Silicon-Valley-Rhetorik trifft auf 90er-Jahre-Führungsstil
Arbeitsatmosphäre
Seit dem CEO-Wechsel ist die Arbeitsatmosphäre massiv eingebrochen. Exemplarisch dafür steht die plötzliche Abschaffung des Home Office. Die Begründung: eine Aneinanderreihung von schiefen Vergleichen, die an der Lebensrealität von Angestellten komplett vorbeigehen. Ausgerechnet eine Kommunikationsagentur, die anderen professionelles Messaging verkauft, scheitert intern an respektvoller und nachvollziehbarer Ansprache.
Die Auswirkungen sind drastisch: die Stimmung im Team ist am absoluten Tiefpunkt. Der Respekt gegenüber der Geschäftsführung ist bei vielen Mitarbeitern verloren gegangen.
Image
Nach außen präsentiert sich das Unternehmen als moderne, progressive Kommunikationsagentur mit Werten wie Diversität und Mitarbeiterorientierung. Die Realität sieht anders aus: veraltete Führungsstrukturen, mangelnde Gleichberechtigung, keine Flexibilität und ein C-Level, das komplett abgehoben von der Lebensrealität agiert.
Aktuell könnte die Diskrepanz zwischen Außendarstellung und interner Kultur nicht größer sein. Was wir unseren Kunden verkaufen, leben wir intern nicht.
Work-Life-Balance
In einer Agentur arbeitet man viel, das ist bekannt und wird auch so akzeptiert. Die Arbeit ist intensiv, Deadlines sind eng, das gehört zur Branche. Damit hat niemand ein Problem.
Problematisch ist aber, dass mit der ersatzlosen Streichung des Home Office jegliche Flexibilität verloren gegangen ist. Es ist schlicht nicht mehr zeitgemäß, Mitarbeitenden von heute auf morgen die Möglichkeit zu nehmen, Beruf und Privatleben überhaupt noch zu vereinbaren.
Karriere/Weiterbildung
Siehe Punkt "Gleichberechtigung".
Gehalt/Benefits
Besonders Frauen müssen für jede Gehaltserhöhung und Beförderung kämpfen. Aktuell macht die Kombination aus schlechter Bezahlung und fehlender Wertschätzung das Gesamtpaket Storymachine wenig attraktiv.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt ist top – allerdings weniger dank, sondern eher trotz der Unternehmensführung. Das Team hält zusammen, weil alle unter dem C-Level leiden. Man unterstützt sich gegenseitig und versucht gemeinsam, die Situation erträglich zu gestalten.
Es ist schade, dass dieser starke Zusammenhalt nicht aus einer positiven Unternehmenskultur resultiert, sondern aus der geteilten Frustration über die Führungsebene.
Vorgesetztenverhalten
Der neue CEO wurde mit der Fusion der Bereiche PR und Digitale Kommunikation ohne nachvollziehbare Begründung in diese Position gebracht, und es zeigt sich täglich, dass ihm die fachliche Kompetenz fehlt.
Im Bereich Digitale Kommunikation ist sein Kenntnisstand erstaunlich niedrig, Führungskompetenz ist nicht erkennbar. Man fragt sich wirklich, nach welchen Kriterien diese Personalentscheidung getroffen wurde.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen haben sich massiv verschlechtert. Keine Flexibilität, keine Familienfreundlichkeit, starre Präsenzpflicht ohne jede Rücksicht auf individuelle Lebensumstände. Für Eltern sind diese Bedingungen kaum noch tragbar.
Das Büro selbst ist schön, aber was nützt das, wenn die Rahmenbedingungen so rigide sind, dass die Mitarbeiter zwischen Job und privatem Leben zerrieben werden?
Kommunikation
Die interne Kommunikation seit dem CEO-Wechsel ist enttäuschend. Viel Pathos und große Gesten, aber wenig Substanz. Aufgeblasen in der Rhetorik, dünn im Inhalt. Statt klarer Strategie gibt es Floskeln, statt echter Führungskompetenz nur erratische Entscheidungen.
Gleichberechtigung
Die Struktur im Unternehmen spricht Bände. Im C-Level sitzen ausschließlich Männer, mit Ausnahme einer einzigen Frau. An der Basis arbeiten hingegen fast nur Frauen, die für jede Gehaltserhöhung und Beförderung kämpfen müssen und systematisch kleingehalten werden.
Wer als Frau hier arbeitet, sollte sich bewusst sein: Der Weg nach oben ist steinig.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben sind grundsätzlich sehr interessant und vielseitig. Umso tragischer, dass die Arbeit gerade völlig in den Hintergrund rückt, weil das Team unter der schlechten Führung leidet und die Stimmung am Boden ist.
Das Paradoxe: Der CEO will Produktivität und Präsenz und bewirkt das genaue Gegenteil. Die rigiden Maßnahmen und die an Respekt mangelnde Kommunikation haben ein demotiviertes Team geschaffen, dem schlicht die Energie für kreative Arbeit fehlt. In einer Branche, die von Kreativität und Innovation lebt, ist das fatal. Wer Mitarbeitende derart vor den Kopf stößt, braucht sich über sinkende Leistungsbereitschaft nicht zu wundern.