Mehr Schein als Sein, eine Firma mit gravierenden strukturellen Problemen.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Der Zusammenhalt unter den Kolleg*innen ist wirklich bemerkenswert. Die meisten Menschen, die ich kennenlernen durfte – sei es im Büro oder remote – waren offen, herzlich und aufgeschlossen.
Es gab einzelne Bemühungen, Austausch zu fördern, wie zum Beispiel das „Coffee-Roulette“ für Remote-Kolleg*innen – eine gute Idee, die allerdings kaum das strukturelle Chaos und die mangelhafte Organisation ausgleichen konnte.
Zudem schätze ich, dass nicht allein ein spezifischer Studienabschluss im Fokus steht. Vielmehr zählt die eigene Motivation und die Fähigkeit, sich selbst gut zu präsentieren und einzubringen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Wie auch in anderen Bewertungen erwähnt, sind viele der Führungskräfte sehr jung, unerfahren und schlecht bis gar nicht auf ihre Rolle vorbereitet. Es scheint keine ausreichende Unterstützung oder Schulung für neue Team Leads zu geben.
Die Einarbeitung variiert stark je nach Team. In meinem Fall gab es praktisch kein Onboarding, keine Vorstellung bei anderen Teams oder relevanten Schnittstellen – was einen effizienten Start erheblich erschwert hat, besonders dank des Remote-Konzepts.
Die Unternehmensführung wirkt desorganisiert und setzt Prioritäten falsch. Während alle Stellen mit einem Budget für Weiterbildung beworben werden, bleibt die tatsächliche Investition in Mitarbeitende weit hinter den Erwartungen zurück. Stattdessen scheint Geld in Prestigeprojekte wie eine Mitarbeiterwohnung mit Designer-Möbeln oder Konsolen im Office zu fließen. Wer tatsächlich Zugang zu Weiterbildung erhalten möchte, müsste wohl erst öffentlich Druck ausüben, z. B. über LinkedIn.
Wie viele andere auch habe ich die sogenannte „Hire-and-Fire“-Kultur als extrem intransparent erlebt. Stellen werden ohne Rücksprache mit den betroffenen Teams ausgeschrieben, Kündigungen oder freiwillige Abgänge werden möglichst unter Verschluss gehalten. Mitarbeitende werden gebeten, ihr Ausscheiden nicht offen zu kommunizieren – was entweder zu plötzlichen Übergaben in letzter Minute führt oder zu unangenehmen Konsequenzen, wenn man offen darüber spricht. Es scheint ein unausgesprochenes Tabu zu sein, seinen Abschied offen und respektvoll zu gestalten.
Auch die Workation- und Remote-Regelung ist nicht durchdacht und wirkt eher wie eine Grauzone, von der der Arbeitgeber profitiert. So müssen deutsche Feiertage, die am Arbeitsort nicht gelten, als Urlaubstage eingetragen werden – selbst wenn man sich im europäischen Ausland befindet. Das Prinzip wirkt inkonsequent und einseitig ausgelegt.
Was ich zusätzlich als sehr kritisch betrachte: Qualifikation scheint in diesem Unternehmen kaum eine Rolle zu spielen. Viele Mitarbeitende wirken unvorbereitet und überfordert, was in Kombination mit fehlender Einarbeitung zu erheblichem Qualitätsverlust und Frustration führt. Das wirkt sich nicht nur auf die Arbeitskultur, sondern auch auf die Ergebnisse aus.
Ich kann niemandem empfehlen, bei WeCreate zu arbeiten oder mit dem Unternehmen zusammenzuarbeiten – insbesondere nicht, wenn man Wert auf persönliche Entwicklung, Transparenz oder respektvollen Umgang legt.
Ich hätte mir diese Erfahrung – und das emotionale Gepäck, das sie mit sich brachte – gerne erspart.
Kollegenzusammenhalt
In meinem Team herrschte ein starker Zusammenhalt. Ich hatte das Glück, mit großartigen Kolleg*innen zusammenzuarbeiten, die jederzeit hilfsbereit, zuverlässig und kommunikativ waren – das hat den Arbeitsalltag sehr bereichert.
Umgang mit älteren Kollegen
Es gibt keine Kolleg*innen, die älter als 40 sind.
Vorgesetztenverhalten
Führungskräfte arbeiten an zu vielen Projekten gleichzeitig und haben kaum Kapazitäten für ihre Teams. Erwartungshaltungen werden nicht klar kommuniziert, Kritik aber trotzdem scharf geäußert – oft mit Floskeln wie „Ich will dich nur challengen“.
Feedback wird nur akzeptiert, wenn es von oben kommt. Konstruktive Kritik an Strukturen oder Führungsverhalten wird schnell als „Lack of Ownership“ abgetan. Konflikte werden nicht gelöst, sondern ignoriert, Kündigungen oft spontan und ohne Gespräche ausgesprochen.
Statt strukturelle Probleme anzugehen, werden regelmäßig neue Mitarbeitende eingestellt – und bald wieder entlassen. Die Führung präsentiert sich nach außen stark, liefert intern aber kaum Substanz. Viele Versprechen, wenig Umsetzung.
Kommunikation
Die teamübergreifende Kommunikation auf Mitarbeiterebene funktioniert in vielen Fällen gut. Sobald aber Führungskräfte involviert sind, herrscht Chaos. Auch innerhalb der Führungsetage – selbst bei lokal ansässigen Führungskräften – gibt es keine klare Linie. Widersprüchliche Anweisungen kosten Zeit, verursachen Frustration und verunsichern Teams.
Gleichberechtigung
Zwar gibt es viele Frauen in der Firma, aber wenn man nicht in einer Führungsposition ist wird man weniger ernst genommen, weil die KI eh alles besser weißt.