Familienbäcker nur auf dem Papier
Gut am Arbeitgeber finde ich
Pünktliche und branchenübliche Bezahlung. Angenehmer Kundenkontakt im Verkauf macht grundsätzlich Freude.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Druckvoller Führungsstil und widersprüchliche Anweisungen der Geschäftsführung. Unverlässliche Schichtplanung und Vermittlung von Schuldgefühlen, wenn man das Einspringen an freien Tagen oder zusätzliche Schichten ablehnt. Fehlende Entwicklungschancen.
Verbesserungsvorschläge
Moderne Führungskultur aufbauen, einheitliche Linie in der Geschäftsführung finden, Schichtpläne verlässlich gestalten und die Werte eines Familienbetriebs auch intern leben. Mitarbeiter schätzen und Feedback ernst nehmen. Echte Offenheit für Kritik fehlt leider. Es entsteht der Eindruck, dass lieber gegen Kritik von Mitarbeitern, sowie negative Bewertungen auf Plattformen vorgegangen wird, anstatt die Ursachen im Betrieb anzugehen.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre ist extrem angespannt und von Unsicherheit geprägt. Statt Motivation und gegenseitiger Unterstützung herrscht ein Führungsstil, der stark auf Druck, Kontrolle und Angst setzt. Ein Wir-Gefühl fehlt völlig, stattdessen erlebt man ein gegeneinander Ausspielen und Ellenbogenmentalität. Offene Kommunikation oder konstruktive Kritik sind kaum möglich, da man ständig besorgt sein muss, welche Konsequenzen dies hat.
Image
Nach außen hin präsentiert sich das Unternehmen als verständnisvoller, traditionsreicher Familienbäcker. Im Arbeitsalltag ist von diesen Werten jedoch wenig zu spüren. Der Umgang mit den Beschäftigten, der hohe Druck und die fehlende Rücksichtnahme stehen in starkem Kontrast zu dem warmen Bild, das der Kundschaft vermittelt wird.
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance ist faktisch nicht vorhanden. Durch massiven Personalmangel wird ständige Erreichbarkeit und maximale Flexibilität vorausgesetzt. Kurzfristiges Einspringen an freien Tagen ist die Regel, nicht die Ausnahme. Wer es wagt abzusagen, bekommt sofort ein schlechtes Gewissen eingeredet. Es kommt immer wieder vor, dass man mehr als sieben Tage am Stück durcharbeiten muss. Zudem sind kräftezehrende Schichtwechsel, wie eine Spätschicht mit anschließender Frühschicht am nächsten Tag, leider keine Seltenheit. An Erholung oder Planungssicherheit für das Privatleben ist unter diesen Bedingungen kaum zu denken.
Karriere/Weiterbildung
Echte Entwicklungs- oder Aufstiegschancen gibt es praktisch nicht. Anstatt Potenziale zu fördern oder Weiterbildungsmöglichkeiten anzubieten, hat man eher das Gefühl, dass Beschäftigte gezielt klein gehalten werden. Eigeninitiative wird nicht belohnt, und individuelle Fördermaßnahmen sind im Arbeitsalltag nicht vorgesehen.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt ist für die Branche durchaus angemessen und pünktlich. Allerdings wiegt die Bezahlung den dauerhaften Druck, die hohe Flexibilität und die psychische Belastung im Alltag auf Dauer nicht auf.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung spielen im Arbeitsalltag eher eine untergeordnete Rolle. Zwar gibt es womöglich einzelne Ansätze auf dem Papier, in der Praxis liegt der Fokus jedoch primär auf operativen Abläufen und Umsätzen. Weder bei Umweltthemen noch beim sozialen Umgang mit der Belegschaft entsteht der Eindruck, dass diese Werte tief im Unternehmen verankert sind.
Kollegenzusammenhalt
Ein echter Teamgeist existiert leider kaum. Durch den herrschenden Druck ist eine ausgeprägte Ellenbogenmentalität entstanden, bei der viele nur auf den eigenen Vorteil bedacht sind und versucht wird, sich auf Kosten anderer zu profilieren. Zusammenhalt findet man höchstens in kleinen, isolierten Grüppchen unter wenigen Kollegen, die sich gegenseitig unterstützen und sich vertrauen.
Umgang mit älteren Kollegen
Der Umgang mit langjährigen und älteren Mitarbeitenden wirkt oft distanziert. Ihr Erfahrungsschatz und ihre Loyalität werden aus meiner Sicht kaum geschätzt oder gezielt genutzt. Stattdessen entsteht der Eindruck, dass das hohe Arbeitstempo und die körperlich belastenden Dienstpläne wenig Rücksicht auf deren Bedürfnisse nehmen, was die Einbindung älter Kolleginnen und Kollegen im Alltag erschwert.
Vorgesetztenverhalten
Auf Führungsebene herrscht spürbare Uneinigkeit: Was von einer Person der Geschäftsführung angeordnet wird, wird von der anderen oft direkt wieder verworfen. Diese fehlende Linie sorgt für ständige Verwirrung. Zudem wird ein teils sehr unprofessioneller und kindischer Führungsstil seitens der Juniorchefin klaglos geduldet. Es gibt vereinzelt Bezirksleiter, die es wirklich gut mit den Mitarbeitenden meinen und sich einsetzen – man bekommt jedoch stark das Gefühl, dass genau dieses Engagement von oben nicht erwünscht ist und solche Führungskräfte nach und nach gezielt aussortiert werden.
Arbeitsbedingungen
Die organisatorischen und körperlichen Belastungen sind hoch. Wechsel von der Spät- in die Frühschicht erschweren einen geregelten Rhythmus. Im Sommer fehlen oft wirksame Maßnahmen gegen extreme Hitze in den Räumen. Zudem kommt regelmäßig vor, dass Schichten gestrichen werden und der Laden alleine gestemmt werden muss, was zu extremem Stress führt, da das Kundenaufkommen gleich bleibt.
Kommunikation
Wichtige Informationen werden entweder gar nicht, verspätet oder nur selektiv weitergegeben, was Unsicherheit im Arbeitsalltag schürt. Anstatt einer transparenten und offenen Gesprächskultur herrscht eine Politik der verschlossenen Türen.
Gleichberechtigung
Aus meiner persönlichen Wahrnehmung heraus entstehen berufliche Vorteile oder mehr Nachsicht weniger durch Leistung, sondern eher durch Anpassung und die gezielte Pflege persönlicher Kontakte zur Führungsebene. Wer gut schleimen kann kommt in diesem Unternehmen weiter.
Interessante Aufgaben
Die eigentliche Tätigkeit im Verkauf macht grundsätzlich Spaß und bietet direkten Kundenkontakt, was der einzig positive Aspekt ist. Allerdings bleibt von der Freude am Verkaufen kaum etwas übrig. Der Alltag ist stark von starren Vorgaben, enormem Druck und reinem Abbarbeiten geprägt. Raum für eigene Ideen oder eigenverantwortliches Arbeiten gibt es nicht. Dadurch wird selbst eine an sich abwechslungsreiche Aufgabe im Verkauf monoton und belastend.