Soziale Nachhaltigkeit? Fehlanzeige!
Gut am Arbeitgeber finde ich
- tolle Produkte (wenn auch mittlerweile sehr süß)
- spannende Aufgaben
- Fokus auf ökologische Nachhaltigkeit
- viele sympathische, intelligente, engagierte Kolleg*innen
- schönes Büro
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die Mitarbeitenden werden systematisch für die Zielerreichung des Unternehmens ausgenutzt. Hire & Fire ist hier die Devise.
Weiter Punkte siehe oben.
Verbesserungsvorschläge
- die Dinge nicht unnötig verkomplizieren (z.B. weniger verschieden Tools für die Kommunikation)
- Klarheit beim Thema Organisationsform/-struktur schaffen
- klare Prioritäten setzen und durchziehen, statt alles auf einmal zu wollen
- besser betriebswirtschaftlich planen, insb. finanziell
- Offenheit und vor allem Ehrlichkeit auch ganz oben leben, statt nur von den Mitarbeitenden zu erwarten
- in die Kompetenzen der Mitarbeitenden vertrauen, statt sie zu kontrollieren
- sich ehrlich dafür interessieren, wie es den Mitarbeitenden geht
- das Thema psychologische Sicherheit der Mitarbeitenden in den Fokus rücken
- Partner wirklich auf Augenhöhe behandeln, statt sie unter Druck zu setzen
- idealerweise externe Manager für die Unternehmensleitung engagieren
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre habe ich zunächst als sehr kollegial, mit der Zeit aber leider als sehr von Kontrolle und Druck geprägt empfunden. Mir ging es, als ich bei the nu company gearbeitet habe, mental leider nicht besonders gut.
Nach der Onboarding-Woche hatte die Atmosphäre ganz anders erwartet. Details siehe unten.
Image
Die Außenwirkung war und ist soweit ich weiß sehr gut - ein junges, hippes, nachhaltigkeitsorientiertes Start-up. Ich war zu Beginn sehr stolz, Teil des Unternehmens zu sein.
Wenn man hinter die Fassade blickt, ist das Image jedoch nicht besonders gut, wie oben beschrieben. Auch der Umgang mit einigen Partnern war mitunter fragwürdig (manipulativ und von Druck geprägt), was sich sicherlich herumsprechen wird. Daher gibt es hier nur drei Sterne.
Work-Life-Balance
Zu meiner Zeit (2022) war meine Work-Life-Balance wirklich schlecht. In manchen Wochen musste ich selbst freitags am späten Abend noch für meinen Vorgesetzten verfügbar sein. Durch ein extrem hohes Pensum gelang es mir selbst am Wochenende nicht, an etwas anderes zu denken, als an die Arbeit, wodurch mein Privatleben sehr litt. Ich hatte jeden Tag das Gefühl, zu 100% funktionieren zu müssen und spürte einen sehr hohen Druck. Wie ich mitbekam, war ich nicht die Einzige, der es so ging.
Die "Vertrauensarbeitszeit" wurde als Vorteil für die Mitarbeitenden angepriesen und entpuppte sich als großer Nachteil. Wie soll man auch seine Überstunden ausgleichen, wenn man morgens + am späten Nachmittag noch Meetings hat?
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildung läuft über Bücher, die man nach Feierabend oder am Wochenende lesen soll. Diese werden aber nicht besprochen. Was man aus dem Wissen macht, ist an einem selbst.
Die Bücher zum Thema Organisationsform/-entwicklung fand ich spannend, jedoch haben sie mir gleichzeitig gezeigt, dass the nu company nicht in der Lage war, das zu leben, was man sich vorgenommen hatte. Die Bücher haben im Endeffekt nur noch mehr Fragezeichen im Kopf verursacht, als aufzuklären.
Gehalt/Benefits
Mein Gehalt habe ich als fair empfunden, hier konnte ich nicht meckern. Lediglich bei den viel beworbenen fiktiven Firmenanteilen der Mitarbeitenden, die ein Gehaltsbestandteil waren, hatte ich das Gefühl, es mit einem Schwindel zutun zu haben, da man sie nach Ausscheiden aus der Firma wieder verlor.
Großer Pluspunkt ergänzend zum Gehalt:
Es gibt im Büro täglich frisch gekochtes veganes Mittagessen (sehr lecker!) sowie Kaffee, Tee, Obst, Nüsse, natürlich Schokolade etc.
Für die Verköstigung ist gesorgt.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Ökologische Nachhaltigkeit wurde stark forciert und nach außen kommuniziert, jedoch in der Wertschöpfungskette nicht immer als Priorität behandelt - klar, dass man als Unternehmen den Spagat zwischen Ökologie und Ökonomie meistern muss.
Soziale Nachhaltigkeit wurde jedoch kaum berücksichtigt, siehe "Work-Life-Balance". Mitarbeitende wurden bei Engpässen und vorhandenen Budgets eingestellt und durften, wenn sie nicht mehr gebraucht wurden, nach vielen geleisteten unbezahlten Überstunden wieder gehen. Klar, ein Start-up hat mit vielerlei Unsicherheiten zu kämpfen, aber meine Vermutung ist, dass eine bessere betriebswirtschaftliche Planung und Steuerung auch eine stabilere Personalplanung ermöglicht hätte.
Kollegenzusammenhalt
Bei the nu company habe ich einige Kolleg*innen kennengelernt, die persönlich und fachlich wirklich top waren. Schlau, engagiert und hilfsbereit. Der Zusammenhalt war entsprechend gut - ich möchte Einige wirklich sehr gern. Lediglich in den größten Stressphasen hat das Miteinander manchmal gelitten.
Umgang mit älteren Kollegen
Zu meiner Zeit wurden mehr erfahrene Kolleg*innen eingestellt, das zuvor. Hinsichtlich des Umgangs habe ich nie etwas Negatives mitbekommen. Generell waren aber kaum ältere Kolleg*innen im Kollegium - logisch bei einem Start-up.
Vorgesetztenverhalten
Mit meinem Vorgesetzten hatte ich leider große Differenzen. Nach einem guten Start musste ich nach einiger Zeit feststellen, dass ich geblendet wurde und dass statt der gepredigten agilen Werte massiv Kontrolle und Mikromanagement betrieben wurde, da anscheinend kein Vertrauen in die Entscheidungen und Kompetenzen der Mitarbeitenden vorhanden war. Damit wurden Ineffizienzen in die Höhe getrieben und die Motivation sank deutlich. Ich hatte nie das Gefühl, dass sich meine Führungskraft wirklich dafür interessiert hat, wie es mir geht. Hautsache ich habe jeden Tag zu 100% funktioniert. Rückblickend habe ich realisiert, dass mutmaßlich narzisstische und machiavellistische Züge für dieses Verhalten verantwortlich waren und dass der größte Faktor für meinen Ausstieg tatsächlich das Vorgesetztenverhalten war.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsumgebung zu meiner Zeit war geprägt von Umzügen und Unruhe. Das neue Büro ist zumindest sehr schön geworden. Der Geräuschpegel im Großraumbüro hat mich in Stressphasen ganz schön belastet. Es gibt höhenverstellbare Schreibtische und große Fenster.
Kommunikation
Es wird viel intern kommuniziert - in Meetings und auf verschiedenen Plattformen und Tools - allerdings sehr sehr ineffizient.
Das Management gibt regelmäßig Updates zur Strategie und zu Unternehmenszahlen, was ich immer als sehr gut empfunden habe.
Echte Wertschätzung war in der Kommunikation der Führungskräfte mitunter etwas unterrepräsentiert.
Gleichberechtigung
Bei the nu company haben seit jeher (außer unter den Gründern) viele Frauen gearbeitet. Ich hatte meist das Gefühl, dass das Geschlecht beim Umgang miteinander keine Rolle spielt. Lediglich einmal habe ich mitbekommen, dass eine Kollegin kurz vor Ende ihrer Elternzeit plötzlich entlassen wurde.
Interessante Aufgaben
Ja, die Aufgaben waren durchaus interessant und vielfältig, auch wenn ich mich deutlich mehr "operativ durchwurschteln" musste, als - wie ich angenommen hatte - strategisch arbeiten zu können.