüber auf einmal arbeiten muss. Die besten Momente sind dann, wenn man nicht in der Firma ist, also glücklicherweise ein Großteil der Arbeitszeit. Pausen werden oft an unerreichbaren Stellen (Militärringsstraße) verbracht, ohne eine richtige Erholungsmöglichkeit, oder der Möglichkeit, seine Pause nach Belieben zu verbringen. Hier ein Pluspunkt: Der Arbeitgeber hat dies erkannt, und lässt vermehrt Pausen auf dem Betriebshof verbringen. Daher zwei Sterne.
Image
Die Firma gibt sich in sozialen Netzwerken als "familiär und nahbar". Preist jede Neuanstellung als großen Erfolg an, aber bekommt nichtmal vernünftig auf die Reihe, ihre Angestellten einzukleiden. Es gibt keine Dienstkleidung, weswegen, nach außen allein schon kein gutes Bild gezeigt werden kann. Viele Kollegen fahren in Trainingsanzug durch die Gegend.
Work-Life-Balance
Wie bei Kommunikation schon angesprochen erhält man Dienste meist zwei Wochen im Voraus, und dann teilweise nicht mal mit konkreten Zeiten, sondern Platzhalter "Verfügung". An dem Tag kann man dann um 11:00Uhr oder 17:00Uhr Dienstbeginn haben, je nach Laune der Disponenten.
Karriere/Weiterbildung
Die Firma setzt theoretisch das absolute Mindestmaß an Weiterbildung (Modulschulungen für die Führerscheinverlängerung) um (wie im MTV-NWO geregelt). Eine Chance auf Karriere (höhere Positionen im Unternehmen) bleibt vielen aber verwehrt.
Gehalt/Benefits
Gehalt ist übertariflich, gekoppelt an den TV-N (aber gerade in höheren Entgeltgruppen deutlich darunter), man kann nicht meckern, solange man genug Stunden hat. Durch den Stundenlohn ist das aber oftmals einfach nicht der Fall.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Man druckt jeden Murks aus, obwohl es eine App gibt. Ja, nicht jeder hat diese App, aber für Kollegen, die die App haben, muss man nicht immer alles ausdrucken.
Kollegenzusammenhalt
Es gibt Grüppchenbildung in sehr massiver Form. Wenn man einer dieser Grüppchen angehört ist alles fein, aber wenn nicht, dann ist man wie gesagt oft dem Flurfunk ausgesetzt.
Umgang mit älteren Kollegen
Je länger man angestellt ist, desto wertloser ist man für das Unternehmen. Man hat ja mit steigender Beschäftigungszeit einen höheren Stundenlohn. Das gleicht das Unternehmen oftmals durch Minderarbeit aus.
Vorgesetztenverhalten
Hier muss ich fair sein, dass die Vorgesetzten tatsächlich fair sind, und versuchen auf Augenhöhe zu kommunizieren. Nur es reicht leider nicht, mit jemandem "per du" zu sein, wenn inhaltlich nichts bei rum kommt.
Arbeitsbedingungen
Viele Busse sind schlecht gewartet. Aber nicht falsch verstehen: Das Notwendigste ist gemacht, so dass diese meist verkehrssicher sind. Aber Komfort sieht anders aus. Schlagende Sitze. Abgegriffene Lenkräder. Irgendwelche Fehlermeldungen, die komplett ignoriert werden, obwohl man Mängelzettel schreibt. Dazu kommt nochmals erwähnt die Kulisse in der Bereitschaft, sobald man einen Schaden meldet. 9/10 haben dort keinen Bock auch nur einen Finger zu krümmen.
Kommunikation
Es gibt eine App, die aber ein Großteil ihres Potentials ungenutzt lässt. Dienste werden erst zwei Wochen vorher verkündet, und oftmals hat man nur "Verfügung" drinstehen. Die Disponenten können dann mit einem tun und lassen was sie wollen.
Gleichberechtigung
Man merkt, dass einige Kolleginnen und Kollegen eine quasi-Bevorzugung bekommen. Feste Dienste, oder Sonn- und Feiertagsarbeit, während andere dauerhaft in die Röhre schauen. Fragt man danach wird man aufs nächste Meeting der Disponenten vertröstet, bei dem am Ende doch wieder mal rauskommt, dass aktuell "keine Kapazitäten" da seien.
Interessante Aufgaben
Man fährt Bus, wer dies gerne tut, kommt hier auf seine Kosten. Wem nicht egal ist, was drumherum passiert, sollte aber das Weite suchen.