Gut am Arbeitgeber finde ich
Neben dem Burnout nahen Zustand erhielt ich ein wirklich breites und vertieftes Verständnis zu diversen Störungsbildern. Ich bin jetzt geübt auch Krisen gut zu handeln und fühle mich im Vergleich zu befreundeten PiAs wirklich erfahren.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Hohe Quote, hohe Arbeitsbelastung, ich habe mich nicht geschützt und unterstützt gefühlt. Meine Kenntnisse habe ich mir nach meinem Empfinden größtenteils selbst erarbeitet, damit ich den diversen Bedürfnissen der komplexerkrankten Pat gerecht werde.
Verbesserungsvorschläge
Wir haben so viele verbesserungsvorschläge gegeben. Auch die Supervisoren, die dort angestellt sind gaben mir gegenüber an, dass die Quote (welche wiederholt erhöht wurde) zu hoch für junge PiAs sei. Es hat sich über die drei Jahre nichts daran geändert, sondern verschlimmert.
Arbeitsatmosphäre
Innerhalb der Kohorte herrschte ein grundlegendes Gefühl von Zusammengalt. Allerdings haben alle Kommilitonen immer wieder und auch anhaltend Überforderung, Erschöpfung und Enttäuschung gegenüber dem MVZ angegeben. Die Quote schien das einzig relevante zu sein, auf das von meiner Teamleitung geachtet wurde.
Karrierechancen
Es besteht meist die Chance schon während der Ausbildung dort aufzusteigen und Teamleitende Tätigkeiten zu übernehmen. Innerhalb der Kohorten munkelt man, dass das an fehlenden externen Bewerbern liegt. Das kann ich natürlich nicht nachvollziehen.
Arbeitszeiten
Die darf man selbst wählen… wie soll es anders sein, ist natürlich auch hier ein Haken. Man muss zwei Mal die Woche ranführen abdecken. Einen für mich „normalen“ arbeitsrythmus zu haben ging deshalb nicht. Ich habe zwei mal die Woche erst Mittags angefangen und dann bis 19:30 Uhr gearbeitet. Auch das fand ich persönlich erschöpfend. Ebenfalls gab es in der Planung meiner Gruppen durch das Patientenmanagement wiederholt Fehler, weswegen ich teilweise drei mal die Woche so spät arbeiten musste. Eine Änderung der Arbeitszeit benötigt ein von der Teamleitung unterschriebenes Dokument, was an die Personalabteilung geht. Auch hier gab es den Running gag, dass auf dem Weg dorthin so einiges verschwindet. Für mich persönlich hieß das eben mehrfach dieses Dokument über Wochen loszuschicken und nach Monaten meine Arbeitszeit umstellen zu dürfen.
Ausbildungsvergütung
Man zahlt für seine Ausbildung. im vergleich zu befreundeten PiAs die extern arbeiteten schien ich jeweils das geringste Gehalt zu erreichen, bei deutlich höherer Anzahl an zu behandelnden Pat.
Die Ausbilder
Über meine Zeit haben eine Menge Ausbilder gekündigt, weswegen zuletzt nurnoch ein kleines Team bestand. Es wird versucht die Lehre möglichst divers und auch mit interessanten Seminaren (Schematherapie, DBT, Existenzielle Psychotherapie etc) zu belegen. Allerdings findet eine wirklich angeleitete Vertiefung in der Internen supervision nicht statt. Die Supervision wird durch den Mangel an alteingesessenen Experten meist durch gerade Approbierte durchgeführt, die ebenfalls häufig nur wenige Monate bleiben. Dennoch sind hier die wenigsten Mängel. Ich würde sogar behaupten, dass man nach der Ausbildung ziemlich gut aufgestellt ist. Das liegt aber zumindest bei mir und nach meinem persönlichen Empfinden daran, dass ich ohne jegliche Übungsphase eine hohe Quote an Patienten mit diversen Störungsbildern von Anfang bis Ende abarbeiten musste. Mir war vor Beginn der Ausbildung nicht bewusst, dass für ein Ausbildungsinstitut wirklich viele komplex erkrankte Patientinnen mit Störungsbildern von A bis Z dort eben durch unerfahrene PiAs behandelt werden. Üblicherweise startet man stationär, in einem Team, mit einem spezifischen Störungsbild das eben auf dieser Station behandelt wird. Hier nicht
Spaßfaktor
Die Erfüllung der Quote hat mir jeglichen Spaß genommen. Diese ist deutlich über dem, was nach meinem Empfinden in anderen Ausbildungsinstituten bei Freundinnen von mir gefordert wurde. Es war für mich kaum machbar, nacharbeiten und Schlafstörungen waren das Resultat. Erfüllte ich die Quote nicht, wurde ich zu sogenannten Quotengesprächen eingeladen, wo gemeinsam geschaut wurde, wie ich das Pensum wieder erreichen kann. Um das Pensum einmal zu erklären: Ich arbeitete 25 Std und die Minedstanzahl an Pat waren 15 Pat und die Verpflichtung zwei Gruppen zu leiten. Sind diese vorbei, so musste ich schnellstmöglich neue Pat haben, um die Quote aufrecht zu erhalten. Über die drei Jahre bestanden zum einen an der Anmeldung sowie im Patientenmanagement Personalmangel, ebenfalls fielen über die gesamte Zeit mehrmals im Monat die Server aus. Man akkumulierte hier ein Minus, was -man kann es sich schon denken - bei mir wieder zu Quotengesprächen führte. Ebenfalls hatte ich in meiner Ausbildung immer wieder mit Pat zu tun, die ich als Fremdgefährdent einschätzte oder die mir gegenüber unangenehme Kommentare machten. Ich wurde auch nach Gesprächen aufgefordert weiterzuarbeiten.
Aufgaben/Tätigkeiten
Wie bereits angegeben, war die schiere Masse und die Komplexität an Pat die ich ohne wirklich engmaschige Supervision (keine Videoaufnahmen, keine Protokollpflicht) für mich überfordernd. Supervisorinnen waren häufig jung und kaum erfahrener als ich.
Respekt
Sehr schwierig. Zum einen sind alle nett und es macht den Anschein, als gäbe es flache Hierarchien. Z.B. duzen sich alle. Allerdings wurdenkeine unserer angegeben Forderungen (z.B. funktionierende IT) wirklich berücksichtigt.