Der Schein trügt
Gut am Arbeitgeber finde ich
Vielseitige Aufgaben, unbegrenztes Homeoffice (teilweise auch im Ausland möglich, ohne großen Aufwand), Flexible Arbeitszeiten
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Leider sehr viel.
- Viele geben 100% – und trotzdem scheint es nie genug zu sein
- Führungskräfte, die sich trotz Unzufriedenheit während regelmäßiger Feedbackgespräche nicht trauen, negatives Feedback zu geben
- Führungskräfte, die meiner Meinung nach offensichtlich nicht in Leading Rollen mit Personal sein sollten
- sozial meiner Meinung nach sehr Dynamiken, die von der Geschäftsführung ausgehen, wenn man Kritik äußert
- Kununu Bewertungen werden regelmäßig gelöscht.
- Micromanaging, ua. was Arbeitszeiten betrifft.
- Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen extrem, ständiges Checken von Nachrichten (auch im Urlaub) wurde zumindest von meinem Team Lead vorgelebt und so gespiegelt, dass dieses Verhalten nicht unerwünscht sei
- Physische und mentale Gesundheit der Mitarbeitenden steht absolut nicht im Vordergrund.
- wenig monetärer Wertschätzung, dafür das Spielen „einer Familie“, die aber genauso schnell toxisch werden kann.
- Es ist Gang und Gebe zu Orten zu veröffentlichen, an denen man selbst noch nie war
Verbesserungsvorschläge
Wo soll man anfangen? Es geht hier nicht nur um ein paar kleine Sachen, sondern um grundlegende große Themen.
Arbeitsatmosphäre
Kritik wird regelmäßig auf sehr persönlicher Ebene vorgebracht, Micromanaging ist Thema. Ehrliches, konstruktives Feedback wird Mitarbeiter*innen oft zum Verhängnis – bis hin zur Kündigung.
Kommunikation
Erfolge werden geteilt, aber auch anderes unter den Teppich gekehrt. Hier gibt es ein Dissbalance. Auch haben einige Führungskräfte Angst vor schwierigen Gesprächen, teilen so über Monate hinweg keine Kritik – und kündigen Mitarbeiter*innen dann.
Kollegenzusammenhalt
Kolleg*innen innerhalb einer Ebene haben einen tollen Zusammenhalt – das ist der Grund, warum so vieles so lange funktioniert. Die Fluktuation allerdings ist extrem hoch – sodass man sich noch fragt, wie man eine mittel- oder langfristige Bindung mit Kolleg*innen aufbauen soll.
Work-Life-Balance
Das „unbegrenzte“ Urlaubsmodell wird faktisch nicht gelebt. Wer es tut, sieht sich meiner Meinung nach mit unzähligen Nachfragen, Rechtfertigungen und einer hochgezogenen Augenbraue konfrontiert.
Außerdem ist Betriebsurlaub über die Weihnachtsferien verpflichtend – die Urlaubstage werden also vom Urlaub abgezogen, sie sind nicht etwa zusätzlich. Auch die Kommunikation dazu findet bei Einarbeitsungs-, oder etwa Bewerbungsprozess nicht statt. Regelungen und Abmachungen zu Urlaub werden häufig umgeändert. Es wird teilweise vorausgesetzt, dass man auch im Urlaub erreichbar ist, auch Kündigungen im Urlaub sind schon vorgekommen. Auch werden Aktivitäten aus dem Urlaub, die nichts mit dem Job zu tun haben, Mitarbeiter*innen bei Belieben negativ ausgelegt.
Nachrichten von Vorgesetzten kommen auch weit außerhalb derArbeitszeiten. Somit wird Stress und Gruppenzwang ausgelöst, wenn man die normalen Arbeitszeiten einhält. Wer nur 110% gibt, wird bestraft, 150 % und Überperformen wird vorausgesetzt.
Vorgesetztenverhalten
Einer der Geschäftsführer beauftragt seinen besten Freund trotz Protest mehrerer Mitarbeiter*innen auf mehreren Ebenen wiedeholt als Freelancer. So werden unter dafür eingestellten Mitarbeiter*innenbegehrte Projekte von ihm übernommen. Zitat dazu, dass von mehreren Zeug*innen belegt werden kann: „Er ist ein Mann, wir haben schon so viele Frauen vor der Kamera“.
Stellen werden zu wenig nachbesetzt, Gaslighting und Vertrösten sind ein großes Thema in Bezug auf Gehalt und Aufstieg. Zitat „Der Workload wird besser werden“ fällt ständig. Mitarbeiter*innen wird beim Ausstieg gesagt, dass der Chef persönlich enttäuscht sei. In verschiedensten Teams wird von verschiedensten Führungskräften Mitarbeiter*innen über Monate hinweg gesagt, dass alles Bestens sei – dann aber werden sie gekündigt, und erfahren von Gesprächen, die darüber bereits über Monate hinweg hinter ihrem Rücken geführt wurden.
Interessante Aufgaben
Ja. Das ist einer der Gründe, die Mitarbeiter*innen dort halten
Gleichberechtigung
Männer-Frauen Ungleichheit ist kein Thema.
Arbeitsbedingungen
Wie von unzähligen Mitarbeiter*innen belegt werden kann, ist es die Norm, sich Tische zu teilen. Auch war es, zumindest bis zu meinem Ausscheiden, regelmäßig nötig, vom Sofa aus zu arbeiten, weil andere Arbeitsplätze fehlten – deswegen gehen Mitarbeiter*innnen häufig wieder ins Home Office. Aufzug im Büro nicht zuverlässig.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Es wird behauptet, dass Nachhaltigkeit ein Thema sei. Dennoch werden Advertorials zu MSC Kreuzfahrten, KFC, Amazon Prime und NFTs geschalten. Mehrmals mit den Gesichtern von Mitarbeiter*innen, die sich damit, Gesprächen nach zu urteilen, unwohl fühlen. Kritik dazu wird extrem ungern gesehen.
Gehalt/Benefits
Ein Bildungstausender (1000€ Weiterbildungsbudget pro Jahr pro Mitarbeiter*in) wird zwar plakatiert, dann aber kurzfristig doch für das gesamte Unternehmen gestrichen/drastisch reduziert, wie durch eine interne Mail aus Herbst 2025 belegbar ist. Außerdem werden sehr viele Vorschläge für Bildungstausender abgelehnt. Gehalt auf Produktionsebene für den Druck und die erwartete Arbeitsleistung sehr gering. Gehälter werden pünktlich ausbezahlt. Das gesamte Unternehmen ist gestützt von Social Media, in der Gehaltspyramide aber sind alle, die mit Social Media Produktion zu tun haben, ganz unten.
Image
Außen hui, innen Pfui. Junior Titel wurde abgeschafft, weil „es abwertend wirkt“, Junior Gehalt aber nicht. Somit gibt es interne Juniors, nach außen aber soll das nicht kommuniziert werden. Nach außen ist das Image viel positiver und New Work, als es tatsächlich ist. Auch auf Webseite und LinkedIn wird hart an dem Image gearbeitet,
nach Innen aber überhaupt nicht gelebt. Regelmäßig stellen sich die Geschäftsführer auf Bühnen, in Panels und in Podcasts und predige ihr „modernes“ New-Work-Modell.
Karriere/Weiterbildung
Es gibt zwar ein persönliches „Entwicklungsmodell“, für einige Mitarbeiter*innen aber wurde selbst nach Jahren kein Modell erstellt. In der Firma gibt es das absolute Gegenteil von flachen Hierarchien, von denen aber ständig gepredigt wird. Schaut man sich die Ebenen der Redaktion an, fällt auf, dass man als Redakteurin zeitweise vier Vorgesetzte, aber nur zwei Kolleginnen auf der selben Ebene – der untersten, im Tagesgeschäft operativen, hatte.
