Verbesserungsvorschläge
Ich würde dem Unternehmen wünschen, sich stärker an modernen Arbeitsumfeldern und zeitgemäßen Arbeitgebern zu orientieren. Viele Strukturen und Umgangsformen wirken sehr altmodisch und festgefahren. Schon kleine Dinge wie kostenlos zur Verfügung gestelltes Wasser für die Mitarbeitenden sollten aus meiner Sicht selbstverständlich sein. Insgesamt würde ich mir wünschen, dass das Unternehmen offener für moderne Arbeitsweisen wird und bestehende Strukturen regelmäßig hinterfragt, anstatt sich ausschließlich auf „Das war schon immer so“ zu berufen.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre empfand ich insgesamt als streng und angespannt. Einzelne Kolleginnen und Kollegen haben zwar versucht, die Stimmung aufzulockern, grundsätzlich war die Atmosphäre jedoch eher altmodisch und wenig locker. Häufig wurde mit Aussagen wie „Das war schon immer so“ an bestehenden Regeln und Abläufen festgehalten, anstatt diese zeitgemäß zu hinterfragen.
Besonders im ersten und zweiten Lehrjahr empfand ich die Stimmung teilweise als so angespannt, dass ich aufgrund des Verhaltens einzelner Personen sogar Angst hatte, zur Arbeit zu gehen. Im dritten Lehrjahr war es für mich angenehmer, da ich überwiegend im Digitaldruck und dadurch viel selbstständiger gearbeitet habe.
Karrierechancen
Die Karrierechancen empfand ich als eher begrenzt. Als ausgelernter Mediengestalter bleibt man in der Regel in dieser Position, ohne wirkliche Möglichkeiten, sich innerhalb des Unternehmens beruflich weiterzuentwickeln oder einen anderen Titel bzw. Aufgabenbereich zu erreichen. Ein Studium mit möglicher Unterstützung durch das Unternehmen scheint grundsätzlich möglich zu sein, allerdings offenbar eher für Mitarbeitende, die bereits lange im Unternehmen sind. Bei manchen hat das funktioniert, bei anderen wiederum nicht.
Arbeitszeiten
Die Arbeitszeiten waren für mich als Azubi nur bedingt flexibel. Änderungen mussten vorher abgesprochen werden, selbst wenn es nur um wenige Minuten ging. Besonders auffällig war für mich, dass bei mir sehr genau kontrolliert wurde, wann ich eingestempelt habe und wann ich tatsächlich an meinem Arbeitsplatz war. Ich hatte Gespräche darüber, wenn ich beispielsweise um 7:01 Uhr oder 7:02 Uhr erst im Büro war.
Im dritten Lehrjahr wurde für ein Gespräch sogar eine Tabelle mit meinen Stempelzeiten und den jeweiligen Zeiten, zu denen ich am Arbeitsplatz war, ausgedruckt. Dass solche Abweichungen von wenigen Minuten bei mir derart genau dokumentiert und thematisiert wurden, empfand ich als unverhältnismäßig. Für mich hatte das nichts mit einem vertrauensvollen Umgang, Motivation oder flexiblen Arbeitszeiten zu tun, sondern fühlte sich vielmehr wie gezielte Kontrolle an.
Ausbildungsvergütung
Die Ausbildungsvergütung empfand ich im Vergleich zu anderen Auszubildenden als eher niedrig. Natürlich sind die Vergleichsmöglichkeiten begrenzt, aber in meiner Berufsschulklasse gehörte ich mit zu den Geringverdienern und habe teilweise fast am wenigsten verdient. Vereinzelt gab es zwar Azubis mit einer noch niedrigeren Vergütung, insgesamt sehe ich bei der Ausbildungsvergütung jedoch deutlich Luft nach oben.
Die Ausbilder
Meine Ausbilder waren grundsätzlich hilfsbereit und freundlich und haben sich bemüht, bei Problemen Kompromisse zu finden. Die Ausbildungsstruktur empfand ich jedoch insgesamt als sehr altmodisch. Ein Beispiel dafür war die Kommunikation auf Augenhöhe: Wir Auszubildenden sollten unsere Ausbilder siezen, während wir von ihnen geduzt wurden. Für mich hat dieses einseitige „Duzen und Siezen“ ein deutliches Hierarchiegefühl vermittelt und wirkte nicht mehr zeitgemäß. Insgesamt hatte ich dadurch teilweise das Gefühl, dass bestehende Machtverhältnisse innerhalb der Ausbildung eher betont als auf Augenhöhe gestaltet wurden.
Spaßfaktor
Mit den Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich mich gut verstanden habe, hatte ich durchaus Spaß bei der Arbeit, insbesondere mit den jüngeren Kolleginnen und Kollegen. Insgesamt hatte ich jedoch den Eindruck, dass Spaß und lockere Momente am Arbeitsplatz eher nicht gerne gesehen wurden. Es wurde viel Wert darauf gelegt, dass man durchgehend beschäftigt ist und arbeitet, wodurch eine entspannte oder lockere Arbeitsatmosphäre aus meiner Sicht nur begrenzt möglich war.
Aufgaben/Tätigkeiten
Die Aufgaben und Tätigkeiten waren während meiner Ausbildung abwechslungsreich. Es wurde darauf geachtet, dass ich regelmäßig neue Aufgaben und Bereiche kennenlernen konnte und auch die Möglichkeit hatte, verschiedene Dinge auszuprobieren. Dadurch konnte ich vielseitige Erfahrungen sammeln und meine Kenntnisse in unterschiedlichen Bereichen erweitern.
Variation
Die Variation der Aufgaben war je nach Ausbildungsjahr sehr unterschiedlich. Im ersten Lehrjahr saß ich häufig alleine und hatte dadurch vergleichsweise wenig Abwechslung. Das zweite Lehrjahr war dafür sehr abwechslungsreich und ich konnte viele unterschiedliche Aufgaben und Bereiche kennenlernen. Im dritten Lehrjahr war ich überwiegend im Digitaldruck eingesetzt und hatte dadurch deutlich weniger Abwechslung als zuvor. Insgesamt waren die Tätigkeiten also durchaus vielfältig, allerdings nicht über die gesamte Ausbildungszeit hinweg.
Respekt
Unter den Kolleginnen und Kollegen war der Umgang grundsätzlich okay, auch wenn er teilweise besser hätte sein können.
Von meinem direkten Vorgesetzten habe ich dagegen während meiner gesamten Ausbildung kaum bis gar keinen Respekt erfahren. Es gab immer wieder Situationen, in denen ich mich deutlich respektlos und nicht auf Augenhöhe behandelt gefühlt habe. Das zog sich vom ersten bis ins dritte Lehrjahr und war für mich kein Einzelfall. Mir wurden Dinge teilweise unnötig erschwert und der Umgang mit mir war wiederholt wenig wertschätzend. Gerade von einer Führungskraft hätte ich deutlich mehr Respekt und einen professionelleren Umgang erwartet.