Viel gelernt: Vor allem darüber, wie Vertrieb und Führung nicht funktionieren sollten.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Aufgabe und das Produkt sind grundsätzlich spannend, insbesondere für Menschen, die gerne beratend im B2B-Umfeld arbeiten. Mobiles Arbeiten und die damit verbundene Flexibilität waren für mich klare Pluspunkte. Auch die Vergütung war fair. Besonders positiv bleiben für mich einige Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich sehr gerne zusammengearbeitet habe.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Vor allem die Führungs- und Vertriebskultur. Eine aus meiner Sicht problematische Konstellation aus Teamleitung und gleichzeitigem operativem Eigenvertrieb, eine nicht transparente Leadverteilung und eine unzureichende Einarbeitung.
Mit dem späteren Head of Sales hatte ich zunächst große Hoffnung auf eine Professionalisierung. Stattdessen rückten Aktivitätskennzahlen, Kaltakquise, Schlagzahl und eine Verkaufsphilosophie in den Vordergrund, die mit meinem Verständnis von beratendem B2B-Vertrieb nicht vereinbar ist.
Besonders kritisch sehe ich den Ansatz, den „Pain“ eines Kunden emotional möglichst stark zu verstärken, um anschließend die eigene Lösung entsprechend zu positionieren. Kunden überzeugen: unbedingt. Kunden emotional unter Druck setzen: nicht mein Verständnis von Vertrieb.
Hinzu kommen teilweise wenig wertschätzende und herablassende Kommunikation sowie ein Führungsverständnis, mit dem ich mich nicht identifizieren kann.
Auch der Umgang nach meinem Ausscheiden hat meine Entscheidung letztlich noch einmal bestätigt.
Verbesserungsvorschläge
Weniger „Head of“, mehr echte Führung.
Vertriebsführung und operativen Eigenvertrieb sauber voneinander trennen und für eine transparente und faire Leadverteilung sorgen. Neue Mitarbeitende bei einem komplexen ERP-Produkt strukturiert einarbeiten und ihnen tatsächlich die Voraussetzungen geben, erfolgreich zu werden.
Vertrieb nicht primär über Schlagzahl, Kaltakquise und Terminquoten definieren, sondern über Qualität, Beratung und echten Kundennutzen.
Führung sollte Menschen entwickeln, ihnen den Rücken stärken und konstruktiv mit unterschiedlichen Sichtweisen umgehen. Wertschätzung und Kommunikation auf Augenhöhe sollten dabei keine Floskeln sein.
Und vielleicht am wichtigsten: Kunden sind keine Gegner, die man erst emotional „in den Schmerz“ führen muss, um ihnen anschließend etwas verkaufen zu können. Nachhaltiger Vertrieb entsteht für mich durch Vertrauen, Kompetenz und einen echten Mehrwert.
Gute Unternehmenskultur zeigt sich außerdem nicht nur während eines Arbeitsverhältnisses, sondern auch darin, wie man mit Menschen umgeht, wenn sie das Unternehmen verlassen.
Arbeitsatmosphäre
Im direkten Kollegenkreis teilweise sehr angenehm. Überschattet wurde das für mich jedoch durch die Führungskultur, mangelnde Wertschätzung und einen Umgangston, den ich teilweise als herablassend erlebt habe.
Kommunikation
Häufig wenig transparent und nicht auf Augenhöhe. Entscheidungen und Erwartungen wurden teilweise unklar oder widersprüchlich kommuniziert, konstruktiver Austausch kam dabei aus meiner Sicht zu kurz.
Kollegenzusammenhalt
Unter den Kolleginnen und Kollegen überwiegend gut. Ich habe mit vielen Menschen sehr gerne zusammengearbeitet und den gegenseitigen Austausch und die Unterstützung geschätzt.
Work-Life-Balance
Durch die flexible Arbeitsgestaltung und die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten grundsätzlich sehr gut. Hier gab es für mich wenig zu kritisieren.
Vorgesetztenverhalten
Für mich der größte Kritikpunkt. Wenig Wertschätzung, teilweise herablassende Kommunikation und ein Führungsverständnis, das mit meinem Verständnis von respektvoller und guter Mitarbeiterführung nicht vereinbar ist.
Interessante Aufgaben
Die Aufgabe und das Produkt fand ich grundsätzlich spannend. Gerade der beratende Vertrieb einer komplexen ERP-Lösung bietet viel Potenzial – wenn man den nötigen Raum bekommt, ihn auch als solchen zu betreiben.
Gleichberechtigung
Eine direkte Benachteiligung aufgrund meines Geschlechts habe ich nicht erlebt. Auffällig war allerdings die sehr klassische Rollenverteilung im Vertrieb: Die Führungspositionen waren männlich besetzt, während das Telesales-Team aus Frauen bestand. Wirklich zeitgemäß wirkte diese Struktur auf mich nicht.
Umgang mit älteren Kollegen
Hier habe ich keine nennenswerten negativen Erfahrungen gemacht.
Arbeitsbedingungen
Grundsätzlich gute Arbeitsbedingungen, insbesondere durch die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten und eine flexible Gestaltung des Arbeitsalltags. An den technischen und organisatorischen Rahmenbedingungen hatte ich wenig auszusetzen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Für mich im Arbeitsalltag weder besonders positiv noch negativ aufgefallen. Daher eine neutrale Bewertung
Gehalt/Benefits
Das Gehalt war fair und die zusätzlichen Rahmenbedingungen insgesamt gut. Insbesondere Firmenwagen und mobiles Arbeiten waren klare Pluspunkte. An der Vergütung lag meine Entscheidung, das Unternehmen zu verlassen, definitiv nicht.
Image
Nach außen wird ein modernes und wertschätzendes Unternehmensbild vermittelt. Meine Erfahrungen im Arbeitsalltag, insbesondere mit Teilen der Führungskultur, haben für mich allerdings nicht immer zu diesem Bild gepasst.
Karriere/Weiterbildung
Eine strukturierte Einarbeitung und gezielte fachliche Weiterentwicklung habe ich vermisst. Gerade bei einem komplexen ERP-Produkt wäre hier deutlich mehr notwendig gewesen. Klare Entwicklungsperspektiven oder Karrierewege waren für mich ebenfalls nicht erkennbar.

