„Erfahrung ist nicht das, was einem zustößt. Erfahrung ist das, was man aus dem macht, was einem zustößt.“ – Aldous Hux
Arbeitsatmosphäre
Zu Beginn meiner Zeit in der Stiftung habe ich mich sehr wohl gefühlt. Ich wurde freundlich aufgenommen, hatte das Gefühl, willkommen zu sein, und konnte mich von Anfang an gut einbringen. Das Arbeitsklima war offen, respektvoll und von gegenseitiger Unterstützung geprägt – ein Umfeld, in dem ich mich sowohl fachlich als auch persönlich geschätzt gefühlt habe.
Im Laufe der Zeit haben sich jedoch zunehmend Veränderungen eingeschlichen, die das Klima in den Einrichtungen spürbar verändert haben.
Diese Veränderungen haben dazu geführt, dass sich mein Gefühl von Zugehörigkeit und Anerkennung zunehmend aufgelöst hat. Was einst ein stimmiges und positives Miteinander war, wurde mit der Zeit von Unsicherheiten, Spannungen und einem wachsenden Gefühl der Distanz überschattet.
Kollegenzusammenhalt
Während meiner Zeit in der Stiftung durfte ich sehr unterschiedliche Erfahrungen im Kollegenzusammenhalt machen. Ich bin in starke und stabile Teams gekommen, in denen ein respektvolles Miteinander, gegenseitige Unterstützung und ein herzliches Willkommen spürbar gelebt wurden. In solchen Teams wurde ich freundlich aufgenommen, konnte mich schnell einfinden und habe mich als Teil eines funktionierenden Ganzen gefühlt – sowohl menschlich als auch fachlich.
Leider gab es aber auch andere Erfahrungen. In manchen Teams war von Anfang an spürbar, dass man nicht willkommen war. Offenheit und Kommunikation fehlten, und das Gefühl, „dazuzugehören“, stellte sich nicht ein. Stattdessen wurde man eher als Belastung empfunden – unabhängig von Engagement oder Einsatzbereitschaft. Das hat nicht nur die Zusammenarbeit erschwert, sondern auch das eigene Wohlbefinden nachhaltig negativ beeinflusst.
Umgang mit älteren Kollegen
Viele ältere Kolleginnen und Kollegen haben im Arbeitsalltag bleibenden Eindruck hinterlassen. Mit ihrer Erfahrung, ihrem Engagement und einer oft großen Ruhe haben sie ihre Aufgaben verlässlich und mit spürbarem Herzblut erfüllt. Besonders bemerkenswert war dabei der respektvolle und wertschätzende Umgang, den sie auch gegenüber jüngeren Kolleg*innen gezeigt haben.
Gerade in ihrer Haltung und im Miteinander konnte man sich als jünger Kollege viel abschauen – sei es im kollegialen Umgang oder im respektvollen Kontakt mit den Bewohner*innen. Leider war das nicht überall selbstverständlich. Es gab durchaus Situationen, in denen dieser Respekt – besonders gegenüber den Bewohner*innen (!)– fehlte. Umso wertvoller war es, solche positiven Vorbilder im Team zu erleben.
Vorgesetztenverhalten
Im Laufe meiner Zeit in der Stiftung habe ich verschiedene Einrichtungen kennengelernt – und damit auch ganz unterschiedliche Führungsstile erlebt. Das Verhalten der Vorgesetzten war dabei oft so wechselhaft wie das Wetter: mal bestärkend und unterstützend, mal distanziert oder sogar desinteressiert.
Es gab Leitungspersonen, die mit vollem Einsatz hinter ihrem Team standen, die sich gekümmert haben, mitgedacht und dafür gesorgt haben, dass der Alltag funktioniert. In solchen Teams herrschte eine spürbare Stabilität, klare Kommunikation und das Gefühl, dass alle an einem Strang ziehen.
Gleichzeitig habe ich jedoch auch das komplette Gegenteil erleben dürfen.
Kommunikation
Ein weiterer Punkt, der im Laufe der Zeit zunehmend belastend wurde, war der Umgang mit Informationen und die Kommunikation im Team. Wichtige Informationen wurden häufig nur unvollständig oder gar nicht weitergegeben, sodass es schwer war, den Überblick zu behalten – besonders dann, wenn man nach einer Abwesenheit zurückkehrte.
Hinzu kam, dass einige für bestimmte Gruppen besonders wichtige Ansprechpersonen nur schwer oder gar nicht erreichbar waren. Dadurch blieb vieles ungeklärt oder verzögerte sich, was nicht nur die Arbeitsprozesse erschwerte, sondern auch das Gefühl vermittelte, nicht ausreichend unterstützt zu werden.
Gleichberechtigung
Das Thema Gleichberechtigung wurde in meinem Arbeitsumfeld leider nur in einem sehr schmalen Rahmen gelebt. Natürlich ist es nachvollziehbar und auch notwendig, dass es in bestimmten Bereichen eine klare Rollenverteilung und fachliche Abgrenzung gibt – Fachkräfte und Hilfskräfte haben unterschiedliche Aufgaben und Verantwortungen. Dennoch sind wir alle erwachsene Menschen, die sich im Alltag respektvoll, klar und auf Augenhöhe begegnen sollten.
Interessante Aufgaben
Mein Aufgabenbereich war über weite Strecken eher eintönig. Die Tätigkeiten wiederholten sich häufig bis ständig und boten nur wenig Abwechslung oder Entwicklungsmöglichkeiten. Vermutlich hätte es durchaus Möglichkeiten gegeben, Aufgaben vielfältiger oder individueller zu gestalten, doch darauf wurde leider nur wenig Wert gelegt. Obwohl ich mich bemüht habe, mich aktiv einzubringen, blieb der Spielraum dafür begrenzt. Auf Dauer fehlte dadurch nicht nur fachliche Herausforderung, sondern auch das Gefühl, wirklich mitgestalten zu können.
