Hohes Lob nach außen, Mobbing-Duldung nach innen – mein Fazit nach sechs Monaten
Gut am Arbeitgeber finde ich
Fachlich interessante Tätigkeit im kaufmännischen Bereich
Kollegialer Zusammenhalt im Team – die Zusammenarbeit mit den meisten Kollegen war ausgesprochen gut
Moderne Arbeitsumgebung
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Widersprüchliche Führung: Über Monate hinweg wurde ich intern wie extern durchgängig und ausdrücklich positiv hervorgehoben – bis zur überraschenden Kündigung 12 Tage vor Probezeitende mit vorgeschobenen Gründen.
Mobbing wurde geduldet: Wiederholte Mobbing-Vorfälle durch eine Führungskraft wurden dem Vorgesetzten mehrfach gemeldet. Statt wirksamer Maßnahmen gab es nur den Rat, zum Personalrat zu gehen und mehr "Resilienz" zu zeigen – eine bewusste Untätigkeit, die ich als klaren Verstoß gegen die Fürsorgepflicht empfand.
Inkonsistente Personalentscheidungen: Ein durch die "Hintertür" eingestellter, im Team unbeliebter Mitarbeiter erhielt die Zusage, die Probezeit zu überstehen – während leistungsstarke und geschätzte Kollegen gehen mussten. Das spricht für eine Politik nach Sympathie, nicht nach Leistung.
Future-Faking: Kurz vor der Kündigung wurde mir die Stelle einer anderen Führungskraft in Aussicht gestellt und ich zu einem Meeting mitgenommen – angeblich als "Signal" für eine künftige Zusammenarbeit. Nur wenige Wochen später folgte die Entlassung.
Gaslightning: Im Kündigungsgespräch fiel der Satz: "Ich habe mich sowieso gewundert, wie du es solange hier ausgehalten hast. Jeder normale Mensch hätte bei so viel Mobbing und Quälerei schon längst gekündigt." – ein implizites Eingeständnis, dass das Mobbing bekannt war, aber nicht unterbunden wurde.
Verbesserungsvorschläge
Wer langfristig motivierte und leistungsbereite Mitarbeiter halten will, sollte dafür sorgen, dass Führungskräfte ihrer Fürsorgepflicht nachkommen und Mobbing konsequent unterbinden – statt es zu dulden und anschließend die Betroffenen zu entfernen. Ein Betrieb, der Leistung bestraft und Vetternwirtschaft belohnt, verspielt nicht nur wertvolle Fachkräfte, sondern auch das Vertrauen der gesamten Belegschaft. Die aktuelle Führung muss weg, wenn aus diesem Eigenbetrieb was werden soll. Die Stelle wurde seit dem 09.10.2026 neu als „Sachbearbeiter in Finanzen“ ausgeschrieben. Ich hoffe, dass die neue Person – sofern sie das entsprechende Profil und die nötige Motivation mitbringt – nicht die fürchterlichen Erfahrungen machen muss, die ich gemacht habe, dass sie nicht von einer Führungskraft zermahlen wird und dass die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers diesmal nicht bewusst ignoriert wird. Andernfalls wäre aus meiner Sicht mit ähnlichen Ergebnissen zu rechnen. Am Ende bin ich aus meiner Sicht an den kulturellen Eigenheiten der Institution gescheitert; mein Scheitern war aus meiner Wahrnehmung keine fachliche, sondern eine politisch-ideologische Entscheidung. Es bedarf meines Erachtens noch mindestens 20-30 Jahre bis die öffentlichen Positionen fair vergeben und Heterogenität und Vielfalt in der Gesellschaft wiedergeben.