Gut am Arbeitgeber finde ich
Besonders positiv waren für mich der Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung unter den Kolleginnen und Kollegen. Auch unter schwierigen Arbeitsbedingungen haben viele versucht, sich gegenseitig zu helfen und den Arbeitsalltag gemeinsam zu bewältigen. Die eigentliche Tätigkeit im Kundenservice hat mir grundsätzlich gefallen, und über die Jahre konnte ich mir umfangreiches Fachwissen aneignen. Der kollegiale Zusammenhalt und die Arbeit selbst waren für mich die größten Pluspunkte bei Techem.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Besonders kritisch sehe ich den starken Kontrolldruck, die umfassende Überwachung der Mitarbeitenden und die fehlende Bereitschaft, Probleme nachhaltig zu lösen. Eine Kontrollsoftware erfasste regelmäßig Klickaktivitäten, zusätzlich wurde die Bearbeitung offener und abgeschlossener Fälle laufend überwacht. In Verbindung mit eng gesetzten Leistungsvorgaben, regelmäßigen Zahlenvergleichen und strengen Zeitvorgaben entstand für mich eine Atmosphäre ständiger Kontrolle und Rechtfertigung statt Vertrauen und Eigenverantwortung. Dabei wurde die Komplexität der einzelnen Fälle aus meiner Sicht zu wenig berücksichtigt.
Auch fachliche Unterstützung und konstruktives Feedback kamen zu kurz. Verbesserungsvorschläge, Mitarbeiterbefragungen und Hinweise auf Überlastung führten nicht zu erkennbaren Veränderungen. Der Umgang mit gemeldeten Datenschutzvorfällen hat mein Vertrauen in die Führung zusätzlich beeinträchtigt. Hinzu kommen wenig attraktive Gehaltsentwicklungen, fehlende Sonderzahlungen und eingeschränkte Flexibilität bei der Arbeitszeitgestaltung. Insgesamt habe ich zu wenig Wertschätzung, Vertrauen und echtes Interesse an den Anliegen der Mitarbeitenden erlebt.
Verbesserungsvorschläge
Ich empfehle Techem, die Führungskultur grundlegend zu verbessern und Mitarbeitende stärker einzubeziehen. Führungskräfte sollten fachlich kompetent sein, konstruktive Unterstützung bieten, Kritik ernst nehmen und bei Problemen Verantwortung übernehmen. Statt einer übermäßigen Kontrolle durch Kennzahlen sollte der Fokus stärker auf Qualität, realistischen Leistungszielen und der tatsächlichen Komplexität der Fälle liegen.
Datenschutzvorfälle müssen konsequent aufgearbeitet und geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um eine erneute Offenlegung von Mitarbeiterdaten zu verhindern. Rückmeldungen, Verbesserungsvorschläge und Überlastungsanzeigen sollten zu nachvollziehbaren Maßnahmen führen, statt folgenlos zu bleiben. Zudem wünsche ich mir mehr Vertrauen, Wertschätzung, transparente Kommunikation und eine bessere Berücksichtigung der Mitarbeiterbelastung bei der Personal- und Arbeitsplanung. Regelmäßige Mitarbeiterbefragungen sollten ernst genommen und die daraus abgeleiteten Verbesserungen sichtbar umgesetzt werden.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre war zunehmend angespannt und von einer ausgeprägten Kontrollkultur geprägt. Die Arbeitsleistung wurde engmaschig überwacht, unter anderem durch eine Software, die Klicks in 30-Minuten-Intervallen erfasst. Zusätzlich wurde kontinuierlich kontrolliert, wie viele Vorgänge abgeschlossen wurden. In regelmäßigen Coachings, die aus meiner Sicht eher Controllinggespräche als echte Unterstützung waren, standen vor allem Kennzahlen im Mittelpunkt.
Es gab Vorgaben zur maximalen Gesprächsdauer am Telefon mit Kunden und eine Mindestanforderung von 30 bearbeiteten Fällen pro Tag, unabhängig vom tatsächlichen Umfang und der Komplexität der einzelnen Anliegen. Insgesamt entstand dadurch ein Arbeitsumfeld, in dem Zahlen und Kontrolle stärker im Vordergrund standen als Vertrauen, Qualität und die tatsächlichen Anforderungen der Arbeit.
Image
Mein Eindruck vom Image bei den Kunden ist eher kritisch. Aus meiner Erfahrung führen Fehler und Schwierigkeiten in der Kundenbetreuung immer wieder zu Unzufriedenheit. Auch die öffentlich zugänglichen Kundenbewertungen vermitteln aus meiner Sicht ein kritisches Bild.
Dabei sollte allerdings zwischen dem Unternehmen als Marke und den Mitarbeitenden unterschieden werden, die täglich versuchen, Kundenanliegen zu lösen. Gerade im Kundenservice wäre es wichtig, Mitarbeitende durch funktionierende Prozesse, ausreichende Unterstützung und realistische Rahmenbedingungen in die Lage zu versetzen, gute Arbeit zu leisten. Wenn interne Abläufe nicht funktionieren, wirkt sich das letztlich auch auf die Kundenzufriedenheit und das Image des Unternehmens aus.
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance war früher tatsächlich gut, hat sich im Laufe der Zeit jedoch deutlich verschlechtert. Mit kurzer Vorlaufzeit eingeführte Personaleinsatzpläne und zunehmend starre Vorgaben schränkten die Flexibilität bei der Nutzung der Gleitzeit erheblich ein. Gleichzeitig sollten keine Überstunden mehr aufgebaut werden, obwohl das Arbeitsaufkommen aus meiner Sicht dringend zusätzliche Arbeitszeit erforderlich machte.
Besonders widersprüchlich empfand ich, dass Überstunden dann doch wieder möglich waren, wenn der Arbeitgeber entsprechenden Bedarf sah. Die Flexibilität orientierte sich damit vor allem an den betrieblichen Interessen und deutlich weniger an den Bedürfnissen der Beschäftigten. Die frühere Eigenverantwortung bei der Arbeitszeitgestaltung ging dadurch zunehmend verloren.
Karriere/Weiterbildung
Trotz guter Bewertungen und positiver Jahresgespräche wurden mir während meiner Zeit bei Techem keine konkreten Entwicklungsmöglichkeiten oder gezielten Förderangebote unterbreitet. Eine proaktive Förderung meiner fachlichen oder beruflichen Weiterentwicklung habe ich nicht wahrgenommen.
Ich habe mir über die Jahre umfangreiches Fachwissen angeeignet und dieses im Arbeitsalltag eingebracht. Umso enttäuschender war es, dass daraus aus meiner Sicht keine erkennbaren Entwicklungsperspektiven entstanden. Gute Leistungen und langjährige Erfahrung sollten nicht nur im Jahresgespräch positiv bewertet werden, sondern sich auch in konkreten Weiterbildungsangeboten, Entwicklungsmöglichkeiten und beruflichen Perspektiven widerspiegeln.
Gehalt/Benefits
Die Vergütung empfand ich im Vergleich zu den Anforderungen und dem erforderlichen Fachwissen als deutlich zu niedrig. Nach meiner Einschätzung zahlen Wettbewerber wie ista oder Brunata für vergleichbare Tätigkeiten teilweise deutlich bessere Gehälter.
Urlaubs- und Weihnachtsgeld gibt es nach meiner Erfahrung nicht. Gehaltserhöhungen sind schwer zu erreichen, und selbst nach längeren Wartezeiten fallen sie häufig überschaubar aus, beispielsweise in einer Größenordnung von 100 Euro brutto. Als zusätzliche Leistung sind mir insbesondere vermögenswirksame Leistungen von 40 Euro bekannt.
Besonders demotivierend finde ich die aus meiner Sicht fehlende Wertschätzung langjähriger Mitarbeitender: Nach meiner Erfahrung wurden neue Beschäftigte teilweise mit deutlich höheren Gehältern eingestellt, obwohl ihnen das über Jahre aufgebaute Fachwissen noch fehlte. Gerade diejenigen, die die Abläufe kennen, komplexe Fälle bearbeiten und den Betrieb mit ihrem Erfahrungswissen unterstützen, sollten angemessen vergütet werden. Insgesamt sehe ich hier erheblichen Verbesserungsbedarf bei Vergütung, Gehaltsentwicklung und der Wertschätzung von Erfahrung.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Techem präsentiert sich nach außen als Unternehmen mit einem ausgeprägten Umweltbewusstsein. Umso weniger nachvollziehbar finde ich die Einschränkung des zuvor großzügigeren Homeoffice-Modells. Während früher ein Bürotag pro Woche ausreichte, wurden später drei Bürotage pro Woche vorgesehen.
Aus meiner Sicht führt eine solche Änderung zu zusätzlichen Pendelwegen und damit zu vermeidbaren CO₂-Emissionen. Das steht für mich zumindest im Widerspruch zu dem Anspruch, Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit im Unternehmen zu fördern. Gerade bei Tätigkeiten, die sich grundsätzlich auch von zu Hause erledigen lassen, hätte ich mir mehr Konsequenz bei der Umsetzung dieses Anspruchs gewünscht.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt war für mich einer der wenigen wirklich positiven Aspekte bei Techem. Mit meinen Kolleginnen und Kollegen habe ich mich hervorragend verstanden. Der Großteil des Teams hielt zusammen, unterstützte sich gegenseitig und half bei fachlichen und alltäglichen Herausforderungen.
Meine Kolleginnen und Kollegen haben wesentlich dazu beigetragen, dass ich die schwierige Situation überhaupt so lange durchstehen konnte. Der Austausch und die gegenseitige Unterstützung haben mir den Arbeitsalltag deutlich erleichtert. Ohne diesen Zusammenhalt wäre meine Zeit bei Techem vermutlich noch wesentlich schwieriger gewesen.
Umgang mit älteren Kollegen
Dazu kann ich nur eingeschränkt eine persönliche Einschätzung abgeben. Im Rahmen von Umstrukturierungen habe ich jedoch erlebt, dass auch langjährige Mitarbeitende mit 20 oder 30 Jahren Betriebszugehörigkeit das Unternehmen verlassen mussten oder ihnen Aufhebungsverträge angeboten wurden. Das hat bei mir Fragen zum Stellenwert langjähriger Erfahrung und Loyalität gegenüber dem Unternehmen aufgeworfen. Eine abschließende Bewertung des Umgangs mit älteren Beschäftigten kann ich daraus allein nicht ableiten.
Vorgesetztenverhalten
Das Vorgesetztenverhalten war für mich der schwerwiegendste Kritikpunkt und ein wesentlicher Grund für meinen Weggang. Die fachliche Unterstützung war unzureichend, Gespräche auf Augenhöhe kaum möglich.
Besonders problematisch waren mehrere Datenschutzverstöße, bei denen Performance-Kennzahlen von Mitarbeitenden über SharePoint einsehbar waren. Dies führte zu Unmut im Team und erhöhte bei einigen den Leistungsdruck zusätzlich. Trotz wiederholter Meldungen an das Datenschutzteam erfolgte aus meiner Sicht keine ausreichende Aufarbeitung. Statt sich beim Team zu entschuldigen, wurde eher denjenigen die Verantwortung zugeschrieben, die die Zahlen eingesehen hatten; zudem wurden Konsequenzen angedroht.
Auch Gespräche mit der Führungskraft, die Einschaltung des Betriebsrats, eine Überlastungsanzeige und die Bitte um Unterstützung bei der nächsthöheren Führungsebene führten zu keiner nachhaltigen Verbesserung. Ich hätte mir mehr fachliche Kompetenz, Wertschätzung und die Bereitschaft gewünscht, Verantwortung zu übernehmen und Probleme ernsthaft zu lösen.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen waren aus meiner Sicht zunehmend von Leistungsdruck und engmaschiger Kontrolle geprägt. Die Erfassung von Klicks, die laufende Überwachung der Fallzahlen und die regelmäßigen Gespräche über Kennzahlen vermittelten mir den Eindruck, dass die Leistungssteigerung vor allem durch Kontrolle erreicht werden sollte.
In Meetings wurde wiederholt darauf hingewiesen, dass einzelne Kolleginnen und Kollegen angeblich 50 oder 60 Vorgänge am Tag bearbeiteten und man sich daran orientieren solle. Dabei wurde aus meiner Sicht zu wenig berücksichtigt, dass sich Umfang und Komplexität der Fälle erheblich unterscheiden können. Eine reine Betrachtung der Fallzahlen wird der tatsächlichen Arbeitsleistung und der Qualität der Kundenbetreuung nicht gerecht.
Besonders kritisch sehe ich, dass die hohe Arbeitsbelastung trotz wiederholter Hinweise, einer Überlastungsanzeige und der Einbeziehung des Betriebsrats nicht ausreichend entschärft wurde. Ich hätte mir realistische Leistungsanforderungen, eine bessere Personalplanung und mehr Vertrauen in die Mitarbeitenden gewünscht.
Kommunikation
Verbesserungsvorschläge und konstruktive Kritik verlaufen aus meiner Erfahrung häufig im Sande. Egal, welche Probleme man anspricht oder welche konkreten Ideen zur Verbesserung von Prozessen man einbringt, häufig gibt es kein Feedback und keine erkennbare Veränderung. Auch unternehmensinterne Umfragen, in denen Mitarbeitende Verbesserungspotenzial benennen sollen, haben aus meiner Sicht nicht zu spürbaren Verbesserungen geführt.
Besonders frustrierend ist, dass Mitarbeitende zwar aufgefordert werden, Probleme anzusprechen, anschließend aber häufig nicht nachvollziehbar ist, was mit den Rückmeldungen passiert. Eine offene Feedbackkultur sieht für mich anders aus.
Gleichberechtigung
ch persönlich habe bei Techem keine konkreten negativen Erfahrungen mit Ungleichbehandlung oder fehlender Gleichberechtigung gemacht. Diesen Punkt kann ich daher nicht fundiert negativ bewerten.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben waren grundsätzlich in Ordnung und insbesondere durch die Bearbeitung von Kundenanliegen durchaus sinnvoll. Über die Jahre habe ich mir ein umfangreiches Fachwissen aufgebaut, mit dem ich auch komplexere Sachverhalte bearbeiten und Kunden weiterhelfen konnte.
Nach längerer Betriebszugehörigkeit fehlten mir allerdings zunehmend neue fachliche Herausforderungen. Mein vorhandenes Wissen ermöglichte es mir, viele Vorgänge routiniert zu bearbeiten. Die Tätigkeit selbst war für mich nicht der Hauptgrund für meine Unzufriedenheit. Vielmehr waren es die Rahmenbedingungen, die fehlende Unterstützung und die zunehmende Kontrolle, die mir die Freude an der Arbeit genommen haben.