Everything has value - Leider nicht der Surplex-Mitarbeiter
Gut am Arbeitgeber finde ich
Nichts.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Was hier besonders negativ auffällt, ist die absolute Unberechenbarkeit. Durch ständige Strategiewechsel fehlt jede Form von Verlässlichkeit oder langfristiger Vision. Es ist erschütternd zu sehen, dass Menschen, die dieses Unternehmen über Jahre geprägt und getragen haben, für das neue Management offenbar keinerlei Wert mehr besitzen. Man wird zur bloßen Kennzahl in einer Tabelle degradiert. Sobald ein neuer, vermeintlicher „Macher“ das Ruder übernimmt, beginnt das große Bangen.
Verbesserungsvorschläge
In einem Umfeld, in dem die Strategie in einer derart hohen Frequenz gewechselt wird, verlieren klassische Verbesserungsvorschläge leider ihre Wirkungsgrundlage. Mein Eindruck ist, dass der Point-of-no-Return für konstruktives Feedback längst überschritten wurde, da es an der notwendigen Kontinuität fehlt, um Veränderungen überhaupt nachhaltig zu implementieren.
Einzig ein radikales Umdenken und eine Rückbesinnung auf die Werte, die das Unternehmen einst groß gemacht haben, könnten hier noch helfen. Ansonsten bleibt wohl nur die ironische Hoffnung, dass Surplex irgendwann eine gebrauchte Zeitmaschine im Portfolio hat – ich wäre der erste Kunde.
Arbeitsatmosphäre
Man muss es so deutlich sagen: Vor dem Verkauf war die Arbeitsatmosphäre bei Surplex das, was man heute einen "Traumarbeitgeber" nennt. Es herrschte eine tiefe menschliche Verbundenheit, eine echte Identifikation mit den Aufgaben und das seltene Gefühl, beruflich genau am richtigen Ort angekommen zu sein.
Leider hat sich dieses Bild radikal gewandelt. Wo früher Vertrauen und Zusammenhalt die Basis bildeten, ist heute eine Atmosphäre eingezogen, in der das "Menschliche" nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Es schmerzt zu sehen, wie eine gewachsene, positive Kultur einer Management-Philosophie weichen musste, die die Identifikation der Mitarbeiter offenbar als vernachlässigbar betrachtet. Der Spirit, der dieses Unternehmen einst ausgemacht hat, ist unter der neuen Führung leider systematisch verloren gegangen.
Kommunikation
Früher war die Kommunikation das Herzstück des Unternehmens. Durch die wöchentlichen europaweiten Meetings, in denen Zahlen transparent geteilt und Kollegen sowie Abteilungen persönlich vorgestellt wurden, entstand ein echtes Wir-Gefühl. Man war nicht nur eine Personalnummer, sondern Teil eines lebendigen, internationalen Teams.
Nach dem Inhaberwechsel wurde dieser wertvolle Austausch durch sterile, alle paar Monate stattfindende „Townhall-Meetings“ ersetzt. Während diese zwar mit hohem Aufwand und professionellen Filmteams produziert werden, fehlt ihnen jegliche Substanz und menschliche Nähe. Es drängt sich massiv der Eindruck auf, dass es hier nicht mehr um die Information oder Wertschätzung der Mitarbeiter geht, sondern primär um die Selbstdarstellung des US-Managements. Authentizität wurde gegen eine glatte Marketing-Fassade eingetauscht, die an den Bedürfnissen der Belegschaft komplett vorbeigeht.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt unter den Kollegen bei Surplex war und ist schlichtweg großartig. Auch wenn es natürlich abteilungsabhängige Nuancen gibt, war das Team eine verschworene Gemeinschaft, die sich durch eine außergewöhnliche menschliche Qualität auszeichnete.
Besonders bemerkenswert – und gleichzeitig tragisch – war die Reaktion auf die erste große Kündigungswelle: Anstatt aufzugeben, hat sich die verbliebene Truppe gegenseitig aufgerappelt und versucht, die Motivation hochzuhalten. Doch dieser enorme Einsatz war letztlich vergebens. Es ist ernüchternd zu sehen, wie eine so loyale und motivierte Belegschaft von einer Führung im Stich gelassen wurde, die diesen wertvollen Zusammenhalt offenbar weder zu schätzen wusste noch zu nutzen verstand. Das Team hat das Unternehmen getragen, während das Management bereits den Boden unter den Füßen verloren hatte.
Work-Life-Balance
Auch beim Thema Work-Life-Balance zieht sich ein tiefer Riss durch die Unternehmenshistorie. Vor dem Verkauf war Surplex ein Vorreiter in Sachen Flexibilität: Ein fester Teamtag pro Woche im Büro war die Regel, der Rest basierte auf gegenseitigem Vertrauen. Ob Arzttermine oder das Abholen der Kinder aus der Kita – es gab immer eine menschliche Lösung, die den privaten Alltag respektierte.
Mit dem Inhaberwechsel kehrte sich dieses Bild leider ins Gegenteil um. Die Homeoffice-Regelungen wurden massiv zum Nachteil der Mitarbeiter beschnitten. Es drängt sich das Gefühl auf, dass moderne Arbeitsmodelle und das Vertrauen in die Eigenverantwortung der Belegschaft einer rückständigen Kontrollmentalität weichen mussten. Wo früher individuelle Bedürfnisse Platz fanden, herrscht heute eine Starrheit, die in der modernen Arbeitswelt – und besonders für Fachkräfte – absolut deplatziert wirkt.
Umgang mit älteren Kollegen
Besonders schmerzhaft war zu beobachten, wie sich der Umgang mit langjährigen Stützen des Unternehmens nach dem Inhaberwechsel gewandelt hat. Dass Kündigungen vor Mitarbeitern selbst kurz vor dem Renteneintritt nicht haltmachen, spricht eine deutliche Sprache über das neue Wertesystem der Führung.
Wo früher Loyalität und jahrzehntelange Erfahrung geschätzt wurden, scheint heute nur noch die nackte Bilanz zu zählen. Ein solch respektloser Umgang mit der Lebensleistung älterer Kollegen vergiftet das Klima für alle Generationen und zerstört jegliches Vertrauen in die soziale Verantwortung des Arbeitgebers. Wer so mit seinen Veteranen umgeht, darf sich über den Vertrauensverlust der restlichen Belegschaft nicht wundern.
Arbeitsbedingungen
Die materiellen Arbeitsbedingungen haben sich spürbar verschlechtert, was die drastische Verkleinerung des Standorts Düsseldorf nur allzu deutlich unterstreicht. Viel schwerwiegender ist jedoch die strategische Instabilität: Produktmanagement und Richtungsentscheidungen wechseln in einer Frequenz, die jede langfristige Arbeit unmöglich macht. Es ist ein frustrierender Kreislauf: Motivation wird mühsam aufgebaut, nur um im nächsten Moment durch einen erneuten Kurswechsel wieder eingerissen zu werden.
Inmitten dieses Chaos gibt es jedoch einen echten Lichtblick: das Backoffice. Während die Führungsebene schwankt, hält das Backoffice jeden Tag unermüdlich die Stellung und sorgt dafür, dass das Arbeitsleben für uns Kollegen überhaupt noch angenehm bleibt. Eure Arbeit wird oft als selbstverständlich wahrgenommen, ist aber in Wahrheit das Fundament, das den Laden zusammenhält. Ihr seid unglaublich wertvoll und wichtig – danke für alles, was ihr leistet!
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Nach außen wird das Image der Nachhaltigkeit und der „Circular Economy“ intensiv gepflegt. Man wirbt auf der Website stolz mit einem CO2-Rechner, der die Einsparungen beim Kauf von Gebrauchtmaschinen beziffert. Doch diese medienwirksame Inszenierung wirkt fast schon zynisch, wenn man die gelebte Realität im Management betrachtet.
Während das Geschäftsmodell auf Ressourcenschonung basiert, endet dieser Gedanke bei der Führungsebene offenbar an der Fahrertür: Hier dominieren PS-starke SUVs das Bild. Trotz einer hervorragenden Anbindung an den ÖPNV am Standort Düsseldorf sind die Firmenparkplätze stets belegt. Es ist eine eklatante Doppelmoral, ökologische Verantwortung als Verkaufsargument zu nutzen, während das eigene Handeln im Management keinerlei Verzicht auf persönliche Bequemlichkeit erkennen lässt. Dieses „Greenwashing“ im Kleinen macht das Unternehmen in puncto Umweltbewusstsein leider absolut unglaubwürdig.
Image
Vor dem Verkauf genoss Surplex einen tadellosen Ruf und verfügte über einen loyalen, gewachsenen Kundenstamm. Es ist ernüchternd zu beobachten, wie dieses Asset in kürzester Zeit Schaden genommen hat. Meinem Eindruck nach führt der massive Verlust an langjährigen Leistungsträgern und Know-how spürbar dazu, dass die Souveränität am Markt schwindet.
Wenn die Fachkompetenz das Unternehmen verlässt, leidet zwangsläufig die Qualität der Dienstleistung. Die allgemeine Entwicklung lässt vermuten, dass die einstige Marktführerschaft unter der aktuellen Strategie stark wankt. Ein klassisches Beispiel dafür, wie eine kurzsichtige Personalpolitik den Kern einer ehemals starken Marke aushöhlen kann.

