Das "Game of Thrones" der Kommunikationsbranche?
Gut am Arbeitgeber finde ich
Man hat die Chance, integer zu bleiben – zumindest eine Zeit lang. Wer wie Ned Stark mit Prinzipien arbeitet, erlebt vielleicht ein kurzes Gefühl von Würde, bevor der berufliche Richtblock wartet.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Ich habe in meinem Berufsleben vieles erlebt – aber ein Arbeitsumfeld, das derart von internen Grabenkämpfen auf höchster Ebene geprägt ist, war neu. Es erinnert eher an den Hof von Königsmund als an ein modernes Unternehmen: Loyalitäten wechseln, Allianzen zerbrechen, und wer sich zu sicher fühlt, sitzt selten lange bequem. Kundeninteressen? Nachrangig. Entscheidend ist, wer gerade oben steht – und wen man dort besser nicht verärgert. Kommunikation verläuft selten offen, dafür umso häufiger über Flure, Andeutungen und stille Machtdemonstrationen. Wer glaubt, mit Engagement oder Sachlichkeit zu punkten, hat das Spiel nicht verstanden. Und wer nicht mitspielt, wird über kurz oder lang vom Brett genommen.
Verbesserungsvorschläge
Wer langfristig Mitarbeitende halten möchte, sollte Strukturen schaffen, die auf Vertrauen statt auf Kontrolle basieren. Eine Organisation, in der persönliche Nähe zur Führung mehr zählt als Kompetenz, produziert Stillstand statt Entwicklung. Solange Ränkespiele den Ton angeben und konstruktive Impulse als Bedrohung gelten, bleibt das volle Potenzial des Unternehmens ungenutzt. Wer in einem politisch aufgeladenen Klima bestehen muss, arbeitet nicht an Inhalten – sondern an seinem eigenen Überleben.
Arbeitsatmosphäre
Stell dir ein höfisches Intrigenkabinett vor, in dem selbst Lord Baelish die Orientierung verlieren würde – dann hast du ein ziemlich genaues Bild. Vertrauen? Riskant. Offenheit? Lebensgefährlich. Wer sich bemüht, mit positiver Energie in den Tag zu starten, läuft Gefahr, schräg angeschaut oder vorsorglich als illoyal eingestuft zu werden. Freundlichkeit scheint hier als subversiver Akt betrachtet zu werden.
Kommunikation
Wer nicht zufällig neben der richtigen Tür steht oder dem Flurfunk lauscht, erfährt vieles zu spät – oder gar nicht. Entscheidungen erscheinen oft wie spontane Eingebungen, und Rückfragen gelten schnell als Ausdruck von Schwäche.
Kollegenzusammenhalt
Kollegen? Gibt es – aber leider nie lange genug, um stabile Beziehungen aufzubauen. Es gibt gute Menschen hier. Man erkennt sie daran, dass sie bald weg sind. Und ja: Manchmal hat man das Gefühl, dass Kollegen mehr zur Beobachtung denn zur Zusammenarbeit eingesetzt werden. Vertrauen ist schön – Kontrolle ist offenbar besser.
Work-Life-Balance
Work ja. Life eher weniger. Wer Kinder hat oder ein anderes Leben außerhalb der E-Mail-App führt, sollte das möglichst diskret behandeln.
Vorgesetztenverhalten
Das Verhalten der Führung lässt sich irgendwo zwischen Shakespeare und Dschungelcamp verorten: Dramatisch, unvorhersehbar, mit hohem Unterhaltungswert für Außenstehende – weniger für die Beteiligten. Persönliche Loyalitäten scheinen oft wichtiger zu sein als Fachlichkeit oder Kommunikation auf Augenhöhe. Es gab Situationen, in denen Gespräche hinter geschlossener Tür geführt wurden, bei denen die Atmosphäre eher an ein Tribunal als an ein Mitarbeitergespräch erinnerte. Druck und Einschüchterung sind nicht offiziell Teil der Unternehmenskultur – aber sie passieren.
Interessante Aufgaben
Die Themen sind spannend, das Potenzial groß. Leider wird Engagement häufig als Bedrohung empfunden. Wer mitdenkt, macht sich verdächtig. Wer gestalten will, stört den Ablauf. Wer Vorschläge hat, sollte sie gut verstecken.
Gleichberechtigung
Wer sich geschickt positioniert und das richtige Timing fürs Lob findet, darf auf Anerkennung hoffen. Qualifikation hilft – Anpassung hilft mehr.
Umgang mit älteren Kollegen
Erfahrung wird in der Theorie geschätzt – praktisch zählt vor allem, ob man ins aktuelle Machtgefüge passt. Alter schützt nicht vor Zynismus. Oder davor, irgendwann wie ein altgedienter Maester behandelt zu werden: Man darf den Tee servieren – und wird anschließend beruflich still und leise entsorgt.
Arbeitsbedingungen
Technisch und organisatorisch wird das Überleben zur Hauptkompetenz. Struktur? Ein schöner Gedanke. Prozesse? Bewegliche Ziele. Es gilt: Wer sich selbst organisiert, lebt länger – zumindest beruflich.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Umweltschutz spielt ungefähr die gleiche Rolle wie Empathie in Game of Thrones – bekannt, aber selten anzutreffen. Sozialverantwortung richtet sich primär nach innen: an die eigene Position, den eigenen Vorteil, das eigene Fortkommen. Für größere Zusammenhänge scheint weder Interesse noch Verständnis vorhanden zu sein. Es wird in erster Linie an sich gedacht – und das ziemlich konsequent.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt liegt solide über Hartz 4.
Image
Außen professionell, innen ein Königshof im Kleinkrieg. Wer hier überlebt, muss weniger Kunden überzeugen als vielmehr stille Machtgefechte bestehen – die Fluktuation spricht Bände.
Karriere/Weiterbildung
Wer auf strukturierte Entwicklung, Förderung oder gar Weiterbildung hofft, sollte lieber auf eigene Kosten ein Fernstudium starten.