Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Kolleg*innen in Nürnberg. Ja, auch da gibt es mal Reibereien und Meinungsverschiedenheiten aber an sich halten wir zusammen, und ich hatte zumindest das Gefühl, dass die Festangestellten ein wenig für uns Azubis gekämpft haben. Außerdem ist das Büro einfach ein Sammelsurium an Wissen und Erfahrung, was eigentlich die Grundlage für einen Erfolgreichen Ausbildungsbetrieb sein soll.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Es gibt einen massiven Graben zwischen den "alten Hasen", den Kern-Angestellten im alten HQ in Nürnberg, und dem Rest der Firma. Besonders auf Verwaltungsebene. Corporate interessiert sich nicht für das heranziehen neuer Engineers durch die Tradition der Berufsausbildung, obwohl fast alle Nürnberger Kolleg*innen im Engineering Bereich so angefangen haben und alle Teams nach neuen Stellen schreien. Stattdessen wird in Niedriglohnländern gefischt, was das Zeug hält.
Es wird immer mal wieder betohnt wie wichtig der Globalen Personalchefin die Menschen und das Heranbringen von neuen Talenten ist, aber gelebt wird es nicht. Gaslighting ist ab einer gewissen Manager-Ebene so stark verbreitet, man kann das Tetrahydrothiophen schon von Weitem riechen.
Verbesserungsvorschläge
Es ist alles hier, um aus SUSE einen starken Player zu machen. Vor allem, weil sie der einzige große Ausbildungsbetrieb in diesem Bereich in Deutschland sind. Aber man will nicht. So gar nicht. Es ist mittlerweile ein Running Gag bei Konkurrenz und Partnern "Wir brauchen nicht ausbilden, das macht SUSE für uns."
Corporate braucht dringend einen Realitätscheck um mal von ihrem hohen Ross runter zu kommen.
Man kann sich nicht ernsthaft in Meetings setzen und erzählen wie viel Gewinn man wieder gemacht hat, und hinten rum versuchen die Schwächsten der Firma (die Azubis) untern Bus zu werfen und Stellen zu streichen. Es wird auch immer und immer wieder versucht den Betriebsrat auszuhebeln, weil die weitestgehend Britische und Amerikanische Geschäftsführung noch viel mehr diesen American Corporatism implementieren will. Dass das in Deutschland nicht so läuft, hat denen schon so manchen Euro gekostet.
Aber was weiß ich. Der Standort Deutschland wird wohl auf kurz oder lang weichen, das ist der unausgesprochene Plan der Firma und davon bin ich überzeugt.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre von Tag zu Tag ist eigentlich ganz gut. Das ganze ändert sich aber schlagarartig, wenn jemand von der Corporate Seite das Büro besucht. Fragen - besonders zu Azubistellen und Übernahme - wird entweder ausgewichen, oder es wird versucht die Azubis für mangelndes Budget in anderen Bereichen verantwortlich zu machen.
Karrierechancen
Die Karrierechancen bei SUSE nach der Ausbildung gehen gegen null. 1,5 Jahre wurde mir eine Übernahme von meinen direkten Vorgesetzten versprochen. Nach dem Motto "sei brav, lerne X und Y, dann haben wir was für dich". Ich wurde wieder und wieder hingehalten. 2 Monate vor Ende der Ausbildung hieß es noch "Die Stelle ist fertig formuliert und genehmigt und muss nur noch veröffentlicht werden". Dann Stille. Bis 2 Wochen vor der Abschlussprüfung die Absage kam ala "nix gibts, sieh' zu."
Arbeitszeiten
Als Azubis genießt man so manche Freiheit was die Einteilung seiner Arbeitszeit angeht. Solange man seiner Arbeit nachkommt, interessiert es niemanden, ob man die Mittagspause etwas ausdehnt, oder den späten Nachmittag/Abend zu einem Spieleabend macht. Das sorgt für sehr entspanntes Arbeiten.
Ausbildungsvergütung
Solange man das Glück hat, bei seinen Eltern zu leben ist die Vergütung ausreichend.
Wenn man allerdings auf sich allein gestellt ist, sieht das anders aus. Obendrein kommen noch ständige Irregularitäten bei der Gehaltsauszahlung. Fehlende Bonuszahlungen, nicht erfolgte Anmeldung bei der Krankenkasse welche Nachforderungen nach sich ziehen, etc.
Nie kam eine Entschuldigung oder ein Versuch der Korrektur zu Gunsten der Azubis.
Die Ausbilder
Die Kolleg*innen und Mentoren in den einzelnen Teams sind motiviert und hochqualifiziert. Von ihnen zu lernen macht unheimlich Spaß und man wird als vollwertiges Teammitglied gesehen.
Außerdem steht einem niemand ständig im Nacken, was angenehm ist, aber auch dafür sorgt, dass jüngere Azubis manchmal auf der Strecke bleiben, wenn ihr Mentor zu wenig Zeit für sie hat und sie sich nicht trauen ihre Zeit einzufordern. Da müssten Manche Teams mehr darauf achten, dass sich die Mentoren mehr Zeit für ihre Schützlinge nehmen.
Spaßfaktor
SUSE bietet die Möglichkeit auch in Nieschenbereiche der Softwareentwicklung einzutauchen und sich gewissermaßen frei zu entfalten.
Aufgaben/Tätigkeiten
Aufgaben werden meistens selbstständig und in Absprache mit dem Team/Mentor gewählt. Dabei wird meistens darauf geachtet die Azubis zu fordern aber auch zu unterstützen.
Variation
Die Variation der Aufgaben hängt stark vom Team ab, aber es bleibt immer die Option zu fragen, ob man sich mit einem anderen interessanten Thema beschäftigen kann.
Respekt
Die niedrige Bewertung hier bezieht sich NICHT auf den Respekt und das Miteinander der Engineers untereinander. Es ist vielmehr der mangelnde Respekt der einem von Corporate Seite, von C-Level Manager*innen und HR entgegen gebracht wird. Teilweise wird einem das Gefühl vermittelt nicht einmal ein Mensch zu sein. Und mit falschen Gehaltsabrechnungen oder andere Verfahrensfehler, die auf das mikrige Azubigehalt massive Auswirkungen haben können wird man allein gelassen, wenn man nicht massiv Stress macht.
Dazu kommt wohl noch eine tiefsitzende trans- bzw. queerfeindlichkeit bei einzelnen Angestellten, besonders kritisch: Bei Schlüsselfiguren in HR. Es geht hier nicht um offene Diskriminierung. SUSEs Tools bieten sogar Einstellungen für Namensänderung etc an. Es geht um gewisse Muster im Umgang besonders mit den Azubis, welche sich in ihrer Ausbildung als trans* outen und die Kommunikation mit ihnen. Eigentlich sehr Clever, nichts wogegen man klagen könnte, aber genug um sich unwohl zu fühlen.