Tatsächlich traumhafte Firma, die leider falsch geführt wird, und unverständlicherweise einfach nicht dazulernen möchte
Gut am Arbeitgeber finde ich
Super Branding, immer wieder gute Visionen, und interessanterweise auch Zusammenhalt, wenn es echt eng wurde. Profis schaffen das aber vor allem dann, wenn es nicht eng ist und erreichen so Wachstum. Ich glaube nach wie vor an das Potential und wäre sogar bereit, einmal einen Tag vorbeizukommen um meine Gedanken nach gut 2 Jahren Abstand konstruktiv zu teilen.
In der langen Zeit bei Ventum habe ich es zum Glück immer wieder geschafft, mit den relevanten Menschen on the same page zu kommen. Leider blieb es bei individuellen Verbesserungen, die durch ganzheitlich vorhandene Probleme wiederum nicht ausgeschöpft werden konnten. Es bringt halt nichts, wenn man Vorteile bekommt, die durch ein schlechtes Ökosystem beeinträchtigt werden.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Offensichtliches gegen die Wand fahren und Ignoranz gegenüber Mitarbeitern, die wirklich etwas ändern könnten. Anstelle das Muster zu erkennen, dass diese nach dem Verlassen der Firma in anderen Unternehmen richtig Karriere machen und vielleicht valide Punkte hatten, wird nur nach vorne geschaut - aber bei vollkommener Missachtung wiederkehrender Fehler. Das ist sehr schade und es wäre ein Herzenswunsch, Ventum einmal wieder zu besuchen, Learnings zu reflektieren und klare Probleme zu benennen. Ich bin mir leider ziemlich sicher, dass dies nie geschehen wird, obwohl sehr viele, die diese Bewertung lesen werden, sofort wissen wer sie geschrieben hat. Eine ausgestreckte Hand von jemand, der fast 10 Jahre alles in seiner Macht stehende versucht hat, um das Unternehmen nach vorne zu bringen, muss man eben auch annehmen können - und ich glaube, dafür ist der Stolz zu gross. Die Hand bleibt ausgestreckt...
Verbesserungsvorschläge
Ich kenne Ventum bereits seit dem Jahr der Gründung in 2005 und war 9 Jahre dort beschäftigt. In dieser Zeit hatte ich die Möglichkeit, auf zahlreiche Punkte einzuwirken, die dem Unternehmen noch heute im Weg stehen:
1. Kein Vertrieb und keine ernsthafte Erwartung an Mitarbeiter, vertrieblich aktiv zu sein. Wer so tut als ob, wird teils besser behandelt als diejenigen, die wirklich hustlen. Wenn man darauf hinweist, dass es schon auch eine Teamaufgabe ist, wird so getan, als wäre man selber schuld, dass nichts geht. Dieses feste Muster habe ich in den letzten 2-3 Jahren meiner Karriere dort explizit extrapoliert und transparent gemacht. Aber man will es halt nicht glauben.
2. Fehlende Medienkompetenz und ausschliesslich Sichtbarkeit durch diejenigen, welche intrinsisch Dinge treiben. Ventum hat mehrfach exzellente Möglichkeiten gehabt, hier richtig was zu reissen - aber halt nie kapiert, dass man sonst auf der Stelle treten wird. Heute ist das Unternehmen medial unsichtbar.
3. Klares Ansprechen, behandeln und eliminieren toxischer Verhaltensweisen derer, die aufgrund Umsatz und Status meinen, sich wie die Axt im Wald benehmen zu können. Wirtschaftlich etwas zu schaffen und auf dem Leadership-Level eine Pfeiffe zu sein funktioniert aber in dieser Branche grundsätzlich sehr gut, weshalb man unbeirrt daran festhält. Den Stunt, einen unerfahrenen GF einzusetzen, der in den ersten Monaten gleich mal Allüren entwickelt und sich lächerlich macht, sollte man nun auch bitte zurückrollen.
4. Prinzipell sollte von der vordergründig gelebten Harmonie dort abgewichen werden, wo das Nicht-Nachhalten von Beschlüssen echte Konsequenzen hat. Dies müsste jedoch von oben herab gelebt werden, und genau dort geschieht, was man eigentlich um jeden Preis vermeiden will: Dass diejenigen, welche aufgrund von Umsatz das Unternehmen am Laufen halten, nicht accountable sind, sondern nur Ansagen machen dürfen. Die Incentivierung dieser Rollen durch echte KPIs, die nicht im Excel-sheet stehen sondern im Unternehmen durch Kultur und Qualität sichtbar werden, wäre ein Weg, dies zu erreichen.
Arbeitsatmosphäre
Für eine Beratung gut, jedoch sehr abhängig von Projekt und Partnern.
Image
Innerhalb der München-Bubble und in Automotive gut, aber mehr nicht.
Work-Life-Balance
Man wird nicht verheizt
Karriere/Weiterbildung
Interessanterweise exzellent, verrückt, ist aber so.
Gehalt/Benefits
Das war okay
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Nach Aussen groß, nach Innen darf es eher nichts kosten. Übliches Greenwashing, und sehr empflindliche Reaktionen, wenn man es anspricht.
Kollegenzusammenhalt
Beratungsdurchschnitt - Mindset: "was mir nichts bringt, unterstütze ich nicht"
Umgang mit älteren Kollegen
Keine aktive Förderung echter Experten, wodurch aus dem Unternehmen halt nie etwas relevantes geworden ist. Extrem schade, weil vermeidbar.
Vorgesetztenverhalten
Je nach Partner oder Principal - da war von oberflächlich-druckvoll bis charming-careless vieles dabei. Grundsätzlich hatte ich keinen wirklich guten Vorgesetzten, eher ziemlich komische Persönlichkeiten, die durch Coaching glaubten, ihre Defizite kompensieren zu können.
Arbeitsbedingungen
Soweit alles bestens, wenngleich man Designerstühle auch nach Komfort aussuchen könnte.
Kommunikation
Grundsätzlich eher positiv und proaktiv.
Gleichberechtigung
Ok, mit dem üblichen Tenor "mehr Frauen" und "mehr Diversität", obwohl davon m.E. genug vorhanden war. Man ist halt woke und findet's toll.
Interessante Aufgaben
Die muss man sich selber suchen und verteidigen.